• Kucki 232

Folge 438 - Aussprache


Emily ist sehr nervös und konnte die Nacht nicht schlafen. Ramon hat ihr doch etwas Angst gemacht, mit dem „sterben können“. Das darf sie einfach nicht riskieren und muss weiterüben. Dem süßen Jungen könnte sie nie wehtun.

Also steht sie auf und meldet sich krank. Sie kann sich eh nicht konzentrieren.

Draußen ist das Wetter so fabelhaft. Hoffen wir mal, dass ihr Gespräch auch so fabelhaft wird.

Emily hat ihrer Familie auch gesagt, dass sie heute nicht in die Schule kann und möchte. Sie darf nur nicht zu viel verpassen. Erst macht sie krank wegen Anando und nun wegen des Gesprächs. Was kommt als Nächstes?

Die Düwans (irgendwie habe ich das schon lange nicht mehr geschrieben, haha) versammeln sich im Esszimmer. Selbst Jeremy ist mittlerweile sehr nachdenklich geworden, was Valentino und Emily betrifft. Jedoch will er erstmal die Situation abwarten und gegebenenfalls mit eingreifen, wenn nötig. Diesem reichen Oberfutzi möchte er sowas von den Marsch blasen, das glaubt mal.

Phillip nutzt seinen freien Tag auf jeden Fall so:

Während Jeremy „saubermacht“.

Und Emily immer und immer wieder diesen Zauber übt. Es macht sie langsam bekloppt. Vielleicht ruft sie Marc ja an, dass er früher kommen kann. Die Teenagerin dreht sonst langsam durch, da sie den Zauber nämlich ganz gut beherrscht.

„Hey du? Wie geht es dir? Hast du den Scheißkerl schon dranbekommen?“

Aurora ist die Letzte, die irgendwann dann mal wach wird.

Sie lässt es nun gemütlich angehen. Ganz in Ruhe essen und eine Runde drehen.

Während Emily ihre „Rede“ übt:

„Haha, Marc. Du wirst es nicht glauben, aber ich bin eine Magierin.“

„Nein, das ist doof. Nicht so rauspreschen. Hey, Marc. Du weißt, ich habe dich sehr gern, aber ich bin eine Magierin.“

Gut, nein. Nun reicht es. Je länger sie das nun aufschiebt, desto bekloppter wird sie gerade.

„Du Marc. Hör zu. Ich bin heute nicht in der Schule. Wenn du willst, können wir jetzt schon reden. Letztens warst du so spontan. Nun möchte ich mal, hihi.“

Er stimmt zu. Langsam dreht er nämlich auch durch.

Die anderen haben sich auch extra zurückgezogen. Zumindest hofft Emily das, haha.

Ihre Familie ist sehr neugierig auf Marc. So wirklich viel hat ja noch keiner von ihm erfahren.


Schließlich ist der große Tag für Emily und Marc da. Hoffen wir mal, dass sie es nicht vergeigen. Es muss einfach alles jetzt raus.

Der Teenager kommt sehr angespannt bei den Duvans an.

Als Emily öffnet, merkt sie, wie er zittert und sogar Tränen in den Augen hat. Sie hätte nie gedacht, dass sein Geheimnis nun so ein hartes Stück ist. Und dann kommt sie mit ihrem Magierkram. Das wird er doch lächerlich finden. Aber nein. Sie haben sich geschworen, sich heute auszusprechen. Komme, was wolle.

„Hey, alles gut? Wow. Du bist ja total weg. Also, wenn du heute nicht reden kannst, dann ist das okay.“

„Nein. Es muss raus.“

„Komm erstmal her und lass dich knuddeln. Dich so zu sehen, berührt mich sehr.“

Sie wollen ins Esszimmer, um zu reden. Marc merkt aber schnell, dass es keine gute Idee ist, weil jeder locker mithören kann. Er will es erstmal nur Emily erzählen. Bis er das Foto von Valentino sieht.

„Können wir draußen reden? Wenn dein Vater die ganze Zeit um die Ecke guckt, ist das uncool.“

Die beiden verpieseln sich nach draußen, wo keiner stören kann.

Da sitzen sie nun. Auf einem Holzstamm mitten am Strand. Erst weiß gar keiner so richtig, wo er anfangen soll.

