• Kucki 232

Folge 38 - Die Kinder hinter dem Tor


 

Zweite Sommerwoche: Sonntag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Emily

 

Ich weiß nicht, wie meine Kinder es schaffen, immer so früh wach zu sein. Es ist doch Sonntag. Und da haben wir schon gestern so lange gemacht. Na ja. Hut ab. So munter wäre ich morgens dann auch mal gerne. Die Kids haben sich die Reste von gestern geholt. Weniger Dreck also in der Küche, hihi.

Wir lassen uns sehr viel Zeit beim Essen. Marc kommt ja auch erst später dazu. Er ist so wundervoll, so perfekt, so. Hach.

Danach geh es ran an die Pflichten und das alles.

„Hey, du kleiner Stinkeproppen, hihi.“

Und draußen warten auch schon alle auf mich. Wie bescheuert sieht Fridolin eigentlich aus? Madleen wollte das so.

Später kommt uns noch Fiona besuchen. Sie möchte sich für die coole Party gestern bedanken. Sowas hat ihr richtig gefehlt. Tommy möchte ja nie so viel machen. Lieber zuhause bleiben und Füße hochlegen. Gestern habe ich auch nicht wirklich viel mit ihm geredet. Das ist schade. Er saß einfach nur da.

Wir unterhalten uns unten ganz in Ruhe. Heute ist es wieder megaheiß. Also die Sommertage in Windenburg sind manchmal nicht ohne. Den ganzen Frühling regnet es und jetzt? Puh.

Aurelie kommt heulend um die Ecke geflitzt.

„Mama, Mama. Habt Aua.“

„Zeig mal her, meine kleine Prinzessin.“

Ich gehe zu ihr und schaue es mir an. Wie süß, dass so kleine Wehwehchen gleich die Welt untergehen lassen, hihi.

„Hey, alles halb so wild. Wenn du groß bist, dann ist es wieder weg. Lass mich mal pusten und dann ist die Welt wieder heile.“

5 Minuten später klingelt mein Telefon. Ich überlege, nicht ranzugehen, da es Miguel ist. Ja ja, ich weiß wieder alles. Ich weiß zu viel und das will ich nicht wissen. Eigentlich wollte ich die beiden Clowns ignorieren, da die magische Welt immer im Eimer bleiben wird, aber was soll’s? Gehe ich trotzdem mal ran. Aber dann irgendwo, wo mich keiner hören kann.

„Ja hiiiiiiiiiii du, du, liebenswerter Mann, der .......“

Wenigstens versuche ich etwas freundlich zu bleiben.

„Neheeeee, nix da. Das könnt ihr knicken. Aber sowas von.“

Boah, dieser Idiot. Wir können einfach nichts reparieren und Punkt. Magier sind miese Sims und das werde ich ganz bestimmt nicht unterstützen. Na ja, Mam und Paps waren es nicht, aber Fabian Collette halt. Bin ich froh, dass der Spinner tot ist.

„Nein, hör du mir jetzt mal zu. Ich will das nicht, okay? Sucht euch wen anderes. Mir egal, wie du das auch nennen willst. Ich bin Emily Duvan und keine reine Magierin. Alles klar?“


Anmerkung: Fabian Collette war der Sohn von Tomax Collette, dem EA-Townie aus dem magischen Reich. Er entwickelte sich zu einem schwarzen Magier und hat mit allen Mitteln versucht, die Duvans zu vernichten. Und das mithilfe eines anderen schwarzen Magier namens Theo. Ein Vorfahre der Duvans.

„Okay, okay. Ich schaue sie mir an, aber glaube nicht, dass ich Babysitter spiele oder sowas. Ich habe selbst schon genug Kinder, okay?“

Gut, er hat gewonnen. Schaue ich halt mal nach. Nur wehe, sie beißen mich oder was auch immer. Dann beiße ich zurück. Die brauchen eine ordentliche Erziehung.

Ich lege auf und sage meinem süßen Blondschopf, dass ich fix weg bin. Vorerst sage ich ihm nichts davon. Er soll sich nicht unnötig Sorgen um etwas machen, was nicht da ist. Marc hat genug andere Sorgen.

„Bis gleich. Ich krieg das schon hin. Sonst habe ich ja noch Joshua.“

„Okay, bis dann. Ich lieb dich.“

Also renne ich fix nach Glimmerbrook. In die Höhle des Löwen. Und die beiden Verrückten brauchen mir jetzt auch kein Honig ums Maul zu schmieren. Ich mach’ hier gar nichts.

