• Kucki 232

Folge 28 - Alte Gesichter


 

Zweite Frühlingswoche: Donnerstag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Marc

 

Dass die Kinder abgehauen sind, lässt mir keine Ruhe. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, da ich ja auch noch auf Emily aufgepasst habe. Ihr geht es immer noch nicht so ganz gut und das seit zwei Tagen schon. Valentino dachte ja auch erst, dass die Kids bestimmt wieder zurück zu ihrem Lager sind, aber dem ist leider nicht so. Verdammt.

Erstmal muss ich mich aber auf meine eigenen Kinder konzentrieren. Diese haben nämlich gleich Schule.

Madleen ist auch sehr neugierig und fragt, ob es Mam denn jetzt besser geht. Sie macht sich Sorgen und hofft, dass ihre Blume ihr helfen wird. Die Kleine bringt mich mit ihrer Blümchengeschichte immer zum Schmunzeln, so dass ich kurz meine eigenen Sorgen vergesse.

„Mam geht es besser und deine Blume hat ganz bestimmt geholfen.“

Da muss Madleen lächeln. Gut, was soll ich ihr auch sonst sagen? Sie ist so voller Hoffnung. Zwar ist sie tollpatschig in ihren eigenen Dingen, aber sie macht sich um andere wohl sehr viel Gedanken.

Auch bei Emilio frage ich einmal nach, ob alles in Ordnung ist. Sein Ausraster war nicht ohne gestern. In der Schule fangen wieder einige an rumzustänkern, weil Emilio wohl angeblich abgeschrieben haben soll und sich selbst keine Mühe macht, in der Schule gut mitzukommen. Das sehe ich anders. Ich sehe doch, wie mein Sohn hier zuhause mittlerweile büffelt.

„Ich höre einfach nicht mehr hin. Das nehme ich mir ganz stark vor, Paps.“

„Ja, mach das mal. So. Aber nun ab mit euch Kinder. Die Schule ruft.“

Sind das da echt gerade meine 5 Kids, die ihre Schulsachen packen und zum Bus rennen? Echt meine? Puh.


Eine Weile später gehe ich unten in den Garten und mache schon mal ein bisschen. Aurelie ist versorgt und Emily soll ruhig noch schlafen. Als ich später wieder hochkomme, sehe ich meine Frau am Tisch. Ich setze mich dazu, aber sie starrt mich nur an. Was ist los mit ihr?

„Hey, wie geht es dir denn? Ist alles wieder in Ordnung?“

Sie sitzt weiterhin nur dort und antwortet nicht. Das macht mich etwas nervös.

Es klingelt an der Tür und ich mache fix auf. Was ist das denn bitte für ein Zirkusclown? Eigentlich sollte ich ja nicht aufmachen, aber vielleicht ist ja wirklich ein Zirkus in der Nähe und sammelt nur Spenden.

Ich öffne und spreche ihn an:

„Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“

Der Mann schaut mich einfach nur an.

Schließlich kommt noch so ein Clown vorbei. Was ist hier los? Moment mal. Der andere war doch schon mal bei uns. Auf einen der Geburtstage. Ich habe keinen Plan, wer das ist. Vielleicht kennt Emily die beiden ja.

„Wir möchten gerne Emily sprechen. Ist sie zufällig da? Es ist wichtig“, sagt der Blonde.

„Äh, ja. Ist drin. Aber ihr geht es nicht so gut, also stresst sie nicht, okay?“

Ich führe die beiden nach drinnen und zeige ihnen, wo sie langgehen müssen. Der Dunkelhaarige schaut mich nur so traurig an. Boah, was geht hier ab? Es wird immer kurioser. Und da habe ich eigentlich gar kein Kopf für sowas.

Während Emily immer noch stumm am Tisch sitzt. Langsam mache ich mir doch echt Sorgen. War der Sturz etwas zu viel? Die beiden Männer folgen ins Esszimmer.

Was auch immer die beiden von Emily wollen: Sie müssen erstmal an mir vorbei. Aber meine Frau hat das Reden ja dann doch nicht so ganz verlernt.

