• Kucki 232

Folge 2 - Jetzt heißt es abwarten


Der nächste Morgen bringt eine gutgelaunte Familie, die manchmal aber etwas zu gutgelaunt ist. Jeder freut sich mittlerweile auf den Umzug, auch wenn immer noch keiner so wirklich weiß, wo es hingeht. Egal. Hauptsache neu anfangen. Brindleton Bay ist zwar ein cooler Ort und der Friedhof der Generationen ist auch nicht weit, aber es ist wohl immer noch nicht das, was die Duvans suchen.


Marc ist gerade dabei, seiner Tochter Töpfchenunterricht zu geben, als plötzlich Emily einfach so ins Bad kommt. Nur mit Handtuch umgewickelt. Wann soll sie denn auch sonst duschen? Madleen braucht eh länger und hier gibt es nun mal nur eine Dusche. Die junge Mam muss ja bald schon los, also bleibt ihr nichts anderes übrig.

Der arme Blondschopf weiß aber nicht so ganz, wie er da gerade drauf reagieren soll.

„Äh. Bist du sicher, dass du hier jetzt so duschen möchtest? Du, ähm. Ja.“

Soll er jetzt auf seine Tochter achten oder doch lieber zu Emily schielen? Eine verzwickte Sache.

Was Marc aber dann schließlich nicht passt ist, dass ihm ständig Muffin zwischen die Füße läuft, als Emily zur Arbeit ist und die Kids in der Schule. Er ist ja jetzt allein und hat die ganzen Kleinkinder zu versorgen. Die eine will dies und der andere das. Niklas kommt mit einem „Sie hat gepupst“ um die Ecke und Madleen lässt irgendwas fallen. Joel hat die Batterie von seinem Klimperding leergemacht und nervt jetzt wegen einer Neuen. Dann sind auch noch die Töpfchen voll, der Boden ist dreckig und die Wäsche muss auch noch gewaschen werden. Puh. Die Nerven liegen also ordentlich blank. So sieht kein freier Tag aus.


Der junge Vater denkt nach, bis er doch schließlich schweren Herzens zu einem Entschluss kommt: „Hey, Süße. Ich habe ja nicht mal richtig Zeit, mit dir Gassi zu gehen. Das ist doch auch doof. Es tut mir leid. Und wir ziehen bald um und natürlich möchten wir dich dabeihaben, aber aktuell klappt das irgendwie nicht. Wäre es okay für dich, erstmal wieder zu meinem Vater zu kommen? Ohne dass du wieder auf die Idee kommst, hierherzulaufen?“

Muffin neigt ihren Kopf zur Seite und hechelt ihr Herrchen einfach nur an.

„Hey, nein bitte. Guck mich nicht so an. Das ist fies. Bitte. Es wäre wirklich gerade besser. Mein Paps kann dir gerade etwas mehr Zeit schenken. Es tut mir leid. Sollte ja alles anders kommen.“

Schließlich schlabbert Muffin Marc nur ab.

„Ist ja nur für kurze Zeit.“

Marc atmet einmal tief durch und macht den entscheidenden Anruf. Er weiß ja, dass Muffin gut bei seinem Paps aufgehoben ist. Bis dann alles vorbei ist. Dann holt er sie wieder ab.

„Hey, Paps. Ich hätte da ein Anliegen. Könntest du einige Zeit Muffin mit zu dir nehmen? Es geht hier alles drunter und drüber.“

Sven ist mit einverstanden. Er muss nur kurz noch nach Windenburg und was für seinen Laden einkaufen. Seine Baufirma blüht richtig auf, seitdem der Fall gelöst ist. Er ist gerade wohl der glücklichste Chef aller Zeiten. Immerhin hat Sven seine Familie wieder. Leider muss Tanya noch zwei Jahre im Gefängnis sitzen. Es ist okay. Hätte trotzdem alles anders kommen sollen. Egal. Das ist Schnee von gestern.

Eine halbe Stunde später kommt Sven hupend bei den Duvans an. Es fällt Marc sichtlich schwer, aber gerade wieder, wo er die Sachen von Muffin zusammenräumt, klirrt irgendwas im Wohnzimmer und irgendwer zankt sich auch noch. „Nicht stimmt das. Nichts macht“, ruft der eine.

„Doch. Du putte mach. Du schuld“, ruft der andere.

„Hey, lasst den Blödsinn, ja?“, ruft Marc ins Wohnzimmer, als er gerade auf den Weg zur Haustür ist.


Als Marc die Tür öffnet, steht ein gutgelaunter Sven vor der Tür und nimmt seinen Sohn brüderlich in den Arm. So einen festen Klopfer auf die Schulter hat er auch noch nicht bekommen.

„Äh, ja. Hi, Paps. Schön, dich zu sehen“, sagt Marc verwundert.

„Na, mein Sohn. Boah, bist du groß geworden. Lass dich anschauen. Du, wow.“

„Äh.“

Und schon gibt es den nächsten Klopfer auf die Schulter.

Bevor Sven jedoch mit Muffin abdüst, möchte Marc noch seinen Standpunkt klären: „Es nervt mich gerade einfach nur noch alles. Was soll ich tun? Irgendwie geht hier trotzdem nichts richtig weiter.“

„Na ja. Ich hätte dir ja erklärt, wo die Lümmeltüten in den Regalen liegen. Hat deine Mam wohl etwas verschwitzt, würde ich sagen, hehe.“, dabei grinst er seinen Sohn nur an.

„Das ist nicht witzig, okay? Paps, von heute auf morgen änderte sich mein Leben und plötzlich ist alles heile Welt. Wir können uns ein Imperium mit dem Geld aufbauen. Vielleicht ein eigenes Geschäft aufbauen. Das wäre vor kurzem nie möglich gewesen.“

Immer noch fröhlich schaut Sven Marc an und muss langsam immer mehr grinsen.

„Weißt du. Auch ich habe einst mal so angefangen. Aus dem Nichts sagte ich, dass ich was aufbauen müsste. Hab damals mein Motorrad verkauft und mir da so einen Lumpenladen gemietet. Und schau dir den Laden heute an. Top in Schuss und die Leute wollen unsere Häuser kaufen wie blöd. Gibt keine besseren. Alles top in Schuss. Keine Billighäuser. Gute Dämmung und so. Wenn ihr wollt, könnten wir sogar euer Haus bauen. Müsst nur sagen, wo. Dann bauen wir das. Ganz easy. Cool, oder? Und da du mein Sohn bist, bekommst du natürlich Rabatt. Einfach so.“

Marc fragt sich gerade, ob das bei ihm auch so in einem Beratungsgespräch läuft. Oh ja. Der Mann ist eindeutig Geschäftsmann. Aber das Angebot findet der junge Vater trotzdem klasse.


Sven muss langsam los. Es gibt noch viel zu tun. Steven wohnt mittlerweile bei ihm und ist mit Nadine verlobt. Nadine ist die ältere Schwester von Marc und Steven ein guter Freund von dem Blondschopf.

Jetzt heißt es wohl erstmal Abschied nehmen von Muffin. Marc setzt die Tasche auf dem Tisch ab und legt Muffins Lieblings-Quietschball dort rein, bevor er den Reißverschluss zuzieht.

Traurig streichelt Marc die Hündin und kann sie kaum loslassen.

„Bald hol’ ich dich wieder ab. Versprochen.“

Es tut ihm etwas weh, dass Muffin einfach so mit Sven mitgeht. Beim ersten Mal hatte sie etwas mehr Anstalten gemacht. Heute absolut nicht. Ob sie wieder zurückkommen wird, weil sie ihr Zuhause vermisst?


Jetzt heißt es also erstmal für die Duvans warten. Das Geld ist bislang noch nicht auf dem Konto eingetrudelt. Vielleicht ist es ja nachher doch ganz anders, wie Valentino meinte und sie bekommen doch nichts. Vielleicht war alles nur ziemlich voreilig?

Die Drei haben noch gar nicht so richtig registriert, dass Muffin nicht mehr da ist. Das muss Marc ihnen auch erstmal beichten. Die ganze Familie weiß davon ja noch nichts.

Aber es stimmt schon. Marc hat so viel zu tun. Er war jetzt ganze 6 Stunden allein. Die Kanzlei hat ihn vorhin schon angerufen, ob er einem Fall nachgehen kann, der ziemlich absurd klingt. Aus dem Tennisclub soll jemand Slips der Damen stehlen und die Kameras finden einfach nichts. Der Auftrag ist echt das Allercoolste für unseren Detektiv Marc.

Erstmal sind aber seine Kids dran. Dann geht er mal die Akte durch. Welcher Spinner klaut bitte Slips aus dem Tennisclub? Was es nicht alles gibt. Kann ja nur jemand sein, der dort Zugang hat.

Es ist mies, so auf heißen Kohlen zu sitzen und auf dem Konto tut sich einfach nichts.

Marc hat der Familie gebeichtet, dass Muffin nicht mehr da ist. Die Schulkinder waren erst so richtig auf Kriegsfuß mit ihrem Paps, aber irgendwann haben sie sich wieder einbekommen. Es ist ja nicht für immer.


Die Gemüter können einigermaßen besänftigt werden, so dass ein gemütlicher Fernsehabend veranstaltet werden kann.


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