• Kucki 232

Folge 39 - Mein erster Schultag


 

Zweite Sommerwoche: Montag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Joshua

 

Heute ist es ein cooler Tag, das weiß ich jetzt schon. Das Wetter spielt hier nicht so mit, aber egal: Es ist mein erster Tag an der Oberschule und ich bin gespannt.

Und da ich jetzt so coole Laune habe, werde ich das Frühstück machen. Mam und Paps machen ja immer diesen blöden Obstsalat. Langweilig. Obstsalat hier und Obstsalat da.

Meine Eltern sind heute mal etwas früher wach. Wir planen gerade viel für den Urlaub. Übermorgen soll es ja nach Selvadorada gehen. Bin nicht mal in der Schule angekommen und wir wollen schon in den Urlaub, hmpf. Aber trotzdem kann es ja spannend werden. Viel zu entdecken und so. Na ja, mal schauen.

Emilio zickt wieder rum. Er geht einem manchmal ordentlich auf den Geist. Hier und da wird gemeckert. Und der fröhliche Joshua sitzt dazwischen. Aber bin ja gleich weg. Zum Glück.

Paps regelt das auch. Mein Bruder weiß ja selbst schon gar nicht mehr, warum er überhaupt meckert. Alles ist blöd und wenn es nur ein Haar in der Suppe ist.

Schließlich mache ich die Feststellung, dass wir zu wenig Badezimmer haben. Jetzt tummeln sich auch noch alle hier rum. Herrje. Ich möchte mich doch nur fertigmachen. Braucht halt seine Zeit. Dann meckert Emilio auch noch den Spiegel an. Also manchmal, echt.

Denn an meinem ersten großen Schultag darf nichts schieflaufen. Ich möchte gleich einen guten Eindruck hinterlassen und der Welt zeigen, dass ich eigentlich ein witziger Typ und so bin. Sagt man zumindest im Verein. Finde ich ja eigentlich gar nicht.

Und dann ist es endlich soweit. Die Schule. Diese Wohltat. Dieses Gefühl. Ich bin endlich angekommen. Möge das Leben beginnen.

Ich sehe haufenweise Jungs, mit ähm, mit keinem Kleidungsstil? Wer läuft bitte so rum? Puh. Geht ja gut los. Vom Verein ist hier schon mal niemand.

Sei es drum. Ich gehe erstmal rein und frage nach, wo denn meine Klasse ist. Die anderen ignoriere ich gekonnt. Einige sind voll eingebildet und das mag ich nicht.

Mein Spind wird eingeweiht. Das hier ist meiner. Die ganze Schulzeit lang. Juhu.

Als ich mir dann alles weiter anschauen möchte, treffe ich doch glatt das einzige Mädchen in der Schule. Sie wird es schwer haben, hihi. Das merke ich ja schon im Verein. Da haben wir auch wenig Mädchen und die Jungs schwärmen alle um sie. Nur ich nicht, da ich ja keine Zeit für habe.

Nur, was macht sie da? Wozu soll das gut sein? Sie steht da und macht das halt. Bekloppt.

Ich mache das auch mal.

Aber dann merke ich, dass ich ja keine Zeit mehr habe. Der Unterricht geht ja bald los. Die Hausmeisterin sagt mir, dass ich mich am besten bei der Direktorin melde. Sie kann mir weiterhelfen. Die nette Dame soll oben sein. Nun gut. Gehe ich halt hoch und cooooool. Schaut es euch an. Ein Mikroskop, wie ich ihn auch zuhause von Sven habe. Das wird mein Spielzeug, hihi.

Die Direktorin sitzt auch mit einem Schüler an den PCs. Ich frage ganz höflich, wo denn meine Klasse ist.

Plötzlich fängt sie voll laut an zu motzen.

„Frag das doch diesen nutzlosen Schüler hier, der nicht mal 1+1 rechnen kann. Wie oft muss man hier immer irgendwas erklären? Herr je. Wozu ist die Schule da?“

„Huch?“

Das überfordert mich gerade doch etwas. Das ist ja total die Zicke.

„Aber ich. Ich möchte doch nur wissen, wo meine Klasse ist.“

„Name?“, fragt sie mich total rotzfrech.

„Äh. Joshua Duvan.“

„Kannst gleich hierbleiben. Ist nämlich hier.“

„Äh, ja. Danke.“

Lieber bleibe ich dann doch nicht hier, da die Frau mir doch etwas Angst macht. Und ein bisschen Zeit habe ich ja auch noch.

Ich gehe nach unten zu meinem Spind und markiere diesen mit meinen coolen Naturbildern aus dem Verein.

Und dann sehe ich, dass das Mädchen da immer noch so steht. Nichts zu tun?

Später suche ich meine Lehrerin auf und frage nach meinem Stundenplan. Sie ist gerade unten mit einem anderen Lehrer und nun ja. Flirtet. Bin ich hier in einer Irrenanstalt? Ich dachte, die Oberschule ist cool? Stattdessen sehe ich hier nur verrückte Mädchen und motzige Direktorinnen und dann eine Lehrerin mit ziemlich viel Armbehaarung, die ziemlich heiß flirtet. Puh.

„Äh. Ich will ja nicht stören, aber ich hätte gerne meinen Stundenplan gewusst.“

Sich hier alles zusammenzusammeln, ist echt eine Kunst. Als ich dann hoch in die Klasse möchte, steht sie immer noch da. Ich. Puh.

Also mache ich erstmal was Sinnvolles und teste das Mikroskop an. Hui, das macht Spaß. Wenigstens ist diese Zimtzicke jetzt weg. Will das in Ruhe alles testen.

Bis dann endlich mal der Unterricht anfängt. Und dann ist dieses Ampelmännchen-Mädchen sogar noch in meiner Klasse.

Der Unterricht ist spannend. Ich lerne viel über Bakterien. Wären da nicht die, ähm, Alarmglocken? Was ist denn jetzt los?

„Dann mal auf, meine lieben Schüler. Feuerübung. Alle langsam aufstehen und in einer Reihe mitkommen. Wie eine Entenfamilie.“

Äh.

Na gut. Dann gehen wir halt alle im Entenmarsch nach draußen. Aber klar. Solch eine Übung ist auch wichtig.

Die Schüler*innen versammeln sich alle draußen und tja. Erst passiert ja nichts und dann kommen doch noch zwei Feuerwehrleute.

Ich sehe, dass dieses Ampelmädchen nach draußen kommt und spreche sie einfach mal an:

„Wie hast du das eben so lange ausgehalten, so zu stehen? Das ist bemerkenswert.“

Erst denke ich, dass das Gespräch was wird, aber plötzlich verzieht sie ihre Miene und legt voll los:

„Ich hätte es ja noch länger ausgehalten, wenn DU mich nicht so genervt hättest.“

Huch? Was habe ich denn jetzt schon wieder falschgemacht?

Puh. Da gehe ich dann doch lieber weg und höre den Feuerwehrleuten aufmerksam zu. Heute ist irgendwie der Wurm drin.

„Ja, Löscharbeiten gibt es natürlich rund um die Uhr. Wäre ja schlimm, wenn nicht.“

Selbst meine Lehrerin ist heute sehr verpeilt.

Na dann? Wir dürfen endlich wieder rein und ich habe Mordshunger. Es gibt dort einen Automaten mit Peperoni-Pizzarolle. Da bin ich dabei.

Was für ein verrückter Tag. 5 Minuten Unterricht. 1 Stunde Feuerübung und sofort im Anschluss Mittagspause. Wow.

Na ja. Ich setze mich erstmal in die Mensa. Dort sitzt ein anderer Schüler und schaut, als ob die Welt gleich untergehen würde. Mit dem brauche ich mich dann wohl auch nicht unterhalten.

Also heißt es erstmal, genüsslich dieses wunderbare Stück Snack zu vertilgen.

Und da die Mittagspause noch eine halbe Ewigkeit geht, schaue ich mal, was man hier noch so Verrücktes machen kann. Ich gehe nach oben und sehe, dass man hier Fotos machen kann. Echt jetzt? Aber bestimmt für Bewerbungen und sowas. Die Schule denkt mit. Also mache ich mal eines von mir.

Sieht doch gut aus.

Später setze ich mich zurück in die Mensa und es herrscht gähnende Leere. Viele Schüler*innen sitzen schon wieder in ihren Klassen.

Und dann kommt auch noch Misses Motzi zu mir.

Bevor ich es mir wieder ganz bei ihr verscherze, möchte ich ihr zeigen, was ich für ein lieber Typ bin und erzähle ihr so einiges aus dem Camp. Damals beim Zeltlager haben wir halt viel Spannendes erlebt. Vielleicht kann ich zwar nicht so lange Ampelmännchen spielen wie sie, aber ich habe Bären gesehen. Das ist doch auch cool.

„Und dann landeten die Gedärme überall im Wald und dann hielt der Campleiter sein Gewehr immer weiter drauf und dann.......“

„Echt jetzt?“, sagte sie nur und steht auf. Was habe ich denn jetzt schon wieder falschgemacht?

Also geht es zurück in den Klassenraum. Doch diese Stunde ist irgendwie langweilig. Interessiert mich nicht und ich frage mich sowieso so langsam, was das hier für eine Schule sein soll? Bin ich hier überhaupt richtig? Also höre ich die ganze Stunde nur mit einem Ohr zu. Interessiert mich alles nicht.

Also nach der Klingel schnell Sachen packen und abdüsen. Das tu’ ich mir nicht mehr an. Bei dem einzigen Mädchen in der Schule scheine ich ja wohl auch unten durch zu sein. Also, was soll’s?

Da bin ich dann viel lieber hier, auch wenn mein kleiner Bruder im Moment so richtig abdreht. Wie ich heute Morgen noch rausgehört habe, möchte er nicht nach Selvadorada und macht das in allen Tönen klar.

Bevor ich hochgehe, mache ich meine Hausaufgaben. Heute scheint hier zwar nicht die Sonne, aber warm ist es trotzdem. Ich genieße die Ruhe.

Und abends sitzen wir dann alle zusammen. Paps möchte von heute alles wissen.

Später erfahre ich, dass unser Urlaub leider abgesagt wurde, da Emilio wohl gewonnen hat und Mam außerdem die Chance auf einen kleinen Einzelhandel in San Myshuno hat. Sie ist viel am Handwerken und da würde es sich gut für sie ergeben. Die Versteigerung ist nur morgen schon und da wären wir ja schon fast im Urlaub. Na ja. Dann ein anderes Mal. Läuft ja nicht weg.


Später unterhalte ich mich mit Paps über dieses komische Mädchen in der Schule und frage ihn, was ich falschgemacht haben könnte. Paps sind die Mädels doch auch hinterhergelaufen. Auch wenn ich ja eigentlich keine Zeit habe, wegen des Camps und so. Aber nachfragen kann man ja trotzdem mal.

Immerhin lieben sich meine Eltern immer noch so richtig. Das finde ich süß.


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