• Kucki 232

Folge 5 - Es ist doch alles gar nicht so schlimm


 

Zweite Winterwoche: Sonntag und Montag

Geburtstage: keine

Events: keine

 

Emilio hat langsam absolut keine Lust mehr. Er ist schon früh auf den Beinen. Die Matratze ist so ungemütlich, da möchte bestimmt nicht mal eine Laus drauf schlafen. Es reicht ihm langsam und er geht schnurstracks nach draußen, um die Schneemänner von gestern zu zerstören.

„Ihr blöden Schneemänner. Du blödes Haus. Pah. Nie wieder. Ich mache gar nichts mehr. Ekelig. Ich hasse meine Familie.“ Voller Wut tritt er gegen die Schneemänner. Irgendwo muss das jetzt raus. Dabei schreit er richtig laut. Also wenn davon keiner wach wird, dann weiß man auch nicht.

„Aaaaaah. Ich hasse dich.“

Nur sein eigener Schneemann darf stehenbleiben. Das ist sein bester Kumpel geworden. Er hört ihm wenigstens zu.

„Weißt du? Ich will hier ja gar nicht wohnen, aber ich muss das ja. In Brindleton ist es viel schöner. Hier ist nur ekeliger Schrott. Wer wohnt hier schon? Ich ziehe bald mit dir in die Stadt, wenn du möchtest. Dann mieten wir uns ein Appartment und dagegen kann keiner was machen.“

Joshua wiederum hat verstanden, dass motzen nichts bringt. Er packt ab sofort lieber mit an, damit es schnell ein schönes Haus werden kann. Raus aus dieser stinkigen Hütte. Nur wegen seines neuen Geschwisterkindes ist er immer noch etwas maulig.

Ein kleiner Traum von dem ältesten Kind geht heute nämlich trotzdem in Erfüllung. In Brindleton Bay hätte man niemals den Platz für Tiere gehabt. Nun wohnt die Familie zwar nicht in Henford, aber Tiere passen hier trotzdem gut hin. Vielleicht kann man bald ja auch Muffin wieder mit dazuholen? Hühner haben schon einmal ihren Platz gefunden. Da wird Joshua Augen machen.

Emily und Marc schicken den Jungen nach draußen, damit er sich alles anschauen kann. Er ist total aus dem Häuschen. Ab sofort ist es der schönste Ort auf der ganzen Welt. Marc baut derweil die Ställe weiter aus. Die Tiere sollen es schön haben. Heu und sowas muss ja auch noch alles gekauft werden.

Die jungen Erwachsenen wollen es ihren anderen Kindern bald auch noch beichten, dass ein weiteres Geschwisterkind im Anmarsch ist. Jetzt wäre noch nicht der richtige Zeitpunkt. Vor allen Dingen nicht bei Emilio. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Also klimpern die Kleinen so vor sich hin und warten darauf, dass sie bald in einem cooleren Bett schlafen können.

Doch Emilio streikt weiterhin.

Bis Marc und Emily den Startschuss geben. Die Bauarbeiter haben eben die letzte Blume zurechtgerückt und das letzte Bett ins Zimmer gestellt. Die Duvans können ab heute schon provisorisch im neuen Haus wohnen. Emily hat mit Sven geredet, dass ein sechstes Kind im Anmarsch ist. Nach einigen lustigen Sprüchen wie „Waren bei Simsaldi alle Lümmeltüten ausverkauft?“, hat er jedoch den Ernst der Lage verstanden und nun knüppelt seine Firma noch härter, damit die Duvans sich schnell in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen.

Die Kids sind ganz aufgeregt und einer nach dem anderen folgt der großen weißen Treppe.

Das Wohnzimmer ist neben der Küche der einzige Raum, der schon fast komplett fertig ist.

Nebenan steht ein großer weißer Esszimmertisch. Die drei wichtigsten Räume sind wieder wunderbar miteinander gekoppelt.

Marc muss heute noch fix los, um diesen Bademeister zu beschatten. Er hat um 20 Uhr immer Feierabend und mal schauen, ob er nicht vielleicht doch noch etwas länger im Schwimmbad bleibt, als eigentlich vorgesehen. Doch aktuell passiert nichts.


Als der junge Vater schließlich wieder nach Hause kommt, muss ein Bericht geschrieben werden.

Am nächsten Morgen sind die Duvans schon früh auf den Beinen. Heute hat sich ein kleiner Hilfstrupp angemeldet, damit die Familie schneller vorankommt. Sven musste die Bauarbeiter leider langsam abziehen lassen, da die Firma boomt vor lauter Aufträgen. Dafür möchte der Chef persönlich noch mit anpacken. Und nicht nur er hat sich angemeldet.

Marc macht eben noch klar Schiff, bevor es losgehen kann. Er möchte sich heute um die Windanlagen kümmern, damit der Strom selbst produziert werden kann.

Tanvi ist auch direkt am Start. „Die Duvans müssen ja Geld haben“, denkt sie sich. Gefühlt ziehen sie ja irgendwie auch jede Woche um. Aber das hat hoffentlich mal ein Ende. Wie soll man ein Haus der Generationen aufbauen, wenn es schon so viele davon gab?

Die Schulkinder gehen in die Schule, während die Kleineren im warmen Haus bleiben. Es dauerte etwas, bis frisches Wasser freigeschaltet wurde, aber jetzt können die Duvans auch mal endlich wieder ordentlich duschen und baden.


Sven trudelt ein. Heute ist er mal mehr als pünktlich. Viele Möbel müssen noch an Ort und Stelle gerückt werden. Seine Firma hat bereits die mobile Schrottbude abgeholt.

