• Kucki 232

Folge 495


Schön, dass Emily morgens nun nicht mehr um 4 Uhr aufstehen muss, aber die Blase drückt dermaßen, dass um kurz vor 5 trotzdem Ende ist. Und dann noch soooo ein Hunger.

Buddy hält auch schon die Stellung. Dem Scheißer geht es besser. Zum Glück scheint man ihn schnell gefunden zu haben.

„Na du!? Was wollen wir heute anstellen, hmm?“

Da fühlt man sich gleich viel besser. Jetzt fehlt noch mehr Schlaf und dann kann man auch mit dieser Schwangerschaft leben.

Um 6 Uhr sind die Teenies am Start. Bislang sieht es ja noch ganz friedlich aus. Gut, Natalie hat gerade etwas Bammel in die Schule zu gehen, aber ihre Mam will das da mal klären. Und wenn Aurora das klärt, dann wird das auch sitzen.

Benny ist sogar mal gewillt, Frühstück zu machen. Was ist denn hier heute los?

„Muss ich heute noch ein Machtwort reden, oder hast du es verstanden? Mir ist es egal, ob ich deine Mam bin oder nicht, aber ich habe den Auftrag, mich um euch zu kümmern. Also mache ich das auch. Also? Redest du mit Doreen oder nicht? Ansonsten lass sie einfach in Ruhe, okay?“

Joshua wird wach. Emily hofft, dass es mit ihm nicht auch noch ausartet. Das wäre eine Katastrophe.

Erstmal ab zu Buddy und durchknuddeln. Die morgendliche Routine.

Emily denkt sich, dass Marc einfach mal ausschlafen soll. Er hat im Moment genug um die Ohren. Ist zwar irgendwo nett, aber er weiß auch, wie viel hier zu tun ist.

Er muss auch bald zur Schule. Vorher übernimmt er aber erstmal alles. Bisschen Zeit ist ja noch.

Hier geht es allen gut. -check-

Kind durch die Luft schmeißen. -check-

Auch Fiona möchte mithelfen. Sie ist Emily sehr dankbar für die Tabletten. Es ist fast wieder alles normal, nur dass sich manchmal alles dreht. Aber cool sonst.

„So. Mach keinen Ärger, während ich nicht da bin. Mam soll sich entspannen, okay?“

„Lieb ist.“

Draußen kann man nämlich langsam gut verweilen. Einfach mal die Seele baumeln lassen.

Während Joshua ein bisschen von der Ruhe wegnimmt, aber das passt schon. Besser, als wenn er seiner Mam nun auf dem Bauch rumtanzen möchte oder irgendwas im Schrank ausräumt.

Und dann geht auch noch das verdammte Klo kaputt. Klar. Jetzt, wo keiner da ist zum Reparieren. Aber Emily weiß sich ja zu helfen und im Nu ist nichts mehr passiert.

Etwas später kommt Aurora vorbei. Sie hat von dem Krawall gestern mitbekommen und hätte nie gedacht, dass ihre Kids so aus der Haut fahren. Es tut ihr total leid.

„Am liebsten würde ich sie ja schon alle rüberholen, aber das geht noch nicht. Natalie fragt aber, ob sie trotzdem schon bei uns wohnen kann. Aber sie müsste halt damit leben, dass wir noch kein vernünftiges Zimmer für sie hätten. Was meinst du?“

Marcs Unterricht ist bereits zu Ende. Im Esszimmer sieht Fiona, wie betrübt ihre Mam ist. Ist das wirklich wegen gestern? Oje.

Schließlich kommt auch noch ein wütender Phillip dazu. Was er da gestern über Benny gehört hat, geht unter keine Kuhhaut mehr. Der stellt sich so an, pah. Am liebsten würde Phillip auch ihn schon rüberholen. Dann weiß er mal, wie es ist, im Dreck zu leben. Und er kommt da mit seinem Kinderkram.

„Nein. Es reicht. Wir dachten, dass alles gutgehen wird und dann flippt er aus, oder was? Wo kommen wir dahin? Emily. Ich hätte dir die Kids nicht anvertraut, wenn ich nicht wüsste, dass sie so eine Show abziehen würden.“

Marc wird es doch etwas zu laut und er verpieselt sich ins Schlafzimmer.

„Hey. Ich hab alles im Griff. Keine Sorge. Ich weiß selbst, dass du gerne noch hiergeblieben wärst. Es tut mir leid und ich fühle mich irgendwie schuldig. Aber ich pack das und euer Haus wird drüben genauso schön.“

„Drüben läuft gar nichts. Nicht mal das Wasser geht vernünftig. Und dann geht immer irgendwas kaputt.“

„Hey. Wir helfen euch, okay? Wenn ihr wollt, könnt ihr hier duschen und essen. Das ist doch kein Problem. Es hat euch doch keiner hier rausgeschmissen. Und wenn das Baby da ist, dann kommen wir auch alle nach drüben und helfen euch. Auch die Kinder. Besonders Benny. Er braucht diese Abreibung.“

„Aber ihr habt doch selber so viel zu tun.“

„Nein. Nicht weiterreden. Wir packen mit an. Basta.“

Während sich Aurora darüber freut, dass es ihrer Tochter etwas besser geht. Wenigstens ein kleiner Lichtblick.

„Das musst du dir drüben mal anschauen. Ich weiß nicht, ob diese Klinik eine Klinik war oder eher eine Folterkammer. Das sah mir eher wie ein Tierversuchslabor aus. Das ist doch ekelig. So kleine Gläser standen da rum, mit Augen drin. Was war das bitte für ein Tierarzt?“

Phillip hat sich wieder einigermaßen beruhigt und schöpft langsam doch etwas Hoffnung, dass es dort einst mal schön werden wird. Sie hatten halt mit mehr Hilfe gerechnet.

„Nein, es wird schon. Wir sind einfach nur zu früh ausgezogen. Wir dachten eigentlich, das passt alles. Haben uns wohl geirrt.“

Tommy hat Sehnsucht nach Fiona und kommt sie nach seiner Vorlesung besuchen. Dieser wird erstmal gleich überfallen.

Nachdem Emily ihre 100ste Schüssel Salat gegessen hat, muss sie sich doch erstmal eine Runde hinhauen. Sie versucht ja immer alles hier zu regeln, aber irgendwann fallen die Augen dann doch mal zu.

Draußen ist aber einfach zu viel los. Also hat sich das auch wieder erledigt. Und es ist auch blöd, wenn Marc und Emily nun beide da im Schlafzimmer rumlungern. Man könnte ja sonst was denken.

Außerdem will Tommy das Baby auch mal tätscheln. Von Joshua ist er übrigens wirklich der Patenonkel geworden. Da freut er sich total drüber.

Während Marc so viel zu tun hat. Das nimmt einfach kein Ende.

Oh. Diesmal ist es kein Salat mehr, sondern direkt die harten Sachen. Emily, pass auf, dass du nachher nicht so richtig in die Breite gehst.

Benny meldet sich nach der Schule via SMS bei seiner Tante, dass er etwas später kommt, weil er noch etwas erledigen möchte. Doreen war heute nicht in der Schule und er möchte auch nicht, dass es jetzt wegen ihm ist. Er weiß ja selber, dass er in der letzten Zeit ein Arsch war.


Also macht er sich auf nach San Myshuno. Es ist nicht gerade eine gemütliche Gegend hier. Überall liegt irgendwas rum. Und wenn es nur Müll ist. Benny guckt auch 20 Mal, ob er hier auch richtig ist. Schließlich klopft er an die Tür.

Keiner meldet sich, aber die Tür ist offen. Vielleicht ist ja irgendwas passiert.

Als er so in die Wohnung schaut, kann er seinen Augen kaum trauen. Es stinkt hier total nach Zigarettenqualm. Alles ist schmutzig und nichts ist abgewaschen. Pizzakartons liegen überall rum und leere Konservendosen. Auf dem Boden liegen alle möglichen Kleidungsstücke. Selbst Slips. Hier soll Doreen wohnen?

Als er um die Ecke kommt, bemerkt er, dass der Fernseher läuft. Nur ohne Ton. Davor sitzt eine junge Frau, die wie Doreen aussieht, aber nein. Das ist sie nicht. Ist das etwa ihre Schwester? Oder ihre Mam? Auf jeden Fall registriert sie ihn gar nicht so wirklich.

Er setzt sich mal ganz vorsichtig neben diese Frau.

„Hi. Ich bin Benny.“

„Oh. Du bist der Junge, von dem Doreen immer erzählt? Schön.“

Sie lächelt kurz und widmet sich wieder diesem sprachlosen Fernseher.

Benny schaut sich noch etwas um. Irgendwie ist die Frau gar nicht so richtig da. Was für eine hässliche Gegend hier. Jetzt muss er wirklich mal den zimperlichen Teenager raushängen lassen. Das ist absolut nicht schön hier. Und es stinkt total. Haben die überhaupt 'ne Waschmaschine?

„Wo ist denn Doreen?“

„Schläft.“

„Und wo soll das sein?“

„Da.“

Sie zeigt auf eine Tür direkt neben dem „Wohnzimmer“.


Er klopft, like Gentleman, an.

„Wer, wer ist da? Ich, ich schlaf doch.“

„Benny.“

„Oh, shit. Benny?! Äh. Verdammt. Nein. Warum? Ich.“

„Darf ich reinkommen?“

„Ähm. Nein. Geh besser wieder, okay?“

Doch er macht die Tür auf. Doreen ist gerade dabei, sich hastig wieder anzuziehen. Oh nein. Wenn er dieses Schlafzimmer sieht, dann dreht er doch erst recht um. Hier sind die Klamottenberge sogar noch größer, als da draußen. Und überall Staub und Dreck und es stinkt eben. Benny bekommt ganz große Augen und Doreen schämt sich gerade übelst. Wie wird er reagieren? Wird er sie nun wieder anschnauzen und gehen? Doch der Junge bleibt einfach nur ruhig stehen.

„Du schläfst mit dieser Frau da in einem Bett?“

„Die Frau ist meine Mam. Ich. Oh, man. Das ist mir peinlich.“

Doreen zieht sich ihr T-Shirt an und setzt sich vor die epische Glotze. Benny setzt sich sprachlos mit dazu. Die Teenagerin beobachtet ihn auch ganz genau. Geht er gleich?

„Wollen wir einen Kakao trinken gehen? Hast du Lust?“

„Was? Nein. Ich geh doch jetzt nicht so raus.“

„Warum nicht?“

„Hmpf. Okay. Ich geh mich nur kurz waschen und sowas. Ich ähm.“

Benny versucht derweil ein Gespräch mit ihrer Mam anzufangen, aber sie sagt nichts. Ist sie überhaupt gerade anwesend? Wenn er sich dieses Teil da in der Ecke so anschaut, glaubt Benny das nicht so ganz.


Doreen braucht gut eine halbe Stunde im Bad, doch danach hat sich ihr Gesamtbild trotzdem nicht so wirklich geändert. Aber gut. Sie riecht schon mal nach. Hm. Toilettenduft? Auf jeden Fall nicht mehr nach diesem komischen Muff.

Also auf nach Windenburg, wo Benny die ganze Zeit von einer anderen Teenagerin angestarrt wird.

„Was ist los? Nichts zu tun?“

Einige andere fragen wiederum, ob er da mit dieser stinkenden Mülltonne ein Date hat. Das kratzt den Jungen aber gerade überhaupt nicht.

Er setzt sich zu Doreen an den Tisch. Sie würde aber lieber gerade im Erdboden versinken. In der Schule ist sie ja schon froh, dass sie die Zwillinge um sich hat. Und Annika.

Und nun sieht man sie auch noch mit Benny.

„Warum ist das bei euch zuhause so?“

„Ist das okay, wenn ich hier nicht drüber reden möchte? Sorry. Und außerdem ist es egal. Es ist, wie es ist.“

„Willst du was trinken? Ich spendier dir einen.“

„Nein, danke.“

Schließlich stellt er Doreen doch eine Tasse heißen Kakao vor die Nase. Erst möchte sie ihn nicht trinken, doch ihre Blicke sagen was anderes.

Benny weiß gar nicht so richtig, wo er anfangen soll, außer, dass es ihm wahnsinnig leidtut, dass sie unter seinen Phasen leiden musste. Er erzählt ihr, dass er auch früher mal so leben musste. So viel hat er zwar noch nicht davon mitbekommen, aber in Sulani muss man jetzt nur an die Zelte und dem dreckigen Wasser denken. Die ganzen Bilder reichen ihm schon, die man aus dieser Zeit geknipst hatte. So will er nie leben. Deswegen versteht er seine Eltern nun nicht, dass sie einfach da so in dieses Drecksloch gehen können.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr auch mal so gelebt habt. Du bist ein ziemlich ordentlicher Junge.“

„Zusammenhalt.“


Benny und Doreen haben mittlerweile ihre dritte Tasse leer. Langsam drückt die Blase. Während der Teenager auf dem Pott sitzt, versucht sich Doreen zu zwei Mitschülerinnen zu setzen. Sie wird aber nur schräg angeschaut.

Als sie dann noch ein Gespräch mit den beiden anfangen möchte, verdrehen sie nur die Augen und wollen gehen. Bis sich Benny da hinsetzt. Beide versuchen, mit ihm zu flirten.

Als der Junge schließlich mit Doreen abzischt, schauen die Mädels nicht schlecht. Wie kann er nur mit dieser Stinkbombe was zu tun haben?

Er fragt sie, ob sie nicht Lust hat, eben noch mit reinzukommen oder ob er sie zumindest nach Hause bringen soll.

Erst möchte sie gehen, als sie von außen wieder dieses Haus sieht. Was soll sie hier? Sie gehört nicht in diese Gegend. Das ist peinlich. Schließlich überredet Benny sie dann doch noch. Es ist ja trotzdem hier so schön und so gemütlich. Vielleicht darf sie hier ja auch mal duschen? Das wäre eine Wohltat. Einfach nur mal ordentlich eincremen und sich wohlfühlen.


„Warum hast du das gemacht? Ich bin erstaunt.“

Marc ist immer noch an seiner Präsentation dran. Joshua möchte gerne in seiner Nähe sein. Sonst sieht er ihn heute ja gar nicht mehr. Wäre ja auch blöd.

„Moment. Benny ist echt mit dir nach Windenburg gegangen? Dieser Benny da?“

„Hihi, ja.“

Doch der Teenager verdreht nur seine Augen. Ist doch sein Problem, was er macht.

Tommy ist sogar auch noch hier. Er beobachtet Fiona ganz genau und freut sich, dass es ihr anscheinend wirklich besser geht. Doch, diese Tabletten mögen vielleicht das Problem unterbinden, aber weg ist es davon jetzt ganz bestimmt nicht.

Vorsicht, Fiona. Nicht, dass du noch eifersüchtig wirst.

Marc hat genug von heute, mit dieser Präsentation. Er wartet immer noch auf seine Zusage für die Uni. Wird langsam mal Zeit. Den kleinen Stinker bringt er trotzdem ins Bett. Seine Verantwortung hier darf er nicht vergessen. Es muss ja Geld in die Kasse kommen.

Emily bietet Doreen an, sich etwas zu essen zu machen. Sie wundert sich, dass sie nur mit einem blöden trockenen Milchbrot zurückkommt. Da ist doch noch viel mehr im Kühlschrank. Soll sie sich doch bedienen.

„Boah, ist das lecker. Hast du das selbst gebacken?“

„Hi. Alles klar?“

Etwas später kommt Nadine noch vorbei. Sie hat es wohl nicht so ganz geschafft, aus der Gang auszutreten. Die Truppe soll ja eigentlich auch ganz friedlich sein. Gute Kumpels halt, die gerne mal einen zusammen zischen.

Emily ist eigentlich mal sehr gespannt auf Nadine. Leider ist sie um 18 Uhr schon so müde, dass sie nicht mehr auf den Beinen stehenbleiben kann. Puh. So schlimm?

„Dann schlaf gut. Ich lieb dich.“

„Hey. Du so spät noch hier?“

„Gibt es 'nen Problem damit?“


Später im Esszimmer erfährt Marc den Grund.

„Wir gehen halt gleich einen trinken. Dachte, ich guck mal bei dir vorbei und so. Paps fängt wieder an zu spinnen. Ich dachte, er hätte sich geändert. Dem ist wohl nicht so. Er ist letztens wieder mit irgendso ´ner Tussi ins Bett gehopst. Boah, ich könnte kotzen. Ich dachte, es könnte sich langsam mal alles beruhigen, aber neeein.“

Während im Wohnzimmer der epische Kaminkanal geschaut wird. Heute kann Doreen doch mal kurz lachen.

Tommy fragt, ob er heute Nacht hierbleiben kann. Er möchte Fiona einfach nicht mehr allein lassen. Nachher bekommt sie einen Anfall und keiner ist da.

„Hey, hör zu. Schwesterherz. Ich werde mal mit ihm reden. Vielleicht können wir uns ja einfach mal alle zusammensetzen und aussprechen. Nadine, ich finde es zwar toll, dass du da in dieser Gang bist, aber ich muss gestehen, dass das nicht gerade du bist. Du und kiffen? Nein. Ich muss mich aber erstmal um meinen Kram kümmern, dann wird es wohl mal Zeit.“

„Ich habe manchmal das Gefühl, dass du der einzig Normale bei uns in der Familie bist.“

„Möglich.“


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