• Kucki 232

Folge 455 - Wir beide


Die Duvans versuchen nach dem langen Abend auszuschlafen. Sie hätten es fast geschafft. Aber nur fast. Emily kann nicht mehr richtig schlafen, weil ihr Kopf dröhnt und Phillip hat Hunger bekommen. Na dann – auf geht’s.

„Es war gestern ganz schön voll hier. Ist unsere Familie wirklich so groß? Ich kenne die alle gar nicht.“

Aurora wird wach. Es ist bereits 9 Uhr durch. Die Langschläfer sind heute mal die Rentner und Rekordhalter ist nachher Benny. Na ja. Kein Wunder nach dem gestrigen Abend.

Valentino hat seiner Schwester eine SMS geschickt, ob Marc dann langsam nach Hause kommen kann. Er wollte noch in die Stadt. Also heißt es wecken.

„Hey, du Schlafmütze. Du wirst zuhause vermisst.“

„Das ist schön. Ich dachte ja, dass ich trotzdem einmal im Leben ausschlafen kann. Aber nö. Man.“

Gestern hat ihn ganz schön geschlaucht. So wirklich Bock hat er heute echt nicht. Manchmal hofft er, dass seine Mam wirklich mal selbstständiger wird. Marc möchte doch einfach nur ein Teenager sein. Ein Leben haben.

Der Junge will sich fix frischmachen, als Emily ihn abfängt.

„Hihi, du bist ein Morgenmuffel.“

„Nein, bin ich nicht. Warum sollte ich?“

„Weil du aufstehst und meckerst.“

„Emily? Weißt du, wann ich das letzte Mal so richtig ausgeschlafen habe? Du kannst immerhin schön liegenbleiben und ich muss immer raus.“

„Hm. Weißt du, was uns mal guttun würde? Heute Abend ist doch das Romantikfestival. Hast du Lust?“

„Wie bitte? Das ist doch Schnulz pur. Ähm.“

„Ach man. Komm schon. Lach wenigstens mal. Ist doch cool, solch ein Schnulz. Gut, ich muss gestehen, dass ich auch nicht auf sowas stehe, aber wer weiß, was wir dort so entdecken? Und wenn wir uns da nur hinsetzen und lästern. Mir doch egal. Bist du dabei?“

„Alles klar. Lästern ist auch mal eine feine Sache. Da hast du recht. Gut, bin dabei.“

Phillip ist derweil draußen gut zugange.

Bevor Marc nach Hause geht, möchte er noch kurz was essen. Er fühlt sich wesentlich besser, als in den letzten Tagen und nun hat er mal so ordentlich Hunger. Nicht mehr nur auf Weißbrot.

„Wie geht es dir denn? Hoffe, du fühlst dich besser. Ich fand es gestern auch noch richtig toll, dass du ans Feuer gegangen bist. Mutig und ein guter Schritt nach vorn.“

Eigentlich hat er nicht so wirklich Lust auf dieses Schnulz-Festival, aber wer weiß, was ihn dort erwartet? Da soll es so einen komischen Tee geben. Nachher schlabbern die sich da alle noch gegenseitig ab, oder sowas. Gut, sowas will er sich nicht entgehen lassen. Gibt Kopfkino und ordentlich was zu lachen.

Erstmal geht es aber ab nach Hause. Eine ordentliche Dusche braucht der arme Junge, nach dem ganzen krank sein.

Und im Garten so:

Kurz darauf kommt ein wütender Valentino vorbei. Er versucht ja eigentlich ganz ruhig zu bleiben, da Natalie ja auch nichts zu kann, aber er muss ganz dringend mit jemandem sprechen.

„Was bölkst du hier rum? Was soll das? Komm erstmal her und lass dich drücken.“

„Entschuldigung. Moment. Ich reiß mich erstmal zusammen und dann kann ich auch reden, denke ich. Einen Moment bitte.“

Emily muss schmunzeln.

Natürlich hat Phillip auch von dem Gejammer mitbekommen. War ja nicht zu überhören.

Die Ältesten haben den Weg ins Esszimmer gefunden. So spät sind sie schon lange nicht mehr ins Bett gegangen. Der Abend war einfach mega.

„Und was ist denn überhaupt los? Erzähl.“

„Ich würde es gerne auch Paps erzählen. Wo ist er?“

„Ich sag ihm Bescheid. Dann können wir oben auf der Terrasse reden.“


Etwas später kotzt sich Valentino so richtig aus.