Der große Bruder von Emily und der beste Freund von ihr und Marc trudeln ein. Ihre Launen sind recht bedrückt. Hoffentlich aber nicht, wegen des Umzuges oder sowas. Sie haben sich ja immerhin freiwillig gemeldet.

Der andere Bruder von Emily und ihr Cousin trudeln ein. Phillip ist etwas mies drauf, da sein Onkel verstorben ist. Und zugleich der Vater von dem Rotschopf neben ihm. Es ist aber eine gute Ablenkung, hier heute zu helfen.

Kann es ja losgehen. Sven macht sich mit dem Lockenkopf Valentino auf, die Möbel hochzubringen, während Phillip und Steven die Wand im Flur renovieren. Marc startet, wie geplant, bei den Windanlagen. Jeder ist in seinem Element. Emily wiederum kümmert sich um die kleinen Pupser. Sie ist eh mittlerweile im dritten Trimester. Da soll sie bloß keine schweren Möbel mehr schleppen. Zwischendurch pinselt sie aber hier und da noch etwas mit.

Bald können auch hier neue Geschichten erzählt werden, so wie Familienpartys steigen. Platz ist für alle genug da.

Tommy kommt zu Marc runter und lässt seinem Frust freien Lauf: „Ich wollte mit Fiona in den Urlaub fahren, aber meinst du, wir haben was Gescheites bekommen? Über Weihnachten wollte ich mit ihr in eine schöne Hütte, aber nö. Alles schon weg. Ich fahre mit ihr doch nicht in so eine Kakerlakengegend.“ Während Phillip eigentlich den Haufen Schrott wegschmeißen wollte. Damit spielen macht dann wohl mehr Spaß. Ja, gut. Man kann ihn verstehen. Marco kam gerne bei Phillip vorbei und sie haben viel geredet. Und jetzt, wo er nicht mehr da ist, fehlen seine Besuche. Emily wiederum hatte nicht mehr so viel Kontakt mit ihm.

Und dann kommt auch noch der verspielte Sven mit dazu. Hey, da oben spielt die Musik. Es muss noch viel gemacht werden. Spaß muss trotzdem zwischendurch sein.

Marc schaut nach, ob Emily irgendwas braucht. Sie würde sich gerne eine Weile hinlegen. Also macht der junge Vater die Kids für draußen startklar. Das Wetter ist hervorragend, um sich zu beschäftigen.

Bis Madleen ihre Brüder zusammentrommelt. Sie hat nämlich was entdeckt.

„Mama dicke Bauch hat. Immer hat, wenn Paket kommt. Postbote klingelt. Baby kommt?“

Kombinieren kann die Kleine ja schon ganz gut.

Joel meint schließlich: „Kein neues Paket will. Müsst zurück schickt und helft mit.“

Pläne werden geschmiedet. Wie viele Pakete sollen denn auch noch kommen? Die Kinder haben genug Geschwister.


Phillip, Steven, Sven und Tommy sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Heute haben sie zwar nicht wirklich viel geschafft, aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Sie helfen mit, bis alles fertig ist. Und dann wird es Zeit für eine Einweihungsparty.

Am Abend liegt auch noch eine andere wichtige Sache an. Zwar ist Joshua ja schon eingeweiht, aber die anderen sollten es auch langsam wissen, dass Emily schwanger ist.

Madleen meint nur darauf, dass sie ja recht hat mit dem Paket und sie nun richtig schlau ist. Niklas und Joel stellen klar, dass das Baby nicht in deren Zimmer schlafen darf und Emilio ist da etwas schwieriger.

„Mam, das ist nicht witzig. Du hast gesagt, das geht nicht mehr, also hast du mich ja angelogen“, kommt bei ihm schon fast wütend raus. „Ich dachte auch, dass es nicht mehr geht. Aber es ist nun mal so. Bitte sei nicht sauer.“

„Nein, Mam. Du hast es mir versprochen und du lügst. Immer lügst du mich an. Ich hasse das Baby und ich will das nicht.“

Dieses Gespräch geht bis zum Abendbrot. Emily verzweifelt schon langsam und deutet Marc an, dass er es doch lieber mal regeln sollte.

„Hör zu. Es ist unfair, wenn du jetzt behauptest, dass deine Mam lügt, okay? Auch ich habe schuld. Wir beide haben schuld. Bin ich für dich denn jetzt auch ein Lügner?“

„Aber, aber.“ Und schon weiß Emilio nicht mehr, was er sagen soll.

„Akzeptiere es. Es ist trotzdem nichts Schlimmes, okay? Ihr kommt doch gut miteinander aus.“

„Niklas ist eine Petze und ich hasse Petzen. Er lügt immer und ihr glaubt das alle.“

„Nein. Wir glauben dir doch, aber hör auf, dir immer irgendwas einzubilden. Niklas bekommt schon ständig Schimpfe, wenn er wieder petzt.“

Die Familie kommt zu ihrem Fernsehabend zusammen. Jeder mit seinen eigenen Gedanken. Jetzt freut man sich, dass man schon im Haus schlafen kann, doch das Baby ist total hinderlich. Wer will dieses schreiende Etwas denn haben? Die Kinder sind sehr bedrückt.

Joshua möchte mit seinem Paps doch einfach nur mal angeln gehen, aber dafür hat er einfach keine Zeit mehr. Oder es kommen die kleineren Geschwister ständig dazwischen und schon ist nichts mehr mit diesen Plänen. Emilio fällt immer mehr in der Schule auf. Heute soll er ein Klo mit ziemlich vielen Klorollen zugestopft haben. Man kommt schnell dahinter, dass er das war. Seine Eltern müssen in der Schule anrücken.

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