• Kucki 232

Folge 44 - Aussprache


 

Zweite Sommerwoche: Samstag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Emily

 

Marc und ich haben die Nacht noch lange geredet. Es war schwierig, aber da musste ich wohl mal durch. Was kann mein Mann auch für alle dem? Wenn ich bedenke, dass er mich eigentlich als Magierin kennengelernt hat? Na ja, mehr oder weniger. Als ich ihm gestanden habe, was ich bin. Und dann kamen Miguel und Ramon und löschten alle Erinnerungen aus.

Bin ich zu stark, damit diese Gedanken nicht wegbleiben? Ich weiß nämlich alles wieder.

Deswegen werde ich mich heute mit meiner Familie aussprechen. Sagen, was wir eigentlich sind und was wir durchgemacht haben. Ob es die Kinder verstehen werden? Sie sind so klein und unschuldig. Außer Joshua. Er wirkt schon so erwachsen. Manchmal erwachsener als ich. Dieses Mädchen gestern. Süß. Nun sind wir die, die mit ansehen müssen, wie die Kinder bald das Haus verlassen werden.

„Kann ich mit euch alle nachher mal reden? Es ist wichtig.“

Der Groschen ist gefallen. Es gibt kein Zurück mehr.

Sie haben meine miese Laune mitbekommen und das tut mir so leid. Sie hatten Angst, dass ich mich von Paps trennen könnte. Oh je. Nein, das muss ich heute ausbaden. Mir würde nie im Leben einfallen, mich von meinem süßen Blondschopf zu trennen.

Er hält oben bereits die Stellung, während ich unten den Hof mache. Q.Fladen muntert mich doch etwas auf, hihi.

Nur, was soll ich sagen? Wo soll ich anfangen? Ich weiß nichts und doch so viel.

Marc schaut, wie weit ich bin und fragt, ob er noch helfen kann. Ich stürme auf ihn zu und sage:

„Marc, ich drehe bald durch. Ich möchte mit euch reden. Es ist so viel. Wo soll ich anfangen? Ich stehe das nicht durch.“

„Doch, tust du. Und wenn, dann bin ich da. Ich war schon immer da, okay?“

Seine Worte geben mir Geborgenheit. Ich stehe das schon durch. Nur, vielleicht ist es noch zu früh für die Wahrheit? Es sind Kinder und wer weiß, was danach passiert?

Ich drücke meinen Mann noch einmal ordentlich und atme tief durch. Er lächelt mich so süß an. Es tut mir so leid, dass ich gestern so war. Und vorgestern erst. Aber ihr werdet bald alle verstehen.

Oben versammeln wir uns im Wohnzimmer. Die Stille ist kaum auszuhalten. Alle starren den anderen an oder beobachten den Boden, die Decke oder was auch immer. Und ich sitze da und weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich nehme Marcs Hand und lächle ihn an.

Ich schaue jeden einzelnen an, bevor ich das erste Wort sage.

„Früher gab es Magier, die friedlich mit den Sims zusammenlebten.“

„Moment, Mam. Du möchtest uns ein Märchen erzählen? Ist es dafür nicht noch zu früh?“, merkt Joshua an.

„Hörst du mir bitte erstmal zu? Bitte.“

„Aber Mam. Das ist doch so. Ich habe da keine Zeit zu und ich dachte, es wäre wichtig.“

„Herrje. Joshua. Bitte. Es ist gerade schon schwer genug. Also hörst du mir jetzt zu?“ Ich werde langsam etwas lauter.

Marc versucht mich etwas zu bremsen und redet mit unserem Ältesten.

„Egal, wie absurd es nun klingt, aber eure Mam muss jetzt reden. Ich habe es ja auch erst nicht geglaubt. Deswegen ist es jetzt umso wichtiger, wenn ihr zuhört.“

„Ich schaffe das nicht, Marc. Das ist doch Blödsinn. Lassen wir einfach gut sein und die Sache abhaken.“ Und schon knicke ich wieder ein.

Da ist sie wieder: Diese Stille. Meine Kinder sitzen da und starren überall hin. Ich versuche noch einen Neustart. Marc nimmt meine Hand und bittet mich zu erzählen. Tief durchatmen und:

„Vor einiger Zeit gab es Magier, die friedlich mit den anderen Sims zusammenlebten. Bis eines Tages das Chaos ausbrach und die sogenannte Magierverbrennung stattfand. Magier wurden verfolgt und als Monster beschimpft. Viele Jahrzehnte später fand man raus, dass daran schwarze Magier schuld waren. Sie öffneten und formten neue Dimensionen und bauten sich die Welten so auf, wie sie es gerne hätten. In unserer Welt jedoch herrschte weiterhin Chaos und das reinste durcheinander. Die restlichen Magier lebten im Untergrund. Einst in der Hoffnung, wieder mit den anderen Sims friedlich leben zu können. Sie wurden nicht nett behandelt. Es wurden Experimente gemacht und sie wurden getötet und......“

„Emily? Nicht übertreiben, okay?“

„Tschuldigung.“

Oh, das war wirklich etwas zu viel. Die Kinder schauen mich gerade an, als würde ich die größte Horrorgeschichte erzählen. Was es ja eigentlich auch war.

„Und was hat das jetzt mit uns zu tun?“, fragt Joshua.

„Auch unsere Blutlinie besteht aus Magiern. Wir waren sehr angesehene Magier, die man jedoch ebenfalls vernichten wollte.“

„Mam, das ist doch Blödsinn. Was erzählst du da? Du bist doof“, merkt Niklas an und wird wütend.

„Wenn wir Magier sind, dann bin ich jetzt der Oberste und fange an, gegen die Bösen zu kämpfen. Ich werde dann mit einem Heldenanzug durch die Gegend laufen und Menschen retten“, ist wiederum Emilios Aussage.

Ich komme gar nicht mehr richtig zu Wort, obwohl ich nicht mal ansatzweise erzählt habe. Meine Kinder nehmen mich absolut nicht für voll, was ja eigentlich auch zu erwarten war.

„Und ich schnappe mir mein Einhornteddy samt Fridolin und rette die Welt mit Glitzerstaub. Niemand soll mehr Böses tun.“

„Äh, Kinder?“

Ich versuche fortzufahren:

„Joel und Madleen kennen sogar diesen Unterschlupf schon. Dort lebten wir einst, weit ab von allem Bösen. Es gab Wächter, die in Kräuterheilkunde ihr Werk verstanden und sämtliche Magie beherrschten. Auch Nachtwandler gab es, die neue Dimensionen erschaffen konnten und durch die Zeit reisten. Diese Eigenschaft wurde leider missbraucht und so hat man den Nachtwandlern Einschränkungen gegeben, dass sie sich nicht im Tageslicht aufhalten oder normal essen konnten. Dann gab es die Wellenreiter, die eins mit dem Wasser waren. Sie konnten dieses bändigen.“

„Klar, Mam. Und was waren wir dann, wenn das alles stimmt?“

Joel und Madleen fangen an, ihre Geschichte zu erzählen. Meine kleine Tochter ist gerade süß, hihi.

„Mam hat recht. Es gibt wirklich dieses Tor und Onkel Ramon und Onkel Miguel haben uns viel erzählt. Aber sie sagten auch, dass wir niemandem was davon sagen dürften, bis Mam nicht mit uns geredet hat. Da ist das total cool. Dunkel und Glitzer und lustig und schwebend. Ich glaube schon, dass ich eine Magierin bin. Nur Einhörner habe ich da noch nicht gesehen. Miguel möchte mir aber mal eins zaubern, hihi.“


Das witzige ist, dass ich nicht mal ansatzweise alles erzählt habe. Die Kinder reimen sich jetzt ihre eigenen Geschichten zusammen. Deswegen beschließe ich, mit allen durch dieses Tor zu gehen. Es ist an der Zeit zu erfahren, was ich wirklich bin und eigentlich nicht mehr sein möchte.

Marc zieht mich vorher noch zurück und sagt, dass ich das bislang ganz gut gemacht habe. Gleich kommen ja die beiden Clowns noch dazu und sie können den Rest machen. Ich bin fürs Erste raus.

Also Abmarsch nach Glimmerbrook.

Bis wir schließlich vor dem Tor stehenbleiben. Plötzlich ist auch Joshua ganz ruhig und schaut sich alles erstaunt an. Tja, liebe Kinder. Das war noch lange nicht alles. Aber erstmal reicht eine grobe Beschreibung. Wie es weitergeht, weiß ich ja selbst noch nicht.

„Darf ich dann hier ein Einhornschloss bauen und auf Einhörnern rumreiten? Darf ich dann ein Regenbogengewand tragen und mit Sternenstaub schmeißen?“

Madleen ist ganz aus dem Häuschen und hat wohl etwas zu viel hinter dem Tor verbracht. Hätte ich das gewusst. Die Nachtwandler-Kinder sind ja auch noch da. Die einzigen Überlebenden des Unfalles in StrangerVille.

„Süße? Erstmal langsam, bitte. Eigentlich wollte ich euch nie davon erzählen, weil ich genug mitbekommen habe, aber es scheint wohl so ein ewiger Fluch zu sein. Man ist, was man ist.“

Ich hasse diesen Ort. Ich will da nicht hin. Mein Vater hat hier genug durchstehen müssen. Das darf sich nicht wiederholen. Geister im Kopf und dazu noch kranke Geister. Nein, nicht noch einmal.

Die Kinder nehmen gar nicht so richtig wahr, was ich ihnen gerade zeigen möchte. Sie sehen es eher wie einen Freizeitpark, wo man einmal hingeht und dann in Erinnerung behält. Aber nach und nach werde ich immer mehr erzählen. Es muss ja weitergehen.

Marc sieht, wie ich wieder kurz davor bin, einzuknicken. Er nimmt mich sofort in den Arm.

„Du schaffst das. Bei mir hast du es auch geschafft. Egal, wie doof das klingt, aber ich glaube dir.“

„Marc, ich habe Angst. Ich möchte nicht hier sein.“

„Alles gut. Bin da.“

Ich bin total durcheinander. So wie ich das erklärt habe, verstehen die Kinder das doch niemals. Woher soll ich nun wissen, was ich machen soll? Ohne Magie ist es schöner. Mein Leben ist perfekt ohne.

Trotzdem gehe ich diese ekeligen Stufen hoch.

„Das hat Mam aufgebaut, habe ich gehört“, sagt Joel.

Meine Worte sind wie weggeschnürt. Mache ich überhaupt das Richtige? Sollte ich nicht lieber wieder umkehren? Ramon und Miguel dürfen einfach nicht gewinnen.


Und da sehe ich auch schon den Ersten. Ramon schaut nicht schlecht, als ich mit der ganzen Familie hier aufkreuze.

„Also, siehst du? Zufrieden? Ich bin hier, okay? Dann bring du meinen Kindern mal bei, was hier vor sich geht. Machst du das? Ja? Schön.“

Wir setzen uns an einen großen Tisch. Einen, den ich ausgesucht habe. Tja, ich wollte schon mal alles wieder aufbauen, als diese wunderbare reine Magierin, die ich ja doch bin. Rein, was bedeutet das schon?

Also reden wir. Wir reden und reden und die Kinder haben viele Fragen. Ob sie gerade glauben, was sie erleben, weiß ich immer noch nicht. Ich sage ja: Für sie ist es ein Traum. Eine Märchenwelt, die so nicht existieren kann. sechs Kinder sollen erfahren, dass dieses Märchen wahr ist. Wunderbar.

Ramon holt ein paar Bücher und blättert für die Kinder darin rum.

„Also, Miguel. Ich bin hier und ich sage dir sofort, dass es nicht so laufen wird, wie ihr es gern hättet. Ich mag mein Leben so, wie es ist und ich bin wahrlich keine Heldin oder sonst was. Es geht nach meinen Regeln und mir ist die Vergangenheit egal, okay? Ich will darüber nichts wissen.“

„Anders war es nie geplant.“

Nach einiger Zeit wird die Runde auch etwas lockerer. Die Kinder erfahren viel von ihren Vorfahren und jetzt möchte jeder ein Magier sein. Na toll. Nein, das kann ich nicht allen antun. Ich habe mich dazu entschlossen, die Blutlinie weiterzuführen - ja. Aber nur der, der das Zepter der Generationen übernimmt, wird diese Aufgabe übernehmen. Aber herrje. Nein, der Gedanke ist doch auch doof. Jedes meiner Kinder soll ein normales Leben führen dürfen, oder nicht? Stellt euch einmal vor, dieser auserwählte Magier geht dann in die Schule. Was ist, wenn es Schwierigkeiten geben wird? Hmpf. Ich muss doch nochmal darüber nachdenken.

Mir ist erstmal nur wichtig, dass die Kinder es einigermaßen aufgenommen haben. Und trotzdem dürfen sie keinem davon erzählen. Nicht jetzt.

Erstmal sacken lassen.

„Die Türen stehen dir immer offen und du wirst das gut meistern. Aber die Magie einfach so zu ignorieren, bringt erst recht Ungleichgewicht in die Welt. Die Magie ist fester Bestandteil der Welt und da können wir nichts dran ändern. Deswegen legen wir alle Hoffnung in die Duvan-Blutlinie.“

Ich gehe mit Marc raus. Muss dann doch nochmal kurz nachdenken. Natürlich fällt ein großer Stein vom Herzen, aber wie soll es weitergehen? Meint ihr, ich möchte es noch einmal so ausarten lassen, wie es unsere Vorfahren schon taten? Wer weiß, wie viele Magier es wirklich noch gibt da draußen?

„Marc, was meinst du? Es macht mir wie gehabt Angst und ich möchte niemanden in Gefahr bringen.“

„Wirst du nicht. Du kannst manchmal zwar etwas lauter werden, aber ich glaube nicht, dass du gleich die ganze Welt explodieren lassen könntest.“

Da muss ich dann doch mal schmunzeln, hihi.

„Du bist eine wunderbare Frau und hast eine wunderbare Familie. Solange du mir nicht meinen schönen Bart wegfackelst, bin ich bei allem dabei, was du tust und versuche dir, so viel Halt zu geben, wie du nur brauchst.“

Das geht runter wie Butter, oder?

Schwarze Magie hat fast unsere ganze Welt zerstört und nur, weil zwei Blutlinien einen Zwist hatten. Und das witzige ist, dass beide Blutlinien in mir stecken. Sowohl die schwarze Blutlinie, als auch die weiße Blutlinie. All jene Blutlinien wurden in uns vereint, um wieder Frieden zu bringen. Und daher bin ich die erste reine Magierin.


„Also gut, Miguel. Ich mache mir so meine Gedanken und dann melde ich mich bei euch. Ich möchte auch die Nachtwandler-Kinder kennenlernen, okay? Ist das ein Anfang?“

Denn es liegt noch viel Arbeit vor mir.

Aber nicht mehr heute, da wir trotzdem noch die Duvans sind: Eine normale Familie, die an den Strand gehen möchte.


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