„Paps, es ist unfair, dass man ärmeren Familien, die noch so ein Schicksal erleiden mussten, einfach so abschiebt. Die Kosten wären zu teuer und blabla. Man hat Tanya einfach nur gesagt, dass sie nicht mehr laufen kann und Punkt. Haben ihr einen Rollstuhl gegeben und dann konnte sie gehen. Was soll das bitte? Wir waren vor kurzem bei einem guten Arzt. Er ist teuer, aber gut. Er wundert sich selbst darüber, was man ihr erzählt hat. Sie kann vollständig wieder geheilt werden, da sie überhaupt nicht querschnittsgelähmt ist. Der Unfall hat zwar ziemlich viel angerichtet, aber sie kann das Laufen wieder erlernen. Und im Krankenhaus wurde ihr nur gesagt, dass es hoffnungslos ist. Ich könnte schreien.“

„Dann tu es, wenn dir nach ist.“

„Das Problem ist, dass der Arzt sehr weit ist. Wir haben ja die Empfehlung von ihrer Reha bekommen. Sie meinten, wir sollen uns mit ihm mal in Verbindung setzen und dann kann man ihr nach einer besseren Diagnose vielleicht wirklich dort helfen. Direkt am Meer und sie kann sich auch super entspannen nebenbei. Das ist es mir wert. Das Problem ist, dass es sehr teuer ist. Selbst dein Geld ist schon draufgegangen für Ärzte und dem blöden Haus.

Emily setzt sich mit Orangensaft dazu. Sie möchte unbedingt mit Marc nachher auf das Festival. Hat ihr Freund sie etwa angesteckt?

„Und was willst du nun machen? Ich habe euch leider die Ersparnisse schon gegeben. Wie teuer soll das denn sein?“

„Ach, Paps. Das wird nichts. Vergiss es. Selbst dein letztes Hemd würde nicht reichen.“

Phillip denkt die ganze Zeit nach. Er übernimmt doch eh das Zepter im Haus der Generationen und das Geld braucht er nicht zwingend. Hier und da muss mal was repariert werden, aber das ist okay. Er schafft das schon mit Aurora.

„Ich gebe dir mein Geld. Es sind zwar nur 30.000 Simoleons, aber ich möchte dir das geben. Und keine Widerrede.“

„Aber Phillip.“

Emily schaut ihren großen, lockigen Bruder an.

„Und ich gebe dir die anderen 30.000 Simoleons, hihi. Vielleicht kann ich ja im Haus der Generationen bleiben. Ich mag das hier. Warum nicht? Dann kann ich Phillip helfen, wenn es so weit ist.“

Valentino schüttelt nur mit dem Kopf.

„Nein, lasst mal. Das kann ich nicht von euch verlangen. Außerdem. Wie wollt ihr das machen?“

„Das lass mal unsere Sorge sein. Nimm das Geld und mach eine Familie damit glücklich. Ich liebe Marc und wenn es ihm besser geht, dann geht es mir auch besser.“


Schließlich verschwindet Emily im Bad. Für Diskussionen ist sie eh nicht offen und sie fühlt sich mies. Hoffentlich bekommt sie nun kein Fieber.

Benny wiederum fühlt sich nun nicht so wohl, weil er ein bisschen zu dolle geschaukelt hat, haha.

„Verdammt nochmal. Nicht jetzt. Heute Abend, wenn ich ins Bett gehe, kann ich gerne krank werden, aber bitte nicht jetzt. Manno.“

Sie legt sich noch etwas hin. Vielleicht hilft das ja schon. Marc hat sie eindeutig angesteckt.

Seitdem ihm seine Geschwister so unter die Arme greifen wollen, ist Valentino sehr sprachlos. Die ganze Zeit versucht er das Geld irgendwie abzuwimmeln, aber er bleibt ohne Erfolg. Tanya soll zu diesem Arzt fahren. Aus, Basta.

Selbst Benny möchte ihn überzeugen, dass das richtig ist.

Etwas später klingelt es an der Tür. Nur doof, dass alle draußen sitzen und das nicht mitbekommen. Emily muss hin. Es ist ihre Cousine Annika. Wo sie wohl hingehört? Haha.

„Hey, hallo. Lange nicht gesehen? Wie geht es dir?“

Sie setzen sich vor die Tür.

