• Kucki 232

Folge 11 - Ein bisschen Schule


 

Dritte Winterwoche: Montag

Geburtstage: keine

Events/Feiertage: keine

Erzähler: Emilio

 

Ich habe heute absolut keine Lust in die Schule. Wie eigentlich jeden Tag nicht. Die anderen Kinder nerven dort und haben eh keine Ahnung. Mal schauen, was mich heute dort erwartet. Vielleicht nehme ich ja mal das Furzkissen mit, was meinem Opa mal gehört hat. Mein Opa war cool, auch wenn ich ihn nie wirklich kennenlernen konnte. Mam hat mir aber viel erzählt. So möchte ich auch sein. Mit Opa hätte ich bestimmt viel Spaß gehabt.


Paps steht schon in der Küche und brutzelt mir einen vor. Er kann gut kochen, so ist es nicht.

Ich gehe erstmal duschen, bevor ich mir auch etwas zu essen hole. Ja, das bin ich. Emilio. Ich bin der Zweitälteste hier im Hause und ich mag es nicht, wenn man mich nervt. Dann nerve ich zurück. Mir auch egal, ob ich mich jetzt mit einem Badehandtuch an den Tisch setze. Gehört sich nicht, aber ich mache es trotzdem.

Paps meckert mich deswegen auch an, aber er soll sich nicht so anstellen. Hallo? Ich sitze doch nicht mal nackig hier.

„Alles gut. Ich zieh’ mich ja gleich an“, sage ich.

Das da ist mein blöder Bruder Niklas. Er soll bloß aufpassen. Er hat immer so eine große Klappe und muss petzen. Idiot. Aber ich bin größer und älter. Also auch stärker. Gegen mich hat er nie eine Chance.

Die anderen Geschwister sind okay. Langweilig irgendwie. Joshua redet auch nur von seinem Naturkram. Das interessiert mich nicht. Aber sonst ist er okay. Wie ein großer Bruder eben sein muss. Madleen und Joel aber. Hm. Sie nerven mich nicht. Das ist schon mal gut.

Joshi und ich gehen in die Schule. Bäh. Habe keine Lust.

Aber wisst ihr was? Ich habe gegen Mittag wirklich keinen Bock mehr. Das Mondgesicht Pascal geht mir so auf den Keks. Der soll nicht so grinsen, sonst haue ich ihn mal. Dann grinst er nicht mehr so. Warum machen das die anderen immer? Finden sie das toll? Ich hasse es, wenn alle so grinsen. Meinen immer alle, was Besseres zu sein. Ja, meine Noten könnten besser sein, aber mir doch egal. Ich habe lieber Spaß, als dort zu hocken.

Also sage ich, dass es mir nicht so gut geht und ich darf nach Hause. Aber nö. Zuhause ist es langweilig. Ich habe Spaß in Windenburg und hole mir was zu trinken.

Im Unterricht kann man ja nicht mal im Schnee spielen. Wie öde. Der Lehrer liest immer so einen Blödsinn vor und wir sollen auch Bla Bla im Buch lesen. Interessiert doch keinem. Oder interessiert euch, was irgendwer vor 500 Jahren gemacht hat? Mich jedenfalls nicht.

Also trinke ich erstmal in Ruhe meine Milch aus.

Ich versuche mich im Schlittschuhfahren. Aua. Das tut ganz schön weh, wenn man hinfällt. Aber egal. Ich bin stark und schaffe das.

So drehe ich meine Runden und habe Spaß dabei. Ich werde immer besser und bald bin ich Schlittschuhmeister.

Schließlich ziehe ich die Schlittschuhe aus. Es ist ganz schön anstrengend, die ganze Zeit so zu laufen. Also mache ich neben der Bahn einen Schneeengel. Es macht so wahnsinnig Spaß. Huii.

Ich habe noch viel Zeit. Vielleicht komme ich morgen ja wieder hierhin.

Also baue ich einen Schneemann. Er wird größer als unser Haus. Noch größer als der Himmel. Riesengroß.

Bald ist er fertig. Meine Finger fangen langsam an zu frieren. Ich hätte mir Handschuhe mitnehmen sollen. Zu spät. Den Schneemann mache ich trotzdem noch fertig.

Bis ich mich dann total erschrecke. Mich spricht jemand von hinten an.

„Kannst du mir mal sagen, was das hier wird? Schon Schule aus?“

Es ist auch noch mein Paps. Oje. Er arbeitet als Detektiv und scheint, was ganz Wichtiges zu sein. Sein Outfit ist total cool, aber er hat mich jetzt voll erwischt. Au weia. Ich weiß nicht, was ich machen soll und nicke nur.

„Ich werde jetzt mit dir ins Café gehen, um noch einen heißen Kakao zu trinken und dann gehen wir nach Hause. Ich rate dir, das nicht nochmal zu machen. Haben wir uns soweit verstanden?“, sagt er. Er scheint wirklich sauer zu sein. Vor meinem Paps habe ich aber Respekt. Wenn er was sagt, dann mache ich das auch. Also, zumindest versuche ich das immer. Ich schwöre.

Wir gehen ins Café. Ich wurde bislang noch nie erwischt und gerade heute kommt Paps hier vorbei. Keiner hat das bislang mitbekommen. Habe halt keine Lust. Kann ich auch nichts zu. Warum muss man überhaupt in die Schule? Paps behält mich auch gut im Auge. Wenn er immer so guckt, dann sieht das böse aus. Obwohl. Er ist harmlos. Nur auf der Arbeit fängt er böse Jungs. Ich bin ja nicht böse.

Paps redet mit mir kein Wort und trinkt nur seinen Kakao aus. Lieber sage ich jetzt nichts.


Schließlich sagt er nur, dass ich mitkommen soll. „Ab nach Hause und Hausaufgaben machen!“

Ich folge und habe Angst, voll den Ärger zu bekommen. Ich bekomme immer gleich Ärger, aber wenn Niklas petzt und lügt, bekomme immer nur ich Ärger. Ich hasse das. Da mache ich doch nie etwas Schlimmes. Die Schule ist halt nur doof und es kann mich keiner zwingen, dort hinzugehen.

Und dann beobachtet mich Mam auch immer die ganze Zeit, dass ich ja meine Hausaufgaben mache. Ich bin kein kleines Kind mehr. Immerhin bin ich schon 10. Ich deute ihr auch immer an, dass sie nicht so gucken soll.

Ich mag es nicht, so viele Geschwister zu haben. Immer kommen sie dazwischen, wenn ich mal was habe. Das macht mich traurig. Niemand hat so richtig Zeit für mich. Und in der Schule ist es nicht besser. Da möchte ich doch nur etwas Spaß haben.


Als ich mit den Hausaufgaben fertig bin, schickt Mam mich auf mein Zimmer. Na toll. Wieder der böse Emilio. Bla bla. Irgendwann werde ich wegziehen und dann mit einem eigenen Schiff über die Meere segeln. Ganz allein. Dann kann mich keiner nerven.

Es klopft an der Tür. Ich erschrecke.

„Hey, darf ich kurz reinkommen und mit dir reden?“

Mam soll mich bloß in Ruhe lassen. Alle sollen mich in Ruhe lassen. Ich äffe sie nach, aber das kann sie ja nicht sehen.

„Mir doch egal“, sage ich nur.

Die Tür öffnet sich und dann guckt Mam auch noch so blöd da durch. Soll das nun witzig sein? Mam setzt sich neben mich und überlegt wohl, was sie mir sagen soll. Wenn sie nichts weiß, dann braucht sie doch gar nichts zu sagen. Kommt eh nur bla bla.

„Ich habe eben mit Paps geredet und wir haben uns was überlegt. Vielleicht wäre es wirklich mal toll, wenn wir in den Urlaub fahren würden und mal etwas zusammenrücken können. Was meinst du?“ Sie schaut mich gerade irgendwie total erleichtert an. Als wenn sie jetzt hofft, dass ich gleich aufspringe und loshüpfe, wie ein freudiges Baby. Ich bin aber kein Baby mehr. Das kann sie also knicken.

„Wenn Niklas zuhause bleibt, dann komme ich mit.“ Mein Standpunkt ist klar.

„Vielleicht könnt ihr euch dort doch wieder vertragen. Es würde uns allen guttun.“

Ich schüttle nur mit dem Kopf. Da brauche ich erstmal Bedenkzeit. Wenigstens hat sie schon mal nicht gemeckert, wie sonst immer. Mecker, mecker, mecker.

Als Mam wieder rausgeht, dreht sie sich nochmal kurz um und sagt: „Kommst du dann auch Essen? Ich kann mir gut vorstellen, dass es langweilig ist, sich die Tür die ganze Zeit anzuschauen, hihi. Aber es musste sein. Schule schwänzen ist nicht gut. Der Unterricht ist wichtig.“

„Ja ja. Ich komm’ gleich“, sage ich.

Eine Weile schaue ich mir die Tür noch an und beschließe ins Esszimmer zu gehen. Ich lasse mir aber nicht anmerken, dass ich alles doof finde.

Später kommen noch Onkel Phillip und Opa Sven zu uns. Die beiden sind immer witzig. Phillip bringt mir immer was mit. Finde ich nett. Aber auch Niklas bekommt immer was. Er ist gemein und wird beschenkt. Ungerecht. Und morgen hat er Geburtstag, Mir wird schon was Fieses einfallen, damit es kein schöner Geburtstag wird.


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