„Was gibt es? Ich habe leider nichts zum Spenden für euch. Wir haben unsere eigenen Probleme.“

Puh, also etwas gereizt ist sie doch noch. Werde ich ihr mal eine schöne Massage heute Abend anbieten.

Der Dunkelhaarige fängt an, zu erzählen:

„Wir haben da ein kleines Problem. Ihr kennt uns vielleicht nicht, aber wir hatten mehr in der Vergangenheit miteinander zu tun, als ihr vielleicht denken mögt. Nur, es hat sich halt was ergeben und nun ja. Jetzt kennt ihr uns nicht mehr.“

Hä? Was redet der da? Ich lasse sie erstmal reden.

Er erzählt weiter:

„Eure Familie war einst eine angesehene Magierfamilie, aber heute eben nicht mehr und die Hintergründe sind ja eigentlich auch egal, aber wir haben eben dieses Problem.“

„Miguel? Lass mich erzählen. Irgendwie findest du keinen Anfang“, sagt der Blonde.

„Ja, was? Ist doch so.“

Und Emily schaut mich derweil wieder so an. Ich verstehe nur noch Bahnhof.

Also fängt der Blonde an: „Vor einigen Wochen ist in StrangerVille ein Gefängnis explodiert und es konnten drei .... nun ja. Ich nenne sie nicht Gefangene, aber es konnten halt drei entkommen. Wir haben gehört, dass zwei von ihnen gefunden wurden und bei Valentino sind. Na ja, waren. Stimmt das?“

„Äh.“

Woher wissen sie von den Kindern und was soll dieses ganze Magiergeschwafel? Spinnen die beiden? Haben sie die Kinder vielleicht so zugerichtet? Das wäre ja abartig. Plötzlich steht Emily auf und verschwindet mit einem „Ich hab´genug gehört. Blödsinn.“

Der Blonde setzt sich um, damit er mich wohl direkt im Blickwinkel hat. Keine Ahnung. Auf jeden Fall legt er gleich weiter seine interessante und bekloppte Geschichte auf den Tisch.

„Wir müssen die Kinder unbedingt finden und dabei könnten wir eure Hilfe gebrauchen. Es ist wichtig. Die Kinder sind was Besonderes. Nur die Mutter haben wir noch nicht gefunden.“

Langsam wird mir das doch etwas zu blöd. Hier tanzen zwei Clowns bei uns an und stellen sich nicht mal vor und dann erzählen sie mir den größten Schwachsinn. Also ich bin zwar Detektiv und so und der Fall könnte vielleicht richtig witzig werden, aber selbst in meiner Karriere ist mir sowas noch nicht untergekommen. Selbst wie der Typ mit dem Melonenkostüm mich anschaut. Ich bin kurz davor, die beiden rauszuschmeißen. Was haben die genommen? Aber sie wissen auch von den Kindern. Hm.

„Also. Erstmal ganz langsam. Wer seid ihr überhaupt?“

„Oh, verdammt. Ja, sorry. Ihr kennt uns ja irgendwie noch gar nicht. Ja. Ich bin Miguel und das da ist Ramon“, sagt der Dunkelhaarige.

„Ja, es klingt etwas verrückt, aber wir kennen die Duvans schon sehr lange und haben Jeremy und Nadja begleitet. Also Emilys Eltern. Sie waren einst Magier und wenn du mir nicht glaubst, dann schau selbst auf den Bildern im Flur. Nadja hat Glitzer im Gesicht, was bedeutet, dass sie eine wichtige Aufgabe hatte. Und dann ist da noch dieses Mal auf deren Handgelenk. Das kennzeichnet die Blutlinie der magischen Gruppen. Damals ist nur alles eskaliert und wir mussten die Notbremse ziehen.“

„Was? Echt jetzt? Ich höre mir manchmal schon genug Schwachsinn an, aber das geht echt zu weit“, sage ich nur.

