• Kucki 232

Folge 13 - Nie hast du Zeit


 

Dritte Winterwoche: Mittwoch

Geburtstage: Aurelie

Events/Feiertage: keine

Erzähler/in: Emily

 

Meine Nacht endet schon sehr früh. Ich hätte mich mindestens noch 20 Mal umdrehen können. Um 5 Uhr schreit Aurelie. Also schaue ich nach, was mit ihr ist. Marc soll ausschlafen, da er schon genug tut und heute Abend muss er ja auch wieder los. Unser kleinstes Mädchen hat heute Geburtstag. Das kommt mit einer vollen Windel nicht so doll.

Nachdem ich die Kleine gewickelt habe, mache ich mich auf in die Küche, um Essen zu machen. Die drei Großen stehen bald auf. Da soll es ihnen an nichts fehlen. So wirklich bekomme ich meine Augen jedoch noch nicht auf.

Und wie das hier aussieht. Alles blieb von gestern Abend noch stehen und liegen. So viel ist immer zu tun. Manchmal bereue ich es, Marc in der Dusche überrascht zu haben. Ich liebe ihn aber so. Er ist ein Traum. Ich versinke total in Gedanken. Früher, wo wir uns kennengelernt haben, war die wunderbarste Zeit meines Lebens. Nein, auch heute ist es natürlich noch die wunderbarste Zeit mit ihm, aber damals war es was Besonderes.

Bis ich ein leichtes Rumsen aus dem Wohnzimmer heraushöre. Ich muss mich ganz schön erschrecken und die Gedanken zerspringen. Jemand weint. Hm. Madleen kann es nicht sein, da sie noch tief und fest schläft. Als ich nachschaue, sehe ich Aurelie unten auf dem Boden sitzen. Aber ich habe ihr doch gar nicht geholfen.

„Wollte allein rauskommen und pielen. Wiege langweilig“, sagt die Kleine und schaut mich mit ihren Kulleraugen an. Wow, denke ich. Da hat es aber jemand eilig gehabt.

Ich schaue nach, ob bei Aurelie alles in Ordnung ist. Ihre blonden Haare fallen mir sofort auf. Es ist witzig. Alle sind blond, außer Joshua und ich. Aber sie scheint meine grünen Augen zu haben. Also nicht ganz. Ich habe ja grau-grün. Die süße Maus bekommt einen Trinkbecher voll mit Milch, bevor es auch schon im Bad weitergeht. Wer lässt hier bitte immer seine Sachen liegen? Das kann doch echt nicht sein. Na ja, wenigstens sitzt Joel brav auf dem Töpfchen. Wenigstens das klappt.

Es wäre ja auch nie weit gewesen zu den Wäschekörben. Da muss ich wohl mal ein Machtwort sprechen.

Wie das hier ausschaut. Unfassbar. Ich habe auch noch anderes zu tun, als allen ständig hinterherzuräumen. Ein bisschen fehlt mir ja das Leben von damals. Feiern gehen und einfach nur die Musik genießen. Freundinnen zu haben, mit denen man um die Häuser ziehen kann. Ja, ich habe Annika, Steven und Tommy, aber sie feiern nicht wirklich gern. Und ich komme da halt nie zu.

Draußen geht es ja auch noch weiter. Tiere wollen versorgt und Pflanzen gepflegt werden. Ich finde, dass die Idee mit dem Urlaub wirklich eine gute Sache ist. Jetzt, wo Aurelie auch noch die Wiege verlassen hat, werde ich mit Marc mal etwas planen. Bald ist Joshua ja auch noch eine ganze Woche weg.

Ich gehe erstmal raus und kümmere mich um die Tiere. So niedlich sie auch sind, aber es ist viel Arbeit.

Fridolin sieht auch aus, als hätte man den kleinen Stinker schon ewig nicht mehr geputzt. Die Kids versorgen sich oben derweil selbst. Die drei Jungs packen das schon. Sind ja jetzt groß.

Als ich nach oben komme, sehe ich, dass mein süßer Blondschopf bereits wach ist und die Stellung hält. Wenn ich ihn nicht hätte, dann wüsste ich nicht, wie ich das alles schaffen sollte. Er hilft, wo er kann, obwohl mein Schatz sich noch um seinen eigenen Kram kümmern muss. Sein Beruf als Detektiv sieht zwar sehr einfach und angenehm aus, aber manchmal ruft man ihn plötzlich an, weil irgendwo wieder irgendwas ist. Letztens hatte Marc da so einen Fall mit einem Bademeister, der Slips geklaut hat. Dieser Bademeister konnte ganz schön flitzen, als mein süßer Blondschopf ihn verfolgen musste, hihi. Der Typ kann seinen Job wohl jetzt an den Nagel hängen.

Spektakulär sind seine Fälle zwar im Moment nicht so, aber mein großer Bruder Valentino möchte ihn in seiner Kanzlei nicht mehr missen. Trotzdem überlegt sich Marc, ob er bald eine eigene Detektei aufmachen soll.

Marc ist sehr schüchtern, aber er kommt um einen Kuss nicht herum. Süß, wie er immer flüchten möchte. Unvorstellbar, dass wir sechs Kinder haben, oder? Hihi.

„Morgen, mein süßer Casanova. Hoffe, du hast gut geschlafen“, sage ich und verpasse ihm einen superlangen Kuss.