„Meine Schwester hat mir erzählt, dass dein Freund Marc Molina ist. Ich kenne ihn. Er ist ein netter Junge. Ich bin mit ihm in der Grundschule zur Schule gegangen. Stimmt das mit dem Unfall? Das ist echt schrecklich. Geht es ihm denn gut?“

„Witzig, wie immer gleich alle aus der Familie die kennen, die ich kenne. Die Welt ist wirklich klein.“

„Marc war ein Außenseiter in der Schule. Die Leute meinten immer, dass er einen Kinderpapa hatte. Welch ein blödes Wort. Ich habe mich gut mit ihm verstanden und habe nie verstanden, was das Ganze sollte. Die Kinder suchten immer einen Grund, ihn zu ärgern. Nur, weil er lieber für sich war. Als wir zur Oberschule kamen, ist der Kontakt aber abgebrochen. Daher fand ich das umso interessanter, dass du mit ihm zusammen bist.“

„Die Kinder haben echt über ihn geredet?“

„Ja. Aber er hat sich immer zur Wehr gesetzt. Kannst du mir seine Nummer geben? Ich würde mich gerne mal bei ihm melden. Und nein, ich will nichts von ihm. Keine Angst, hihi.“

Interessant, interessant.

Annika geht rein zu ihrer Tante, die es sich auf der Couch gemütlich gemacht hat. Das Mädchen ist eine ganz Liebe und vielleicht kann sie Emily ja noch so einiges über Marc erzählen. Sie scheint immer noch nicht alles über ihren Freund zu wissen. Eigentlich dachte sie das ja.


„Hätte ich das gewusst, dann hättest du doch auch gestern kommen können. Jeder war eingeladen. Hat dir keiner Bescheid gesagt?“

„Wirklich? Ich wusste zwar davon, aber ich dachte, dass mich eh keiner kennt. Ich kenne ja selbst nicht mal alle, hihi.“

„Nein, mir ist es wichtig, dass du das Geld annimmst. Emily und ich möchten nur helfen. Wir sehen doch, dass es dir wichtig ist und dass du der Familie helfen möchtest. Ich glaube auch nicht, dass dich Tanya so verarscht, wie Christina es tat. Tanya und Marc sind echt liebe Menschen. Ganz ehrlich.“

Doch nun geht es erstmal los zur Verabredung. Emily überlegt, ob sie direkt mit ihm reden soll, was Annika betrifft. Das liegt ihr nun total auf der Seele. Aber ob das nun der richtige Zeitpunkt ist?

Die Teenagerin holt ihren Freund ab und dann geht es auf nach San Myshuno. Als Marc jedoch dieses ganze Blütenzeugs sieht, möchte er gleich wieder umdrehen.

„Nix da. Hiergeblieben. Komm mal her. Und wie du siehst, ist hier auch gar nicht so viel los. Würdest du das überleben?“

„Das ist doch totaler Schwachsinn hier. Können wir nicht irgendwo nen Burger essen gehen oder so?“

„Ich dachte, wir wollten lästern? Hihi.“

Schließlich schaut sie ihren Freund auch an. Sie möchte das klären. Hier und jetzt.

„Du, Marc. Mir brennt da noch was auf der Seele. Das lässt mir keine Ruhe.“

„Was denn?“

„Vorhin war Annika Charm bei uns. Sie meinte, sie kennt dich.“

„Annika? Ist ein paar Tage her, klar. Woher kennst du die?“

„Sie ist meine Cousine.“

„Wer ist das eigentlich nicht? Das ist ja gruselig.“

„Sie meinte, dass du früher in der Grundschule gemobbt wurdest? Warum hast du mir nie davon erzählt?“

„Wie bitte? Sie soll keinen Mist erzählen.“

„Sicher?“

„Müssen wir darüber nun echt reden?“

„Du weißt. Keine Geheimnisse.“

„Das waren doch nur halbstarke, die wohl selber zuhause nicht genug Liebe von Mutti bekommen. Mehr nicht. Und ich bin halt Einzelgänger. Und? Mein Problem. Aber weißt du was? Können wir nicht später drüber reden? Ich erzähle dir dann auch alles, okay? Schau dir mal die dahinten an. Das geht gar nicht, haha.“

„Hm, wo? Ach, die da. Haha, ja. Okay, lass uns lästern, wir reden aber später.“

„Klar.“

Und auf geht es zum Festival.

„Und nun komm auch erstmal her. Egal, was du auf dem Herzen hast: Du kannst mit mir darüber reden. Auch wenn du alles abhaken und vergessen möchtest.“

„Dafür bin ich dir auch dankbar.“

„Und wie ich sehe, hast du noch viele Geheimnisse.“

„Du doch auch. Du zeigst mir ja nicht mal deine Tagebücher. Erwischt.“


Die beiden bleiben schließlich vor diesem Ding stehen, wo es diesen komischen Tee gibt. Schlimmer kann es ja nicht werden. Vergiftet werden sie davon bestimmt nun auch nicht.

„Wollen wir den mal probieren? Was meinst du?“

„Weiß nicht. Nicht, dass wir nachher noch rosa Schweinchen sind, oder so.“

„Na dann. Runter damit. Vielleicht kommen wir ja dann im 7. Himmel raus, hihi.“

„Holla. Warst du schon immer so sexy? Du bist eigentlich schon megasexy, aber nun bist du megamegasexy, hihi.“

„Was redest du da? Ich glaube, ich trink das Zeug doch nicht.“

Die Wahrsagerin des Festivals kommt zu den beiden.

„Ah, eine ganz frische Liebe. Wie schön. Eure Herzen haben sich erst vor Kurzem gefunden. Ganz unberührt und ihr entdeckt eure Leidenschaften im Moment. Wunderbar. Soll ich euch einiges über eure Zukunft sagen?“

„Ich denke nicht. Es sei denn, es ist was Tolles, mit 20 Kindern und so, hihi.“

„Was redest du da?“

Marc muss aber schmunzeln.

„Gib mir mal bitte deine Hände. Vertrau mir. So wie ihr funkelt, werdet ihr ein schönes Liebesleben haben.“

„Äh.“

Die Dame schließt ihre Augen, doch verzieht schnell ihr Gesicht.

„Was siehst du?“

„Oh, ich. Na ja.“

„Emily, lass uns gehen, das ist Schwachsinn.“

„Na ja. Ihr werdet viele Hürden überwinden müssen und es werden euch viele Steine in den Weg gelegt.“

„Wie bitte?“

„Euer Band muss sehr stark sein, um das zu überwinden. Sonst wird eure Beziehung mit Pech besudelt.“

„Das ist doch Blödsinn. Sie will uns doch nur Angst machen. Du glaubst doch diesen Mist nicht, oder?“

„Was willst du uns damit überhaupt sagen? Defizite? Was soll das?“

„Findet es heraus.“

„Ich kann euch aber sagen, dass ihr untereinander die wahre Liebe gefunden habt. Das ist positiv. Also sehe ich bei euch dieses starke Band. Ihr werdet viel überstehen müssen, aber ihr werdet immer zusammenhalten.“

Einige Ladys lauschen dem Gespräch und haben wohl auch etwas zu viel von diesem Tee getrunken. Der arme blonde junge Mann wird eine miese Beziehung haben? Eine Chance für die ältere Dame hier vorne im Bild. Sie zieht den armen Marc ja schon fast aus mit ihren Blicken, haha.

„Was guckst du mich so an? Ich bin glücklich mit Emily. Also guck nicht so.“

Dem Jungen wird das alles langsam etwas zu bunt hier. Er hat Emily ja vorgewarnt. Das ist hier der reinste Schwachsinn.

„Echt jetzt? Du trinkst noch einen davon? Lieber nicht. Was ist das hier für eine Irrenanstalt? Emily? Können wir gehen?“

Sie bekommt nicht wirklich viel mit, weil sie auf die Aussprache der Wahrsagerin achtet. Interessant ist es ja doch.

Bis die Seniorin plötzlich das hier sagt:

Emily ist fertig mit der Welt und rennt heulend weg. Marc schüttelt nur mit dem Kopf und kann echt nicht glauben, dass die Schwätzerin da sowas von sich gibt. Der Teenager rennt hinter ihr her.

„Du glaubst doch diesen Mist da nun nicht, oder? Man, das ist gerade unfair. Ja, wir haben es nicht leicht, merkt man ja. Ich, der Einzelgänger, der kaum vor die Tür geht und du kleine Partymaus, die ständig feiern muss. Dann noch der Unfall und so. Ja, wir haben es nicht leicht, das stimmt. Aber verdammt, nochmal, bist du die einzige, die bislang so richtig zu mir gehalten hat.“

Er nimmt sie in den Arm und schaut ihr das erste Mal so richtig tief in die Augen.

„Ich lieb dich, okay?“

„Und ja, ich muss dir noch so viel erzählen. Aber wir haben alle Zeit der Welt, oder nicht? Ich werde dir alles erzählen. Auch wenn es eigentlich egal ist. Ich liebe dich. Soll ich dir das noch irgendwo aufschreiben? Mach ich. Sofort.“

Emily schaut ihn gerade einfach nur an und folgt seinen Worten.

„Ich hab dir eben sogar diese blöde Rose gekauft. Ich hasse Rosen. Aber das ist mir auch gerade egal. Damals bin ich in einen Rosenbusch gefallen, da findet man die halt nicht mehr so lustig.“

„Ich kann dir nicht viel geben, außer einen frustrierten Jungen, der total verschossen ist. Über den viel geredet wurde, weil er einfach kein Interesse daran hatte, mit anderen Kindern zu spielen. Ich konnte nie mit den anderen was anfangen. War immer allein, weil mich Themen interessierten, die andere für eingebildet hielten. Wenn die sich über Fußball unterhalten haben, dann habe ich das Sonnensystem an die Tafel gemalt. Was ist daran schlimm?“

Emily schaut ihn immer noch an und lauscht.

