• Kucki 232

Folge 46 - Ich habe es doch nur gut gemeint


 

Erste Herbstwoche: Montag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Joshua

 

So, mal schauen, was ich heute für Heldentaten vollbringe. Ich habe meinen Bart auch wieder abgeschnitten. Er ist irgendwie cool, aber nun ja. Mir wurde gesagt, dass ich älter aussehe als mein Paps. Ne ne. Das tut dann ja doch nicht Not. Also ab damit.

Und so versammeln wir uns zum Frühstück. Unvorstellbar, dass die kleinen Stinker auch bald mit mir auf die Oberschule gehen. Dann passe ich auch gut auf sie auf. Habe ja schon vieles mitbekommen in der Grundschule. Aber nun muss ich erstmal allein klarkommen. Alles beschnuppern und so. Ihr wisst schon.

In der Schule angekommen, starren mich alle nur blöd an und ähm. Warum das jetzt bitte? Sehe ich so gut ohne Bart aus? Ich gehe einfach weiter.

Kurz die Sachen holen und ab in den Unterricht.

So ist zumindest die Theorie. Die Praxis sieht dann wieder ganz anders aus.

„Ha, schauen sie. Da ist dieser Idiot und er geht auch noch in ihre Klasse.“

„Wie bitte? Joshua? Äh, ich denke nicht.“

„Doch. Eindeutig.“

Äh, was will die denn jetzt? Kenn’ ich die? Nicht wirklich.

Also bleibe ich ganz cool und schnapp mir nur einen Apfel. Höre dann aber aufmerksam mit.

„Na doch. Marianne ist nicht in der Schule oder sehen sie sie irgendwo, hmm?“

Was? Um Marianne geht es? Hä? Das ist jetzt eine Nummer zu hoch.

„Hey, schau. Der Beziehungskiller. Da ist er. Schau.“

Was zum Geier geht mit der? Langsam reicht es. Jetzt werde ich doch ganz schön sauer.

„Bruno ist total fertig nur wegen diesem Schwabbel da. Er hat die Beziehung zerstört, weil sich Marianne in ihn verliebt hat? Marianne und dieser Schwabbel? Ich bitte euch.“

„Echt? Haha. Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.“

Plötzlich schauen mich meine Lehrerin und die andere Mitschülerin an. Ich weiß echt nicht, worum es geht. Na ja. Irgendwie ja schon, aber die Aussagen überrumpeln mich dann doch gerade. Irgendwie.

„Er hat die süßeste Beziehung ever kaputtgemacht. Bruno und Marianne sind die Süßesten. Und dann kommt der an.“

Gut, alles klar. Ich muss erstmal sortieren. Und wie sortiere ich da am besten? Klar, ich verpiesel mich. Ganz klares Ding. Ich muss wohl erstmal wachwerden und so.

Lernen ist da eine gute Ablenkung. Zwischendurch schaue ich mich immer mal wieder um. Entweder werde ich doof angeschaut und die lachen alle oder ich sehe Marianne wirklich nicht. Überall schaue ich. Auch ihr Knallkopf ist nicht da. Aber das bedeutet nichts. Was soll ich damit zu tun haben? Ich? Joshua Duvan? Die unauffälligste Person überhaupt?

Die Zeit vor der ersten Stunde ist qualvoll. Ich weiß nicht so richtig, wo ich hin soll. Entweder wird im Flur getratscht oder alle schauen mich an. Und da habe ich nichts Unrechtes getan. Ihr habt selbst gesehen, wie dieser Bruno Marianne behandelt hat. Was sollte ich also machen?

Ich frage direkt mal nach, was der Blödsinn soll. Wenn diese Kuh da schon sowas erzählt, dann möchte ich auch die Quelle erfahren.

„Kannst du mir sagen, was das soll? Hey, komm schon. Du bist doch nicht auch noch auf ihrer Seite, oder?“

„Hihi Joshua, nein. Aber du hast das Schulmädchen überhaupt ausgespannt? Wow. Dazu gehört ein ordentlicher Hintern in der Hose, hihi.“

„Ähm, wie bitte?“

Und dann legt sie wieder ordentlich los.