Aber er sieht gleich, dass ich etwas bedrückt, wegen der ganzen Arbeit, bin. Wenn die Kinder wenigstens mal etwas hören würden. Alle machen, was sie wollen. Zumindest habe ich manchmal das Gefühl. Also bringt Marc mich zum Lachen. Ich weiß nicht, wie er das immer schafft. Einmal kurz einen Witz erzählt und schon muss ich lachen.

Und somit ist wieder Teamwork angesagt. Die Jungs haben sich zwar selbst gut versorgt, aber es ist alles stehen- und liegengeblieben. Während sich Marc um die kleinen Pupser kümmert, kann ich in Ruhe aufräumen. Er findet es nur traurig, dass er nicht mit dabei war, als Aurelie die Wiege verlassen hat. Aber da kann ich ihn ja vertrösten: Ich war es ja selbst nicht.

Mein Bruder Phillip kommt uns besuchen und ist selbst sehr erstaunt darüber, wie eilig es die kleine Püppi hatte. Er hat ihr ein Geschenk mitgebracht und sieht, wie gestresst es hier gerade zugeht. Immer noch liegt irgendwo etwas rum und von gestern das, wird auch nicht weniger.

Phillip beschließt, noch etwas zu bleiben, da Marc auch bald losmuss, um einen neuen Auftrag zu erledigen. Diesmal möchte er nicht so wirklich darüber reden, was sein Fall betrifft. Ich hoffe nur, dass er sich nicht in Gefahr begibt. Das würde ich nicht verkraften. Nur manchmal darf er eben nicht über seinen Job reden.

Während Schatz weg ist, hilft mir Phillip so gut es geht. Es ist ein Wunder, dass sich Joel darauf einlässt, mit seinem Onkel Flugzeug zu spielen. Der Kleine ist eigentlich lieber für sich. Umso schöner ist dann aber das Bild mit Phillip.

Die Schule ist aus und meine drei großen Jungs kommen nach Hause. Emilio bittet mich auch sofort, mit ihm zu reden. Aber klar. Eine ruhige Minute wird sich finden. Phillip ist ja noch da.

„Hast du denn kurz Zeit? Es ist wichtig, Mam“, sagt Emilio.

Wir gehen in die Esszimmerecke und er legt auch sofort los. Ich bemerke schnell, dass er wieder wütend ist. Wenn ihn etwas aufregt, dann wird er schnell wütend. Manchmal weiß ich selbst nicht, was ich machen soll. Es tut mir sehr weh.

„Mam, ich möchte nicht mehr zur Schule. Ich ....!“

Madleen setzt sich mit zu uns und fragt, ob sie was zu essen bekommen könnte. Ich sage: „Gleich.“, doch die Kleine gibt keine Ruhe. „Wir reden gleich, Emilio. Ich mache nur eben was zu essen.“ Er seufzt nur: „Ja ja. Das sagst du immer. Nie hast du Zeit.“

„Nein. Wir reden nachher. Versprochen. Lass uns erstmal zu Abend essen.“ Ich warte auf seine Reaktion, doch er schüttelt nur mit dem Kopf.

Ich stehe auf und Emilio tut dasselbe.

Als ich in die Küche gehe, um Essen zu machen, höre ich eine Tür knallen. Es scheint wirklich dringend zu sein. Daher beschließe ich, mir den Jungen nachher zurückzuziehen. Jetzt erst recht. Ich bemerke selbst, wie seine Noten immer schlechter werden und er Probleme mit seinem Bruder hat.

Es macht mich nachdenklich. Ich versuche ja schon immer mein Bestes, doch jeder möchte irgendwas von mir. Innerlich schreie ich selbst schon. Marc ist derjenige, der mich immer und immer wieder auffängt. Deswegen reiße ich mich zusammen und meistere alles, so gut ich kann.

Heute gibt es Melonensalat. Wir haben noch so viele Melonen übrig. Sie werden langsam schlecht.

Anschließend fragt mich Niklas, ob ich ihm bei den Hausaufgaben helfen kann. Natürlich. Das bekomme ich auch noch irgendwie unter. Die Kleinen sind ja schon mal versorgt und mümmeln ihren Salat weg. Alles unter Kontrolle.

Phillip muss nur leider schon nach Hause und Marc ist wohl noch etwas länger unterwegs. Kein Problem für mich.

Bevor sich die Jungs bettfertig machen, zieht mich Niklas noch kurz zurück. „Mam? Emilio lässt alles stehen und liegen. Hast du mal gesehen, wie es im Bad immer aussieht? Ich hingegen bin immer ordentlich. Du bist die beste Mam.“

Ich möchte mich eigentlich selbst langsam bettfertig machen, als Aurelie um die Ecke kommt. Sie möchte, dass ich ihr eine Geschichte vorlese. Klar, auch das ist kein Problem.

Also bringe ich meine kleine Püppi ins Bett und lese ihr eine Geschichte über Prinzessinnen vor. Manchmal hätte ich auch so ein Leben, hihi. Den ganzen Tag das Leben genießen. Ich habe es heute nicht mal vernünftig geschafft, nach draußen zu kommen. Es ist schade, da ich gern mal in die Altstadt gehen möchte. Aber die Tage werden bald bestimmt wieder besser.

Ich bin müde. Ich schaffe es nicht mal mehr, noch eine Weile mit den Kids Fernsehen zu schauen. Daher gehe ich zu ihnen ins Wohnzimmer und verabschiede mich für heute. Es war ein harter Tag.

Gegen 0 Uhr bemerke ich nicht mal, wie sich mein süßer Blondschopf an mich rankuschelt.


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