• Kucki 232

Folge 52 - Was ist mit Marianne?


 

Zweite Herbstwoche: Sonntag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Joshua

 

Heute bin ich nicht so gut drauf, da ich mir langsam doch keine schönen Gedanken mehr wegen Marianne mache. Ich habe immer mehr den Drang danach, zu ihr zu gehen.

Aber erstmal muss ich mich um die Probleme meines Bruders kümmern, da er etwas nervös auf die Oberschule ist.

„Hast du da eigentlich ein Mädchen mit schwarzer Mütze gesehen und sexy schwarzer Jacke, mit bauchfreiem Top und so?“

„Äh, ne. Ich denke nicht.“

„Schade. Bin nämlich voll verliebt, weißt du?“

„Äh, das ging ja schnell.“

In dem Moment kommen meine anderen Geschwister zum Frühstück gedackelt. Mädchen mit schwarzer Mütze? Hm, nein.

Ich gucke immer wieder auf das Handy und hoffe immer mehr, dass sich Marianne meldet. Seit Tagen kommt gar nichts und so krank kann man doch nicht sein, dass man so miese Sachen schreibt oder gar nicht auf das Handy guckt. Mädchen in dem Alter können doch nicht ohne ihr Handy, wenn ich mir das in der Schule so anschaue.

Es mag vielleicht Fake sein, dass sie in mich verliebt sein soll, aber das ist mir egal. Ich mache mir trotzdem Sorgen. Wenn ich noch so an Bruno denke, wie er sie angeschrien hat. Boah. Deswegen habe ich bei uns im Chat mal rumgefragt, ob jemand die Adresse von Marianne kennt. Hoffe, da meldet sich jemand. Wir sind da unter uns. Bekommt also keiner mit. Ich vertraue meinen Freunden.

Bis Mam noch dazukommt.

„Du hast aber morgen einen Blick auf Emilio, okay? Nicht, dass er da Blödsinn macht.“

„Mam, was soll ich da anstellen? Will erstmal die Lage checken, okay?“

„Ja, kann ich machen, aber ich denke, er kommt da schon klar. Hoffe ich.“


Ich ziehe mich an und füttere draußen die Fische. Ich muss gleich unbedingt mit Paps sprechen.

Marcel ruft mich an und er hat sogar Neuigkeiten. Er kennt die Adresse von ihr und gibt sie mir direkt. Wie schön.

Jetzt muss nur noch Paps Zeit haben. Ich möchte ihn einfach dabei haben, weil ich nicht weiß, was mich dort erwartet. Immerhin ist es alles meine Schuld, dass sie nicht in der Schule ist. Meine Schuldgefühle quälen mich auch immer mehr. Manchmal soweit, dass ich Angst habe, dass Bruno sie umgebracht haben könnte, oder so. Das ist absurd, aber ich schließe langsam gar nichts mehr aus.

Paps setzt sich zu mir und hört das Gespräch mit Marcel mit.

„Ja, mal schauen. Danke für den Tipp mit dem Paps. Fies, dass er so streng sein soll. Egal. Danke dir nochmal. Bis später.“

Ich schaue Paps an und er möchte sofort wissen, was Sache ist.

„Geht es um Marianne? Ich habe herausgefunden, dass ihr Vater öfter in Oasis Springs unterwegs ist. Soll ein Jäger sein, oder sowas.“

„Paps, mich macht das nervös. Jetzt glaube ich nicht nur, dass Bruno ihr was angetan haben könnte, sondern auch ihr Paps. Marcel kennt sie von früher und sie haben zusammen gespielt. Bis eines Tages der Kontakt von heute auf morgen abgebrochen ist. Das ist traurig. Erst seit einem halben Jahr haben sie wieder Kontakt.“

„Na, du hast doch die Adresse. Dann fackeln wir nicht lange und fahren dahin. Dann werden wir vielleicht schon was rausfinden. Müssen ja nicht rumschnüffeln. Einfach unauffällig das Haus beobachten.“

Jetzt, wo Paps den Vorschlag gemacht hat, ist mir noch mulmiger. Nachher finden wir eine Leiche oder sowas. Sie soll mit ihrem strengen Paps ja allein wohnen. Puh, das wäre übel.

Mein Paps beruhigt mich aber und nimmt mir die schlimmsten Befürchtungen. Er hat schon viel gesehen, aber sowas noch nicht.

Na gut. Dann auf nach Willow Creek. Hier wohnt Marianne nämlich. Es ist trocken hier und noch recht mild. So wie bei uns im Moment. Weit mussten wir auch nicht und sind zu Fuß gegangen.