Bis beide gleichzeitig losreden:

„Also, ich...!“

„Wir waren....!“

„Ne, ich glaube, so funktioniert das nicht, hihi. Möchtest du vielleicht anfangen? Wenn ich jetzt anfange, dann rennst du weg, bevor du überhaupt deine Geschichte erzählt hast und so haben wir beide vorher gehört.“

„Äh. Okay. Nur, warum sollte ich bei deiner abhauen?“

„Okay, okay. Ich fang einfach an.“

Marc senkt seinen Kopf und starrt den Sand an, während er langsam und sicher anfängt zu erzählen. Jetzt oder nie.

„Wir wollten vor einem halben Jahr Urlaub machen. Die Stimmung war ganz cool.“

Der Junge muss öfter mal eine Pause machen und Tränen tropfen in den Sand. Er hat nicht mal richtig angefangen. Nun merkt Emily auch erst, wie ihn die Sache bedrückt.

„Wir sind den Berg hochgefahren. Na ja. Bis dann dieser dämliche Arsch um die Ecke kam und uns total den Weg versperrt hat. Paps wusste nicht, wie er ausweichen soll und ist nach links den Abhang runter und.....“

Emily nimmt unbewusst seine Hand. Nun muss auch sie weinen, da sie sich denken kann, was kommt.

„Er war sofort tot. Boah, ich hasse es, darüber zu reden, verdammt. Man hat uns erst viel später gefunden. Der Wagen lag auf dem Dach. Meine Schwester und ich haben versucht uns abzuschnallen, doch das ging nicht. Es war so scheiße ruhig im Wagen. Die Rettung dauerte gefühlt eine Ewigkeit. Später kam dann noch der Leichenwagen und erst da habe ich begriffen, was passiert ist. Nadine und ich saßen da einfach nur in Decken eingehüllt. Paar Schrammen. Das war’s. Mam konnten sie noch retten, aber sie kann nicht mehr laufen. Und nun kommst du ins Spiel.“

Marc schaut sie voller Tränen an.

„Jeden blöden Tag komme ich nach Windenburg und setz mich da auf die blöde Bank, um darüber nachzudenken, ob ich meine Freundin gehen lassen soll oder nicht. Ich habe mich immer geweigert und die Eltern regelrecht angefleht, die Geräte nicht abzustellen.“

Emily nimmt die Hand weg und schaut ihn irritiert an.

„Moment. Was habe ich denn nun damit zu tun? Ich kann nichts zu, dass deine Freundin im Koma liegt. Und Moment mal. Deine Freundin?“

Eine ganze Weile ist schweigen angesagt.

„Ich wollte immer, dass Verena wieder aufsteht und wir gehen dann Hand in Hand aus dem Krankenhaus raus und alles ist wieder gut. Ich habe doch erst meinen Vater verloren. Nur, je länger sie da so liegt, desto schlimmer wird eigentlich die Situation. Es ist nun ein halbes Jahr her und sie steht einfach nicht auf.“

Schon liegt Emilys Hand wieder auf seiner.

„Und dann kommst du halt und verdrehst mir total den Kopf.“

„War keine Absicht, hihi.“

Da muss er auch mal ganz kurz schmunzeln.

„Ich habe mal eine Frage, Emily. Wer ist das da, der bei euch an der Wand hängt? Mit den Locken? Dort sind Bilder von deinen Eltern und dann noch zwei andere Kleine. Wer ist das?“

„Ähm, das ist mein Bruder Valentino. Wieso?“

„Bruder?!“

„Sagte ich, ja.“

„Er vertritt unseren Fall seit einigen Monaten. Ich mag ihn.“

„Wirklich? Er hat nie davon erzählt.“

„Na ja, darf er ja auch nicht.“

Emily weiß gerade nicht so recht, was sie zu all dem sagen soll. Das war nun ein heftiges Geständnis und mit sowas hätte sie niemals gerechnet. Mit einer anderen Freundin vielleicht, aber nicht mit so einer krassen Geschichte.

„Ich ähm. Wenn ich dir irgendwie helfen kann, dann mache ich das gern. Du kannst mich auch jederzeit anrufen und.... Boah. Ich kann meines nicht erzählen. Das ist lächerlich, wenn ich damit nun ankomme. Verdammt. Selbst ich muss heulen. Können wir das nicht verschieben?“

„Weil. Oh man. Das ist lächerlich. Das kann ich nicht erzählen.“

Marc verfolgt jede Gesichtsbewegung von Emily mit.

