• Kucki 232

Folge 45 - Eines Tages komme ich wieder


 

Erste Herbstwoche: Sonntag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Joel

 

Dass Mam sich gestern so ausgesprochen hatte, fand ich richtig cool. Jetzt wird für mich immer mehr klar, dass ich was Besonderes bin: Ein Magier. Und ab sofort helfe ich Mam bei ihrer Mission.

Aber erst nach dem Frühstück, hihi.

Die anderen finden das ja nicht so cool, dass wir nun sowas Besonderes sind, aber Madleen und ich halten zusammen.

Deswegen frage ich Paps ganz direkt:

„Ist es okay, wenn wir nachher die Zwillinge besuchen? Wir wollen das nicht mehr einfach so machen und vorher fragen. Aber wäre das okay? Sie sind ganz lieb.“

„Nichts daran ist lieb, Paps. Wir dürfen keine Magier sein, weil sie böse sind“, sagt Aurelie.

Paps ist gerade etwas überfordert und bittet mich, die Antwort von Mam abzuwarten. Es ist gerade nicht einfach, da sich Emilio, Niklas und Aurelie seit gestern ziemlich bedrückt verhalten. Es werden Türen geknallt und rumgeschrien und wenn wir mit der Magie anfangen, dann sind sie erst recht böse. Toll. Obwohl Magier was Tolles sind. Wenn man denn weiß, wie man es angeht.

Joshua wiederum macht sich da keine Gedanken drum. Ihm ist es egal.

Also warte ich auf Mam. Es regnet und regnet.

Schließlich wird auch sie wach und ich frage direkt: „Mam? Ist das okay, wenn wir nachher zu den Zwillingen gehen? Uns ist es wichtig, jetzt immer zu fragen.“

Mam ist noch etwas niedergeschlagen. Klar. Plötzlich ist sie wieder eine Magierin und wir auch. Kann ich verstehen. Aber zusammen schaukeln wir das schon, was auch Madleen so findet.

„Du bist ja nicht allein und wir helfen dir, wo wir können. Wenn wir nachher das Haus in Regenbogenfarben streichen, dann helfe ich natürlich mit.“

„Und ich werde zaubern lernen und beschütze dich“, sage ich.

„Ich überlege es mir“, sagt Mam nur und bringt ihre Schüssel weg.

„Hm, ist das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen? Ich würde schon gerne die Zwillinge besuchen. Es ist witzig mit ihnen.“

Wir sitzen noch eine ganze Zeit so am Tisch und überlegen uns immer bessere Pläne. Draußen regnet es immer noch sehr stark. Schade, dass wir uns nicht in dieses Reich teleportieren können. Das würde den Schmadderweg überspringen.

Mam kommt etwas später mit dazu. Sie schweigt und hört uns einfach nur zu.

„Miguel und Ramon haben uns schon viel erzählt und ich finde es cool, was unsere Familie gemacht hat. Nicht alles war gut, aber guck doch mal, wenn wir das machen würden. Wir würden niemals böse Dinge tun.“

Aber warum schweigt Mam so? Wir meinen es doch nur gut. Selbst als Paps mit dazukommt, schweigt er nur. Was hat das zu bedeuten?

„Was willst du machen? Ich denke, dass die Kinder eine Chance verdient haben und wenn sie von uns keine Informationen bekommen, dann gehen sie eh wieder ins Reich. Ändern können wir es nun auch nicht.“

Da hat Paps absolut recht. Er ist auf unserer Seite. Juhu.

Also nickt Mam nur. Ein komisches Nicken, aber sie nickt. Sie braucht doch keine Angst haben. Unsere Pläne sind bombenfest.

Trotzdem regnet und gewittert es immer noch. Iiiih. Schade, dass die Zwillinge nicht aus dem Reich rausdürfen. Sie verpassen doch ihr ganzes Leben, was sehr schade ist. Und da ist es so schön.

Wenn ich denn nicht gerade zocke, hihi.

Die Zwillinge spielen auch gerne mit uns am Computer. Wir haben ihnen das alles gezeigt und sogar erklärt, was wir in der Schule so alles machen.

Mam ruft uns und wir haben ganz schnell unsere Schuhe an. Trotzdem redet sie den ganzen Weg hierhin nicht wirklich viel.

Als wir durch dieses kribbelige Portal gehen, wo es schwarz und kalt ist, kann ich es wieder kaum erwarten, hier zu sein. Wenn wir hier immer was rufen, dann hört man nicht mal ein Echo. Oder wenn wir einen Stein ins Wasser schmeißen, macht es nicht mal „Platsch“. Ich habe es mal geschafft, etwas nach oben zu schmeißen, aber es kam nicht mehr runter. Stattdessen ist es von unten nach oben gefallen. Hier ist es richtig witzig.

Meine Schwester und ich gehen schon mal rein. Mam bleibt noch am Tor stehen.

„Wollen wir Shadow und Melody dann suchen? Sie sind bestimmt am Zocken, hihi.“

Als ich das aber ausgesprochen habe, kommt Shadow um die Ecke. Er freut sich richtig, uns zu sehen.

„Hihi, guck mal. Da ist er schon.“

Madleen ist total aufgeregt.

„Hi, Shadow. Wie geht's? Wie war dein Tag so? Hihi. Wollen wir weiter unsere Pläne schmieden? Mam haben wir auch bald überzeugt und dann wird alles gut. Wir müssen draußen aber noch einen Einhornstall bauen. Meinst du, Ramon hat was dagegen? Das ist mir halt wichtig.“

Mam kommt wortlos durch das große Tor und sieht uns. Ich hoffe, sie schimpft jetzt nicht, da die Zwillinge ja nicht böse sind. Wenn sie die beiden richtig kennt, dann wird sie es auch sehen. Sie geht auch nur an uns vorbei und guckt kurz. Danach verschwindet sie in einem großen Raum.

Melody kommt um die Ecke. Jetzt bin auch ich aufgeregt, weil Melody nämlich was Besonderes ist. Genau wie ich. Nein, wie wir vier. Zu viert sind wir unschlagbar und die beiden freuen sich sogar schon drauf, mal in unserer Welt zu sein. Sie haben uns gesagt, dass sie es da draußen nicht kennen. Nur diesen kalten Wald. Mehr nicht. Schulen, Spielplätze und Fußball kennen sie nicht wirklich. Daher haben wir ja mal versucht, mit den beiden hier Fußball zu spielen. Das geht aber nicht, da der Ball irgendwie nicht rollt. Also wollen wir es ihnen mal irgendwann in unserer Welt zeigen.

„Wir können ja Ramon und Miguel mal fragen, ob es okay wäre, wenn wir euch zum Spielen mit zu uns nehmen. Das ist doch nicht schlimm, oder? Wir wollen euch so viel zeigen. Hier ist es doch irgendwann öde, weil man nicht alles so machen kann, wie bei uns.“

Madleen strahlt mich gerade total an. Die Idee findet sie wohl auch toll. Es ist ja auch so. Hier im Reich kann man nicht mal vernünftig frische Luft atmen. Es geht nichts über einen Sommerabend. Habt ihr da mal die Luft gerochen? Ich finde das schön. Na ja. Wenn ich nicht gerade zocke, hihi. Aber dann mache ich das Fenster immer auf und dann rieche ich das ja auch. Hier im Reich riecht man einfach gar nichts.

„Cool. Ich möchte unbedingt alles da draußen sehen. Vielleicht kann ich dann ja auch zur Schule gehen. Hier ist es doch doof. Ramon und Miguel sind blöde Lehrer“, sagt Shadow.

Melody guckt mich immer so an. Das finde ich total süß. Vielleicht kann ich ja irgendwann ihr Freund sein und sie heiraten. Das wäre so cool.

Und dann können sie bei uns wohnen und wir zeigen ihnen dann alles. Genau das ist unser Plan. Ob Mam und Paps damit einverstanden wären?

„Ich finde das doof, dass wir sie nicht einfach mitnehmen können. Die Erwachsenen sind doch alle doof und haben keine Ahnung.“ Plötzlich wird Madleen laut und wütend.

Madleen ist so sauer, dass sie nach unten geht. Sie mag die Zwillinge eben und möchte mit ihnen spielen. Genau wie ich auch. In der Schule gibt es nicht solche Freunde wie die beiden.

Ich schaue zu meiner Schwester runter und sehe das Unglück schon kommen.

„Hey, stopp. Vorsicht. Vor dir.“

Madleen schaut nur zu mir hoch und nun ja. Sie ist eben Madleen.

Es klirrt nur und die Scherben von dem Ding liegen überall rum. Auf einmal setzen sie sich aber wieder zusammen. Das ist ja cool. Madleen ruft nur „Aua“. Ich eile nach unten. Mittlerweile bin ich solche Unfälle ja schon gewohnt, hihi.

Sie kommt allein nicht hoch, da sie in diesem Ding festhängt. Also gebe ich ihr meine Hand und helfe ihr auf.

„Danke, Joel. Du bist der beste Bruder. Ich hab dich lieb.“

Danach nimmt sie mich in den Arm.

„Alles gut, Schwesterherz.“

Shadow kommt auch zu uns runter und schaut, ob mit meiner Schwester alles in Ordnung ist. Tja. So sind wir Magier halt. Wir halten zusammen.

Wir haben noch viel Spaß hier im Reich und müssen total viel lachen. Im Moment bringen wir den Zwillingen Witze bei. Viele haben sie sich schon merken können, aber manche bringen sie noch total durcheinander.

„Was ist grün und sitzt im Wald? Ähm. War das ein Popel? Hihi.“

Schließlich schaue ich Melody nur an und muss sie einfach mal in den Arm nehmen.

„Ich hab dich lieb Melody und eines Tages komme ich zurück und hole dich ab. Dann zeige ich dir alles.“

„Das klingt gut.“

Mittlerweile sind wir eine total coole Clique geworden. Wir sind halt Magier und wenn wir die Welt retten wollen, dann müssen wir auch Pläne schmieden. Es wird nicht einfach werden, aber das ist okay.


Etwas später kommt Mam zu uns und ich sehe es schon wieder kommen: Madleen stolpert gleich. Aber hier klirrt es dann nur und ist sofort wieder heile. Sowas müsste es zuhause auch geben. Dann geht wenigstens nichts mehr kaputt, wenn Madleen wieder solch ein Schussel ist, hihi.

Bevor wir gehen, sage ich Melody dann noch etwas:

„Also, bis bald. Ich bereite alles vor und dann können wir Königin und König im magischen Reich sein. Sowas darf nämlich nicht fehlen.“


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