Schließlich kommen wir nach einem kleinen Fußmarsch in der besagten Straße an. Schöne Gegend hier.

Ich muss immer wieder dolle schlucken und schüttle mich. Es ist schon komisch, wegen eines Mädchens solche Angst zu verspüren. Warum musste ich auch den Helden spielen? Das kommt jetzt dabei rum. Und dann rauschen die Autos hier nur so vorbei. Idiot. Kann der nicht aufpassen?

Aus der Ferne sehe ich das Haus von Marianne. Zumindest müsste es das sein. Da vorne war eben noch Hausnummer 23, also muss dann ja gleich 25 kommen. Da bin ich gespannt.

Ich schaue von Weitem in ein Haus mit riesen Fenstern. Sehr offen gehalten. Vielleicht erhasche ich ja irgendwas. Aber nichts. Selbst Paps schaut durch die großen Fenster.

„Wir sollten uns nicht zu auffällig verhalten, da man dich eventuell erkennt. Das wäre nicht klug. Lass uns da vorne hinsetzen und schauen, was passiert.“

„Warten? Paps, ich möchte verstehen, was da los ist.“

„Ja, und genau deswegen ist es unklug, sofort blind reinzulaufen. Du weißt nicht, was passiert. Wir warten ab, okay?“

Paps hat am meisten Ahnung und er weiß, was er tut. Also bin ich überzeugt und wir setzen uns auf eine Bank etwas weiter weg. Die Augen sind auf das Haus gerichtet.

Es vergeht gut eine halbe Stunde, doch es tut sich nichts im Haus. Na ja. Wenn sie da zu zweit wohnen, dann ist da ja wirklich kein weltbewegendes Ein und Aus. Es sei denn, es ist Besuch da. Aber nichts. Ich werde langsam ungeduldig.

„Kann ich wenigstens da vorne am Zaun mal schauen? Ich bin auch vorsichtig.“

„Paps, ich möchte jetzt aber wissen, was los ist. Warum kann ich nicht einfach klingeln? Was soll mir den passieren? Ich bin halt nur ein Mitschüler, der Hausaufgaben vorbeibringen möchte. Was ist dabei?“

Jetzt bringe ich ihn doch etwas zum Nachdenken.

„Okay, du hast recht. Wir werden ja die Reaktion sehen und dann kann man immer noch entscheiden, was wir machen.“

Mein Paps ist mit seiner Entscheidung noch nicht so zufrieden, aber wir müssen ja auch abwägen, dass vielleicht gar nichts ist und Marianne wirklich nur krank ist. Gleich werden wir es wissen.

„Kommst du, Paps?“

„Äh, ja.“

Also gehen wir ganz normal zur Eingangstür. War ich halt mit Paps gerade rein zufällig in der Gegend spazieren. Klingt doch plausibel.

Plötzlich geht dort die Tür auf und Marianne stürmt raus. Wow, wirklich? Aber sie lebt noch. Da fällt mir gerade ein Stein vom Herzen. Aber so wie sie rennt, kann sie auch nicht schwerkrank sein. Das fällt Paps auch sofort auf.

Sie hat es richtig eilig.

Und nimmt mich in den Arm? Was? Huch? Jetzt bin ich doch etwas baff.

„Ich bin so froh, dass du hier bist. Aber du darfst nicht bleiben. Geh bitte. Das ist besser.“

Das klingt wirklich nicht nach mieser SMS. Würde sie mich sonst so überfallen?

„Warum? Was ist los? Warum hast du mir solche SMS geschrieben? Tut dir Bruno weh? Oder dein Paps? Ist das alles meine Schuld?“

Ich habe so viele Fragen, aber Marianne schaut immer wieder nach hinten und ist sehr aufgewühlt.

„Ich würde dir nie solche SMS schreiben. Immerhin hast du mir den einen Tag das Leben gerettet. Bruno ist ein Widerling. Ich kann aber jetzt nicht mehr reden. Ich muss rein. Sonst bekomme ich Ärger.“

Selbst Paps wird jetzt hellhörig.

„Wenn dir jemand wehtut, dann kann ich dir helfen. Ich habe Kontakte und bin Detektiv. Du brauchst keine Angst haben.“

Marianne wird immer nervöser. Was verbirgt sie nur?

„Ich komme schon klar, aber Joshua sollte sich fernhalten. Das wird Ärger geben und das möchte ich nicht.“

Sie redet immer mehr in Rätseln. Ich sehe, wie eine andere Person aus dem Haus rennt. Ihr Vater? Der hat es ganz schön eilig.