Bis sie schließlich aufsteht und seine Hand nimmt.

„Das tut mir so leid. Ich bin gerade fix und alle. Ich hab mit allem gerechnet, nur nicht mit dem. Man. Es tut mir so leid. Komm mal her.“

„Das ist gerade echt etwas viel. Manno.“

Marc hätte nun mit dieser Reaktion nicht gerechnet. Emily fühlt sich langsam mitschuldig. Das hätte seinen Kummer aber auch nicht einfach so weggefegt, wenn er die Teenagerin nun nicht getroffen hätte.

„Du wirst mich gleich sowas von hier stehenlassen, wenn ich meinen Blödsinn erzähle. Und du stehst da und guckst mich einfach nur an. Hilfe, warum bist du so süß? Man. Emily, reiß dich zusammen. Wir haben einen Deal.“

Das Ganze geht noch ca. 5 Minuten. Was sie nicht gleich sieht ist, dass Marc ihre Art sehr aufmuntert. Sie ist ein richtiger Wirbelwind. Und dann kommt er als Einzelgänger. Wir erinnern uns: Emily musste früher jeden mit einem „hab dich lieb“ knuddeln.


Schließlich atmet auch sie einmal tief durch und es kommt, wie aus einer Pistole geschossen.

„Ja, ich bin eine Magierin und ich kann zaubern und sowas. Nachher soll ich noch die Welt retten und sowas und ja. Hehe. Nun kannst du gehen, weil ich verrückt bin.“

Und er steht immer noch da. Emily schmilzt und schmilzt.

„Es ist eine lange Geschichte und ich kann dir das gern nach und nach mal alles erklären und du kannst auch gern meine Familie näher kennenlernen, da wir alle nicht so ganz normal sind, hihi. Siehst du das Mal hier? Das ist das Mal für meine Blutlinie. Ich hatte doch auch dieses Glitzerzeugs im Gesicht. Das gehört da auch alles mit zu. Nun habe ich das auf dem Rücken, weil es im Gesicht so auffällt, weißt du?“

Und er steht da immer noch und guckt sie einfach nur an, haha.

„Ich habe extra für heute einen Zauber gelernt. Da kann ich dir das alles mal zeigen. Habe nur Angst, dass dir irgendwas passiert und so. Ich bin auch ganz vorsichtig. Kannst du mir mal bitte deine Hände geben? Vertrau mir.“

So richtig scheint er echt nicht zu wissen, was sie gerade von ihm will und gibt ihr einfach mal die Hände.

„Nun schließe deine Augen und nicht grinsen oder Augen aufmachen oder mich die ganze Zeit wieder so angucken. Das macht mich nervös.“

Durch Marcs Kopf fließen plötzlich sämtliche Erinnerungen der Ahnen. Er sieht Bilder, wie Menschen und Magier noch super zusammenlebten und es schließlich zur großen Magierverbrennung kommt. Aurora, die mit ihren weißen Haaren vor dem brennenden Haus steht und Dimensionen, die verschwinden. All jenes, was die Duvans nun retten wollen. Schließlich der Aufbau des Hauses und das Bild endet an dieser Stelle, wo sie Hand in Hand stehen.

„Was war das bitte gerade?“

„Mein Geheimnis? Hat dir mein Bruder nie was darüber gesagt?“

„Nein.“


„Hör zu. Also, wenn du das nun so albern findest. Es tut mir leid, aber es ist die Wahrheit. Ich habe doch gesagt, dass ich es nach deinem Geheimnis nun lieber nicht sagen sollte, da ich dich auch nicht beleidigen will oder so.“


„Hm.“

Schließlich schaut er Emily an.

„Nein, ich gehe nicht. Ist irgendwie interessant und ich würde gern mehr darüber wissen wollen. Du hilfst mir sehr, mit meiner Situation klarzukommen und ich glaube dir. Es klingt halt nur, wie in einem Märchen. Aber gut. Oft sind Dinge manchmal nicht so, wie wir es wahrnehmen und für möglich halten könnten.“

„Du gehst nicht? Wirklich?“

Hach, wie süß, haha.

„Ich muss nur erstmal noch einen letzten schweren Weg gehen, um damit abzuschließen. Gib mir bitte Zeit. Ich melde mich bei dir.“

„Du musst das nicht allein durchstehen. Ich komme mit, wenn du möchtest.“

„Nein, da muss ich allein durch.“

„Okay. Dann will ich dir nicht im Weg stehen. Ich freu mich und mein Handy bleibt Tag und Nacht an, wenn was ist. Wir sehen uns. Muss rein, hihi.“

Weg ist sie.

Marc bleibt noch eine ganze Weile an Ort und Stelle. Wenn er so weit ist, dann steht den beiden hoffentlich nichts mehr im Weg und sie können sich endlich mal richtig kennenlernen. Und auch die Familie. Das wird lustig.

Emily muss unbedingt mal mit ihrem Bruder reden.

„Mam? Wusstest du, dass Valentino Marc kennt?“

„Ja, aber wir haben es auch erst gestern von ihm erfahren. Wir wollten erstmal, dass ihr miteinander redet und eure eigene Sicht schildert, ohne dass ihr noch andere Hintergründe kennt.“

„Wir sind alle sehr gespannt auf Marc, doch solange wie das auf ihm lastet, hat es keinen Sinn sich näher kennenzulernen. Das haben wir im Café schnell bemerkt.“

„Im Café? Mam, ihr habt doch nicht!?“

„Wir reden später mal alle zusammen. Das ist besser.“


Etwas später sieht die Teenagerin, dass ihr Schwarm immer noch da ist und angefangen hat, eine Sandburg zu bauen. Er tut ihr so richtig leid nun. Wenn sie könnte, wäre sie nun immer bei ihm und würde sein Lächeln entlocken wollen. Aber aktuell ist es besser, wenn sie ihn einfach nur lässt.

Schweigend gesellt sie sich dazu.

Nachdem die Sandburg fertig ist, steht er auch direkt auf und will gehen.

„Ich melde mich.“

Warum kann sie ihn nun nicht knuddeln? Er leidet so und sie will ihn einfach nur knuddeln. Emily schafft es jedoch nicht.


Traurig geht Marc nach Hause.

„Mam, er ist so traurig. Hat Valentino seine Geschichte erzählt? Das ist doch heftig.“

„Ja, hat er. Du kannst dir nicht vorstellen, wie Jeremy über ihn redet. So kenne ich ihn gar nicht. Er würde am liebsten losfahren und den Unfallverursacher direkt zur Rede stellen und dem seine Millionen aus dem Arsch pressen, wie er es so liebevoll meinte, hihi. Kannst du dir das vorstellen?“

„Wirklich?“

„Danke, Mam. Ich habe ihn mit meiner Magie nicht vergrault und ich hoffe, ihr tut es nun auch nicht, hihi. Das würde mir zu denken geben.“

Jeremy gesellt sich mit dazu.

„Ich habe einen Plan. Wir gucken, wo der Typ wohnt und dann knacken wir seinen Tresor.“

„Klar, Paps. Wird wunderbar funktionieren.“


Es ist Nachmittag und die Kinder kommen nach Hause. Ich bin gespannt, was sie einst für Geschichten zu erzählen haben. :)

So ganz wohl fühlt sich Emily jedoch immer noch nicht. Sie denkt viel nach und muss sich immer irgendwie ablenken. Nachher kommt er doch nicht mehr zurück, weil ihm erst später klar wird, was sie da für einen Mist erzählt hat, mit den Magiern. Oh, man.


Wenn Marc nun aber ihren Bruder sehen könnte, dann hätte er den Beweis.

Der Spaß mit seiner Frau im Wasser hat.

Die Duvans sind nun mal was Besonderes. Ob als Wellenreiter oder als normaler Mensch. Ob als Nachtwandler oder als Wächter.

Nach außen hin wirken sie jedoch als ganz normale Großfamilie.

Jeder mit seinen eigenen Sorgen.

Doch eines tun die Duvans immer und immer wieder. Egal, in welcher Generation: Sie halten zusammen. Egal, was ist.

Selbst wenn jemand krank ist, kümmert man sich liebevoll um die Familie.

Und genau das möchte Emily in Zukunft auch Marc geben.


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