„Dann schau dir doch mal alte Bilder von deiner Frau an und du wirst sehen, dass auch sie dieses Glitzer und das Mal hatte“, erklärt der Blonde.

Okay, nun reicht es. Ich gehe in den Flur und schaue mir die Bilder an. Im Schlafzimmer haben wir ein altes Album mit Bildern, welche ich fix durchstöbere. Und das stimmt. Bei Jeremy sehe ich ganz klar dieses Mal. Und Emily hatte dasselbe. Was geht hier vor sich? Jetzt werde ich langsam doch etwas skeptisch.

Ich gehe zu Emily nach unten in die Werkstatt. Ich weiß, dass sie hier ist und versuche ihr das zu schildern, was mir die beiden gerade gesagt haben. Selbst muss ich noch sortieren, da das doch ein wenig zu viel ist.

Emily gießt gerade eine neue Kerze.

Doch sie beachtet mich nicht mal. Ich habe ihr doch gar nichts getan. Was hat sie?

„Kannst du mir bitte kurz zuhören? Ich weiß nicht warum, aber ich glaube den beiden. Es scheint da doch irgendwas zu geben, was wir so nicht mehr auf dem Schirm haben. Woher wissen sie von dem Mal? Du hattest auch so eines auf dem Handgelenk.“

Meine Frau schaut mich nur kurz an.

„Verschwinde, okay? Lass mich in Ruhe. Bitte. Es tut mir leid, aber es geht mir nicht gut, ja? Ich möchte allein sein.“

Sie faucht mich richtig an. Was?!

„Emily, ich.“

„Geh, okay?“

Ich drehe mich um und geh. Was ist mit Emily los? Sie ist nicht wiederzuerkennen. Das macht mir Angst und ich muss weinen. Das tu´ich schon selten, aber jetzt muss es einfach mal sein.

Die beiden sind noch da und schauen sich eine Kochsendung an. Ich reiße mich zusammen, da mein Herz eh schon gewaltig wehtut gerade und es nicht mehr schlimmer werden kann.

Also setze ich mich zu ihnen und möchte wissen, was sie wollen. Der Dunkelhaarige erzählt:

„Unsere Magier hatten Jahrtausende lang bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Es gab Wächter, es gab Wellenreiter und auch Nachtwandler. Bestimmt gibt es noch viele mehr, na ja gab. Aber nur diese haben überlebt. Nun ist es so, dass das Gefängnis explodiert ist, wo viele unserer Magier drinnen waren. Es war mehr ein Forschungslabor. Alle sind gestorben. Nur ebendiese drei nicht. Eine erwachsene Frau und ihre beiden Kinder. Männlich und Weiblich. Sie sind Nachtwandler, doch sie können ohne unsere Hilfe nicht überleben, da sie in diesem Labor geboren wurden. Deswegen ist es wichtig, dass ihr uns helft. Bitte. Wir können nicht rückgängig machen, was wir angerichtet haben, aber wir könnten das noch retten, was noch da ist.“

„Aber.“

„Kannst du mit Emily reden? Geht das?“

Nun bin ich ganz durch den Wind. Also haben Valentino und Emily deswegen so etwas gespürt? Weil es ihresgleichen sind? Das klingt doch total verrückt. Ich sage den beiden, dass ich darüber noch einmal nachdenken muss und Emily immer noch nicht so ganz gesund ist.

Die beiden gehen und sagen mir aber, dass wir nicht mehr lange warten können.


Trotzdem muss ich erstmal raus. Joggen. Das ist gerade eine Nummer zu hoch für mich.

Als wir am Abend gemeinsam essen, merken auch die Kids Emilys Laune und sind langsam etwas bedrückt. Ich bleibe trotzdem stark.

„Können wir denn wenigstens morgen reden? Bitte.“

Aber Emily schaut mich auch dieses Mal nur wieder so an.

 

Zum Schluss habe ich noch ein kleines Outtake für euch. Ich musste so lachen, als die Kids vor dem Fernseher saßen und ihren Fernsehabend einläuteten. Besonders Joshua, haha:






0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen