• Kucki 232

Folge 4 - Der Aufbau


Die erste Nacht im neuen Haus der Generationen war so einigermaßen. Schön, dass man die Kinder nebenan hören kann, aber wenn da plötzlich fünf Kinder rumschnarchen und sich rumwälzen, dann hört der Spaß doch auf. Zwei haben sich in der Nacht unterhalten und nun ja. Es wird Zeit, dass das Haus drüben renoviert wird. Ab und zu krabbelt einem dann auch noch irgendwas übers Gesicht. Und alle erschrecken, wenn plötzlich jemand laut losschreit.


Marc und Emily sind auch erst sehr spät eingeschlafen. Die Betten sind unbequem und quietschen obendrein noch. Keinen Tag länger mehr in dieser Bruchbude.

Die Schulkinder geben es schließlich auf. Und dann ist noch Wochenende.

Emily hofft, dass die beiden trotzdem irgendwann damit klarkommen werden. Sie versucht Emilio zu überzeugen: „Wir müssen ja nicht ewig hier drinbleiben. Das ist nur vorübergehend. Glaub mir, ich finde es selbst richtig hässlich hier. Aber wenn wir zusammen anpacken, dann wird es bestimmt ein schöner Wohnort. Wäre das okay für dich?“

Joshua wiederum, hält sich ganz aus dem Gespräch raus.

Emilio sieht es trotzdem nicht ein, jetzt hierbleiben zu müssen. Wenn er schon mit seinen Sorgen nicht durchkommt, dann randaliert er halt in der Schule. Als der Junge nämlich gestern aus der Schule kam, hat seine Lehrerin Marc angerufen. Sie hängen es jetzt zwar nicht an die große Glocke, doch es muss beobachtet werden. Er hat einem Mädchen ihr Frühstück aus der Hand gerissen und es auf den Boden geschmissen. Hoffentlich können die jungen Eltern dieses Verhalten im Keim ersticken. Und jetzt wohnen sie hier. Wer weiß, wie Emilio jetzt protestieren wird?

Also versucht Emily es ganz behutsam: „Wir haben uns schon viele Häuser von heute auf morgen aufgebaut. Stell dir vor: Selbst ich musste einmal mit meiner Familie in einem großen Zelt leben. Das Wasser war noch ekeliger als hier. Aber nachher hatten wir ein wunderschönes Haus auf dem Wasser.“ Doch die Antwort vom Blondschopf lässt zu wünschen übrig: „Schön für das Haus und dein Problem, wenn du so leben musstest. Das heißt aber nicht, dass ich so leben möchte, klar?“

Marc bekommt das Gespräch mit und ist sofort zur Stelle. Bei dem ganzen Gesabbel, ist es eh unmöglich, vernünftig zu schlafen. Bei Marc ist Emilio etwas ruhiger. Trotzdem braucht er seine Mam nicht so zu behandeln. Sie hat sich danach nur angezogen und ist an die frische Luft. Die Natur an diesem Ort ist ein gutes Mittel, um runterzukommen.

Emilio ist das egal. Er schnappt sich einfach den PC von seinem Opa Jeremy und legt los. Marc wiederum sitzt nur da und beobachtet seine Kids.

Joshua redet ja eigentlich viel mehr. Dass er nun gar nichts sagt, ist ungewohnt. Die ganz kleinen Kinder gewöhnen sich langsam an die Situation. Bemerkungen wie „Krabbeldings krabbelt Ih!“ sind eigentlich alles, was sie von sich geben. Sie toben gern draußen rum und flitzen durch die Bruchbude. Sie verstehen es halt noch nicht so ganz. Marc lässt seine Frau auch erstmal in Ruhe. Gern würde er sie jetzt einfach nur in den Arm nehmen und ein „Wir schaffen das“, sagen, aber dann würden die Kids wieder rumspinnen. Emily kommt eh einige Minuten später rein und hält sich ihre Hand vor den Bauch. „Alles gut? Soll ich dir helfen? Brauchst du was? Musst du zur Couch?“ Plötzlich dreht sich alles um die junge Mam. Selbst Joshua wird nervös.

Marc nimmt seine Emily in den Arm und sagt: „Geh bitte zum Arzt. Vielleicht ist es wegen des Wassers. Wird Zeit, dass es besser wird. Möchte ja auch duschen. Damit bestimmt nicht.“

„Meinst du? Kommst du denn klar? Es dreht sich alles. Das wird mir langsam zu viel. So gut dein Paps es auch meint, aber ich möchte rüber.“

„Ich komm’ klar. Geh du nur.“

Er hilft Emily noch in die Jacke und dann nichts wie los.


Derweil schaut Marc nach, was drüben schon gemacht wurde. Draußen stehen so einige Transporter mit der Aufschrift „Von der Bruchbude bis zur Luxusvilla Meyerhoff.“ Sie scheinen wirklich fleißig zu sein. Hier und da werden Möbel hochgeschleppt und irgendwo da fällt was um. Dort flucht einer. Hatten die Mitarbeiter ja einen wunderbaren Start. Emily und Marc haben grob gesagt, was sie an Möbeln schön finden würden. Trotzdem möchten sie alles ab sofort selbst bezahlen. Ein Budget hat Sven bekommen und den Rest macht seine Firma schon.

Der junge Vater nimmt außerdem Joshua mit nach drüben. Vielleicht kann er ihn besänftigen, wenn er sieht, wie schön das neue Haus eigentlich ist. Insofern es denn nicht wieder so kahl ist wie gestern. Die Firma möchte nämlich heute die Küche beginnen.

Die Arbeiter wollen eh gerade Pause machen. Da kann man sich das ruhig mal anschauen. Joshua geht von Raum zu Raum und bleibt irgendwann an diesem Fenster stehen. Er schaut einfach nur raus. Und über Nacht fing es sogar zu schneien an. Es hört gar nicht mehr auf. Marc beobachtet seine Reaktion.

„Ich zeig’ dir die Küche. Die haben sie richtig schön gemacht, wie ich eben gesehen habe. Komm mal mit.“ Der junge Vater hält seinem ältesten Sohn seine Hand hin, damit sie gemeinsam rübergehen können. Schweigend nimmt Joshua diese und sie gehen vorsichtig in die Küche. Sie müssen etwas aufpassen. Überall liegt was rum. Als sie dort ankommen, staunt der Kleine zum ersten Mal.

Bis der Grundschüler noch die coole Aussicht aus dem Fenster sieht. Schließlich überfällt er seinen Paps: „Das sieht toll aus. Die Küche ist die coolste Küche, die ich jemals gesehen habe. Ich möchte jetzt beim Bauen mithelfen. Darf ich? Mein Zimmer möchte ich auch selbst einrichten. Wo kommt das überhaupt hin? Kann ich mir eins aussuchen?“ Seine Augen funkeln wie in alten Zeiten, wenn er etwas Neues entdeckt hat. „Immer langsam. Ich muss mir ja auch erstmal alles genauer anschauen.“

Selbst Marc ist gerade sehr erstaunt über die neue Küche. Die Aussicht ist noch einmal das i-Tüpfelchen obendrauf. Gleich wird man nämlich auch merken, wie schnell es mit der Einrichtung vonstattengehen muss. Denn Emily kommt plötzlich die Treppe hochgetrampelt und sucht ihre beiden Jungs. Als sie sie schließlich gefunden hat, fuchtelt sie mit den Händen vor Marc rum.

„Marc? Du wirst es nicht glauben, aber ich bin schwanger. Ich kann eigentlich gar nicht schwanger sein und bin zum Arzt, um mich zu beschweren. Die haben im Krankenhaus angerufen und meinten, dass sie es nach dem Kaiserschnitt komplett vergessen haben. Es ging alles drunter und drüber und. Nun ja. Wenn ich so drüber nachdenke, finde ich das cool. Sechs Kinder, hihi.“

Der Blondschopf kneift nur seine Augen zusammen und hört wohl nicht richtig.

Und da ist selbst Joshuas gute Laune gleich wieder hin: „Was soll ich mit so vielen Geschwistern? Mich nerven ja schon die anderen da unten. Das ist unfair. Wieso fragt mich eigentlich niemand, ob ich sowas überhaupt möchte?“

Auch Marc überlegt noch, was er davon jetzt halten soll. Die können das doch nicht einfach vergessen. Die Duvans haben gerade schon andere Probleme. Da ist es gerade nur ein kleiner Trost, dass der Garten schon angelegt wurde. Noch nicht perfekt, aber sie haben wieder frisches Obst und Gemüse.

Joshua rennt nur nach unten und heult sich aus.


Der junge Erwachsene möchte jedoch die Ruhe bewahren und es wird eh langsam Zeit, nach den anderen Kindern zu sehen. Und er muss erstmal einen klaren Kopf haben. Also beschließt er mit den Kids rauszugehen, um im Schnee zu spielen. Joshua soll nicht wieder so schlechte Laune bekommen. Er soll sehen, dass hier alles sein Gutes haben kann.

Auch weiß er, dass sie nun schneller sein müssen. Das Baby darf nicht in dieser Bruchbude aufwachsen. Niemand sollte das. Mit dem Gedanken kann er sich diesmal auch noch nicht so ganz anfreunden, erneut Vater zu werden. Die Sache soll doch eigentlich klar gewesen sein.


Emilio wiederum ist das alles egal. Er hasst alles hier. Nur der PC vom Opa ist sein bester Freund. Ansonsten hat er ja eh nichts zu melden.

Marc verpieselt sich irgendwann nach oben in die Küche und möchte kurz etwas allein sein. Schön, dass die Duvans jetzt zwei Millionen Simoleons haben. Aber trotzdem kann man hier noch nicht richtig viel machen. Und dann sechs Kinder? Niemals. Das strapaziert selbst seine ruhige Ader über. Morgen wird er sich einmal im Krankenhaus beschweren. Aber was bringt das? Es ist eh zu spät.

Emilys großer Bruder Valentino ruft den jungen Paps an. Er hat heute einen kleinen Auftrag für ihn. Es soll wohl im Falle der gestohlenen Slips neue Hinweise über den Bademeister geben.


Während Marc versucht zu arbeiten, motzt sein Sohn im Hintergrund ordentlich rum: „Wie kann man nur in so einem widerlichen Ding wohnen? So hässlich und widerlich. Ih.“ Da muss sein Paps aber dann doch mal kontern: „Da hinten steht 'nen Putzeimer. Wenn es dich stört, dann mach doch sauber.“

Das kann ja alles noch heiter werden. Was wohl die anderen Geschwister zum neuen Baby sagen werden?



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