Eigentlich möchte ich es gar nicht mehr betreten. Warum kann ich das eigentlich noch? Das können nur Magier und das bin ich wahrlich nicht. Niemals. Aber gut. Augen zu und durch. Schlimmer kann es ja nicht werden.

Mal schauen, wo Miguel ist. Unvorstellbar, dass ich dieses hier aufgebaut haben soll. Gut, Geschmack habe ich ja, hihi. Aber trotzdem. Es ist nicht meine Welt.

Ich finde den ollen Clown irgendwo am anderen Ende Ecke links, Abfahrt Ost. Tja, so groß wie das hier ist, kann man sich schnell verlaufen.

„Ja, dann sag an. Wo sind die Kinder? Nur mir ist egal, was mit ihnen ist, okay? Sie sind böse, klar?“

„Emily? Übertreibst du nicht ein klein wenig? Hmm? Du weißt doch gar nicht, was wir in der letzten Zeit alles erreicht haben und deswegen wäre jetzt ein klein wenig Aufmerksamkeit gut, okay?“

„Na, was soll ich hier, wenn ihr schon alles unter Kontrolle habt? Läuft doch alles wunderbar, so wie es ist.“

„Nein, weil es das magische Reich bald nicht mehr geben wird, wenn es so weitergeht. Wir haben immer noch den Auftrag, der Außenwelt zu zeigen, dass es uns gibt. Und selbst die Kinder könnten da draußen überleben, wenn man sich denn um sie kümmert. Ramon und ich sind aber auch nicht mehr die Jüngsten.“

„Klar, also sag doch gleich, dass ich Babysitter spielen soll.“

„Nein, Emily. Du sollst das magische Reich retten.“

„Boah. Wie oft noch?“

„Na, du bist doch hier und wenn es dir alles so egal wäre, dann wärst du es doch nicht, oder?“

„Hmpf.“

„Schau dir die Kinder an und dann siehst du, wie harmlos sie sind. Ramon und ich sind wie Väter zu ihnen. Wir bringen ihnen alles bei, was sie da draußen wissen müssen.“


Na ja. Stimmt schon. Anschauen kann man sie sich ja mal. Aber wehe, sie beißen mich.

„Ihre Namen sind Shadow und Melody. Sie sind Zwillinge. Du wirst sehen, dass sie alles andere als böse sind.“


Miguel braucht mir auch gar nicht sagen, wo die Kinder sind. Eines von ihnen ist am, ähm. Zocken?

Und wer nennt seine Kinder Melody und Shadow? Oh, ich vergaß. Sie sind ja von der Familie Collette. Da ist nichts normal.

Ich beobachte den Jungen eine Weile. Er erinnert mich gerade ein wenig an meinen Joel. Aber ein Nachtwandler? Puh.

„Hi, ich bin Emily. Wie geht's dir so?“, frage ich ganz vorsichtig.

Oh je. Wie er sich umdreht. Dieser Blick. So böse. So. Puh. Gleich beißt er. Ich pass’ lieber auf.

„Freut mich, dich kennenzulernen.“

In diesem Moment höre ich zwei bekannte Stimmen. Etwas weiter weg, aber Moment. Das sind doch Joel und Madleen. Ich erkenne doch die Stimmen meiner Kinder.

Ich folge ihnen und lass den Jungen da erstmal allein.

Einige Räume weiter sehe ich sie wirklich. Ramon ist auch da und dann das Mädchen dazu. Was zum Teufel wird hier gespielt? Ramon kann sich was anhören und die Kinder auch.

„Was soll das hier werden, Ramon? Wie kommen die Kinder hierher? Verdammt.“

Ich sehe, wie Joel abhauen möchte. Nein, nein Freundchen. So leicht kommst du mir nicht davon. Ich folge ihm.

„Was soll das hier werden? Was suchst du hier? Es ist gefährlich hier und die Kinder könnten euch wehtun.“

„Nein, Mam. Werden sie nicht. Sie sind ganz lieb. Ehrlich.“

„Moment. Woher weißt du das? Seid ihr etwa öfter hier?“

„Ich. Wir. Mam. Wir möchten dir nur zeigen, dass sie nicht böse sind. Melody spielt sogar die „Neverending Story“, hihi. Schau selbst.“

„Was? Hä?“

Jetzt bin ich ganz durcheinander. Joel nimmt meine Hand und führt mich zu dem Mädchen.