„Sie ist meine beste Freundin und ich sehe doch, wie fertig sie ist. Bruno hat ihr ordentlich einen erzählt. Pff. Sie sind nun mal das Traumpaar schlechthin. Dieser Schwabbel bekommt doch nicht mal eine Straßenlaterne ab.“

Eigentlich bin ich ja kurz davor, zu heulen. Ich habe mich so auf die Schule gefreut und hey, ich gestehe, dass ich Marianne wieder geholfen hätte. Aber dass die Sache so ausgeartet ist, hätte ich nie gedacht.

Also versuche ich mich zu wehren.

„Was schreit er sie auch so an? Wie schlimm muss das für sie sein? Nur weil Bruno ein Footballspieler ist, darf er seine Freundin behandeln wie Dreck, oder wie?“

„Was redest du da für einen Blödsinn? Hörst du dich reden, Schwabbelchen?“

Ihr gehen die Argumente aus, also bin ich auf dem richtigen Weg.

„Du hast eine hässliche Brille und eine Zahnklammer. Schau dich doch an.“

„Und? Dafür scheint dein IQ wohl nicht am richtigen Ort zu sitzen. Was bringt es, so hübsch zu sein und lächerlich zu wirken?“

Aber sie lacht nur. Mir egal. Ich weiß ja, dass ich im Recht bin. Aber sowas ist mir echt noch nicht passiert. Ich versuche, cool zu bleiben.

„Ist da wirklich was mit Marianne und dir?“

Nein, nicht sie auch noch. Ich habe keinen Nerv mehr auf diese Diskussion. Ich habe keine Ahnung, wer sie da ist, aber manchmal zweifle ich echt an manchen Sims. Große Töne spucken und dann irgendwann still sein. Haha. Nicht mit mir.

Also verlasse ich die Höhle des Löwen, auch wenn nur hinterherkommt:

„Na, wem gehen die Argumente jetzt aus, hmm?“

Ich ziehe mich zurück und muss darüber nachdenken, was das Mädchen da eben gesagt hat. Marianne hat sich in mich verguckt? Äh.

Ich habe ja ihre Nummer und schreibe sie einfach mal an. Frage, was denn los sei.

Als ich 10 Minuten später im Klassenraum sitze, schaue ich auf mein Handy, doch es kam noch nichts.

Ich versuche schließlich dem Unterricht zu folgen, aber das fällt nicht einfach.

Absolut nicht einfach.

In der 5-Minuten-Pause spricht mich auch ein rothaariger Mitschüler an. Eigentlich höre ich nicht richtig zu, aber irgendwie lenkt mich das dann doch ab.

„Hey, ich sehe, dass du auch Duvan mit Nachnamen heißt. Woher kommst du? Von Emily, oder?“

„Hä? Ja. Sie ist meine Mam.“

„Ah, cool. Mein Paps ist ihr Cousin. Marvin.“

„Schön.“

Ne, das interessiert mich gerade die Bohne. Ich muss an Marianne denken und überlege, was da passiert sein könnte. Wenn Bruno sie auch nur einmal ..... Verdammt. Wo gehen meine Gedanken hin?

Endlich ist große Pause. Na ja. Eigentlich auch nicht so gut, aber ich brauche sie jetzt: Meine Peperoni-Pizzarolle. Die Rettung des Tages.

Da sieht die Welt gleich wieder ganz anders aus. Yummie.

Später quatscht mich eine andere Mitschülerin voll, die vorhin auch mit bei dem Streit dabei war. Puh. Die Klamotten gehen gar nicht, aber an der Schule scheint das ja normal zu sein. Sei es drum.

„Hey, ich finde deine Aktion süß, wie du Marianne geholfen hast. Bruno hat das gebraucht.“

„Ja, schön, aber kannst du mich damit in Ruhe lassen? Geht das? Ich habe andere Probleme.“

Eigentlich ja nicht, aber das muss sie ja nicht wissen.

„Ich meine es nicht böse. Ich finde die Aktion wirklich schön. Du scheinst ein netter Kerl zu sein.“

„Äh, wirklich?“

„Na ja. Ich muss los. Wir sehen uns in der Klasse, hihi.“

Sie geht an mir vorbei und klappert so mit den Augen. Was zum Geier ist hier heute los? Ich möchte doch nur was lernen. Aufpassen und so, versteht ihr?

Bis mich dann noch die andere vollquatscht.

„Hey, Bruno ist ein Angeber und endlich hat es ihm mal jemand gezeigt.“

„Äh, ja. Cool.“

„So eine süße Aktion. Mir sollte sowas mal passieren.“

Ich hätte ja nie gedacht, dass die Oberschule so kompliziert ist. Ganz anders als im Pfadfinderverein. Was interessieren mich die Mädels? Hab nur helfen wollen und nun ja. Was soll ich sagen?

Ich versuche mich etwas zurückzuziehen, bevor es in den Unterricht geht. Marianne hat sich immer noch nicht gemeldet. Das Handy scheint aus zu sein. Und das wegen mir?

Meine Gefühle und Emotionen sind heute total Matsch. Aber so richtig Matsch. Selbst als mich diese Hochschnepfe vom Dienst noch verfolgt. Wehe, die quatscht mich jetzt an, dann hat sie aber voll eine sitzen. Oh ja. Ich kann mich wehren, wenn ich will oder sehe ich nicht danach aus?

Endlich ist die Horrorschule zu Ende. Ich möchte jetzt einfach nur nach Hause und das alles verarbeiten. Die ganze Schule ist am Reden. Mir doch egal, ob Marianne das angesehenste Mädchen ist. Sie brauchte Hilfe. Mehr nicht.

Es gibt aber auch noch nette Sims hier auf der Schule. Mit ihr da habe ich auch schon ein bisschen geredet und sie steht auf meiner Seite. Juhu. Und dann macht sie Werbung für den Schachclub? Hm, schade, dass ich dafür nicht so die Zeit habe. Wäre nämlich auch noch was.

„Hey, möchtest du nicht mitmachen? Du würdest gut in die Gruppe passen.“

„Findest du?“

„Ja, total. Du hast heute Stärke bewiesen und genau das brauchen wir bei uns im Club. Immerhin legst du dich gerade mit den Oberschnöseln der Schule an, hihi. Du hast meinen Respekt.“

„Äh, ja. Danke. Ich überlege es mir.“

Denn ich möchte einfach nur hier raus. Raus aus diesem Horrorhaus. Ab nach Hause.

Ich gehe auch direkt in mein Zimmer und möchte allein sein. Einfach nur allein sein.

Nicht darüber nachdenken, was heute passiert ist, aber hoffen, dass es Marianne gutgeht. Ich wollte doch nichts Böses. Ich habe es doch nur gut gemeint.


Es klopft an der Tür.

„Bin nicht da.“

„Kann ich reinkommen?“

Es ist Mam. Eigentlich mag ich gerade nicht reden, aber sie ist eben meine Mam.

Sie setzt sich zu mir aufs Bett und sieht anscheinend, dass es mir schlecht geht. Okay, ist auch nicht zu übersehen.

„Hey, was ist los? So schlimm?“

Also erzähle ich ihr alles und wirklich alles. Das Marianne sich in mich verliebt haben soll und das Bruno so ein Arsch ist und das die ganze Schule redet. Einfach alles.

„Mam, ich bin fertig mit der Welt. Das wollte ich nicht.“

„Ich sage nur eines dazu: Wenn das wirklich stimmt mit Marianne, dann ist das wirklich eine feine Sache. Sie beweist Mut, wenn sie wirklich ein Schulliebling ist und da kann man sehen, wo einen das Herz manchmal hinführt. Paps und ich sind auch so unterschiedlich, doch verbinden wir uns einfach wunderbar.“

„Mam, aber ich bin doch nicht in Marianne verliebt. Ich habe da gar keine Zeit zu.“

„Komm, wir gehen erstmal essen, hihi. Es gibt dein Lieblingsessen. Morgen ist die Welt wieder in Ordnung.“

„Hm, na gut.“


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