„Ich saß in der Ecke und habe Krimis gelesen, während die anderen bis 20 zählen lernten. Da konnte ich schon bis 1000 zählen und weiter. Hab dann immer die Bücher gelesen, wenn mir langweilig war. Die anderen sagten, ich wäre ein Alien oder sowas. Sowas können normale Kinder nämlich noch gar nicht. Na ja. Was soll’s?“

Schließlich merkt er erst, wie Emily ihn eigentlich anschaut.

„Ich liebe dich auch, Marc. Du bist einfach der Wahnsinn. Du kannst gerne noch mehr erzählen. Kommt da noch was? Hihi.“

Doch lässt sie ihn nicht wirklich zu Wort kommen.

„Ich werde dich nie verlassen. Niemals. Und so eine Schwätzerin kann mir auch nichts kaputtmachen. Ganz ehrlich? Die soll damit ihr Geld verdienen? Peinlich. Du bist echt ein Traum, Emily.“

„Hilfe. Was rede ich hier eigentlich? Was macht dieser Tee? Also nicht, dass das nicht stimmt und so, aber ich würde dir das eigentlich niemals sagen. Also nicht so schnell. Oh man. Warum habe ich davon getrunken?“

Emily erlaubt sich einen Scherz und bestreut ihren Freund mit Rosenblättern, die sie vorhin am Stand gekauft hat. Doch die Reaktion ist alles andere als positiv.

„Bäh, ich hasse Rosen. Hör auf.“

„Tschuldigung. Ach, man. Dann hass Rosen einfach nicht mehr. Sollen dich die Blüten nun erschlagen? Soll ich dich nächstes Mal mit rosa Wattebäuschen beschmeißen?“

„Meinetwegen.“

Wenigstens können die beiden schon mal wieder lachen und haben langsam doch so richtig Spaß. Die Wahrsagerin haben sie mittlerweile total vergessen. Emily versucht mit Stäbchen zu essen, während Marc sich immer noch wundert, warum er ihr das eigentlich erzählt hat. Und seine Gedanken ziehen Emily gerade auch noch aus, haha. Der Tee ist ja echt mal gruselig.

Die Teenagerin vergisst sogar, dass sie eigentlich Kopfschmerzen hat und sich irgendwas anbahnt. Kann sie dann ja Marc gesundpflegen. Netter Gedanke.

„Hey, die Musik ist eigentlich totaler Mist, aber hast du Lust zu tanzen?“

„Echt jetzt? Noch mehr zum Affen machen? Nein, das reicht für heute.“

„Ach komm schon. Ich kann doch auch nicht mal tanzen.“

„Hm, okay.“


Schließlich nehmen sie sich an den Händen und versuchen da irgendwas. Ständig müssen sie lachen. Mittlerweile ist es ihnen total egal, ob man sie beobachtet oder nicht.

„Mach ich das echt gerade? Das sieht doch total albern aus.“

„Finde ich nicht.“

Irgendwann stehen die beiden nur noch da und schauen sich tief in die Augen.

„Oh, verdammt. Guck mal auf die Uhr. Das ist ja schon total spät.“

Emily zückt ihr Handy und sieht, dass ihre Mam gefühlt 100 Mal versucht hatte anzurufen. SMS sind auch nicht gerade wenige angekommen.

„Dann würde ich sagen, nichts wie los. Ich bring dich noch nach Hause.“


Als sie in Sulani ankommen, sieht Emily, dass es schon dunkel im Haus ist. Wie soll sie das morgen ihren Eltern erklären? Verdammt.

„Hey, das war trotzdem ein schöner Abend. Hätte nie gedacht, dass mir der Schwachsinn gefallen würde. Aber diesen Tee trinke ich nie wieder. Gute Nacht.“

„Gute Nacht.“

Marc geht nach Hause. Emily setzt sich noch kurz etwas in den Sand, um den Tag sacken zu lassen. Ihr kommen die Worte mit der Wahrsagerin wieder hoch. Sowas kann doch nicht stimmen.


Sie steht auf und schmeißt irgendwelche kleinen Steine ins Wasser, in der Hoffnung, dass sie da nun irgendwie rumspringen.

Plötzlich merkt sie, wie sie jemand von hinten in den Arm nimmt.

„Sorry. Hab Schlüssel vergessen und komm nicht rein. Kann ich heute Nacht bei dir bleiben?“


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