Und sie spielt doch tatsächlich dieses Spiel. Ganz unschuldig sitzt sie da und zockt.

Aber die Kinder sind einfach, ohne dass ich davon weiß, hierhergekommen. Das geht gar nicht. Ich dachte, ich hätte noch einen Überblick über die ganze Sache und alles unter Kontrolle. Aber das habe ich nie mitbekommen.

„Ähm, hi. Melody, richtig?“

Das Mädchen sieht zu mir hoch und lächelt.

„Hi.“

Joel kommt zu uns und schaut das Mädchen an. Sie ist total blass und hat richtig dunkle Augen. Dann diese knallroten Haare noch dazu. Sie sieht aus, wie aus einem Märchen.

Und dann gehe ich rüber zu Shadow und sehe, wie er ganz ausgelassen mit meiner Tochter redet. Ich, ähm.

Doch, nein. So schnell kann man mich nicht weichklopfen. Ramon kann sich erstmal was anhören. Nein, nicht so. Pff. Das muss geklärt werden.

„Was bildet ihr euch eigentlich ein, dass meine Kinder einfach hier so reinspazieren, hmm? Was soll das? Spinnst du? Hört auf, uns damit reinzuziehen.“

„Emily, hör zu. Ich weiß, dass du aufgebracht bist, aber wie du siehst, brauchst du dir keine Sorgen machen. Die Kinder waren neugierig und als wir sie zusammen gesehen haben, hatten wir wieder diese Hoffnung. Die Hoffnung, dass alles wieder besser wird. Die Kinder sind nicht böse. Haben nur einige Einschränkungen, aber sie könnten unsere Zukunft sein, verstehst du? So wie die Duvan-Blutlinie. Daran wird sich nie was ändern.“

„Nein und nochmals nein. Was soll ich denn verändern, hmm? Nur, weil ihr mich reine Magierin nennt. Pfff. Mir doch egal, ob ich die erste Magierin bin, die nach dem ganzen Chaos entstanden ist. Und? Nein.“

„Emily, bitte. Schlaf noch eine Nacht drüber, okay? Wir brauchen die magische Welt und dich auch. Selbst deine Kinder wären alles reine Magier. Nur noch ihr. Bitte.“

„Ich denke drüber nach, okay? Lass mich nur bitte jetzt mit diesem Mist in Ruhe. Danke.“

Ich stehe auf und lasse Ramon mit seinen Gedanken allein. Am Tisch sehe ich, wie Madleen mit Shadow witzelt. Sie redet ganz normal mit ihm.

Ich schaue ihn an und ich schaue sie an. Ihn. Sie.

„Du wirst sie aber nicht beißen, okay? Wenn ich sehe, dass du meinen Kindern wehtust, dann glaub mir, werde ich dir wehtun. Nicht beißen, klar?“

Großes Schweigen. Meine Kinder können sich aber trotzdem was anhören.

Als wir nach Hause gehen, spricht mich Madleen an, bevor ich überhaupt schimpfen kann. Sie hat gesehen, wie wütend ich eigentlich bin, aber irgendwie auch nicht. Ich weiß nicht. Es ist ein Wechselbad der Gefühle.

„Mam? Sei uns bitte nicht böse. Wir wollen nur helfen. Wenn du damit die Welt retten kannst, dann ist das doch okay, oder nicht? Bitte, bitte, Mam. Hilf den beiden. Sie sind ganz lieb.“

Ich nehme Madleen in den Arm.

„Wenn du verstehen würdest, was damals passiert ist, dann würdest du auch mich verstehen, Süße.“

„Mam, ich weiß. Aber du würdest nie solche bösen Sachen machen. Das würdest du niemals.“

„Ich denke drüber nach, okay?“

„Danke, Mam. Ich hab dich lieb.“

Und so denke ich eine ganze Weile drüber nach. Ich möchte einfach keine Magierin sein und auch nicht die Hoffnung für irgendwas. Ein Kapitel muss doch auch mal zu Ende sein, oder nicht?

Denn ich würde niemals meine Familie in Gefahr bringen und alte Wunden aufreißen. Niemals.


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