„Hey. Aufhören. Ich hab dir gesagt, du sollst drinbleiben. Kannst du nicht hören?“, ruft die Stimme in einem richtig fiesen Ton.

„Joshua, es tut mir leid. Ich muss rein.“

Der Mann bleibt neben uns stehen und schaut alle mit einem finsteren Blick an. Paps schaut aber auch nicht schlecht. Tja, er sollte sich nicht mit ihm anlegen. Im Handumdrehen liegt er auf dem Boden.

„Verlassen sie sofort mein Grundstück. Aber Dalli“, sagt er mit leiser, knurrender Stimme.

„Aber, ich.“

„Verschwinden sie.“

Das macht mir erst recht Angst und Paps ist gerade auch total mittellos. Es wäre zu einfach gewesen, einfach nur zu klingeln und zu fragen, ob Marianne da ist. Aber ihr Vater hat uns gezeigt, was für ein Fiesling er ist. Jedes Mal, wenn wir was sagen wollen, kommt er mit einem lauten „Verschwinden sie“. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu gehen.

Ich bleibe stehen und drehe mich nochmal um. Ich kann Marianne doch nicht einfach so da stehenlassen. Warum kann ich ihr nicht helfen? Langsam verzweifle ich.

„Hey, Großer. Komm mal her. Ich werde der Sache auf den Grund gehen. Da verlass dich drauf. Wir haben jetzt gesehen, dass Marianne alles andere, als dich nicht sehen möchte. Wir kriegen das hin“, sagt er zu mir und nimmt mich in den Arm.

„Danke, Paps.“

„Lass uns eben noch was essen und runterkommen. Dann gehen wir nach Hause und ich schaue in den Akten mal nach, ob ich was finde. Jetzt habe ich ja eine Adresse. Der Mann ist ganz schön bedeckt. Alles, was im Internet kursiert, ist so schwammig.“

„Ja, Paps. Gute Idee. Ich brauche gerade 5 Hamburger plus ganz viel Ketchup. Sonst heule ich gleich.“

Paps klopft mir auf die Schulter und gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Nur, wenn ich morgen an die Schule denke. Wer weiß, was mich dort erwartet? Vielleicht ist Bruno da und … Oh, nein. Da möchte ich jetzt nicht dran denken.

Wir holen uns was zu essen und düsen wieder ab nach Hause.

In Windenburg angekommen, nimmt Paps mich erneut in den Arm und versichert mir, dass alles gut wird.

„Bislang habe ich 95% der Fälle gelöst. Warum sollte das bei diesem nicht auch so sein?“

„Ja, da hast du recht. Danke, du bist der Beste.“

„Dank mir nachher. Zu früh danken bringt Unglück.“

Ich verkrümel’ mich sofort in mein Zimmer und denke nach. Manchmal fließt sogar eine Träne. Es ist alles meine Schuld. Marianne hätte nie dieses Problem gehabt, wenn ich mich nicht eingemischt hätte.

Huch? Was ist das? Als meine Hand gegen die Seitentasche meines Pullovers kommt, bemerke ich etwas darin. Aber eigentlich dürfte da doch nichts drin sein. Als ich hineingreife, bemerke ich einen kleinen Zettel. Ich habe nie was in meiner Tasche, außer mal meine Hände zum Wärmen.


Bitte hilf mir!


Marianne steckt wirklich in Schwierigkeiten? Hält ihr Vater sie etwa fest? Ist er der Draht zu allem?

Ich zeige Paps den Zettel und jetzt schlagen die Alarmglocken so richtig bei ihm. Er setzt sich sofort an den Rechner und recherchiert. Er möchte noch nichts überstürzen. Wie er schon sagte:

„Man soll nicht durch die Vordertür stürmen.“ Noch gibt es auch keine genauen Beweise, außer der Zettel. Und Marianne tut er wohl auch nicht weh. Sie sah unverletzt aus.


Trotzdem versuche ich mir nichts anmerken zu lassen und bleibe für meinen kleinen Bruder stark. Wenn Paps etwas Neues hat, dann wird er das schon schaukeln. Er ist der beste Detektiv aller Zeiten.

Jetzt kümmere ich mich erstmal um Emilio, der morgen seinen ersten Schultag hat. Und dieser soll nicht so fad werden wie meiner. Obwohl der ja noch in Ordnung war. Nur was danach kam, ist einfach nur die Hölle.

„Und? Bist du bereit für die Oberschule?“

 

Zum Schluss noch ein Outtake-Foto von Emilio. Auch wenn er das übliche Duvan-Gesicht hat, finde ich, dass seine Augenform, die von Marc ist, was mal richtig gut rüberkommt.


0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen