• Kucki 232

Folge 520



Marc hat pünktlich um 2 Uhr Feierabend. Vor dem Haus war gähnende Leere. Nichts. Da kam ja nicht mal eine Motte vorbei. Aber gut für Marc, denn er konnte in seinem besonderen Fall etwas recherchieren. Sein Ziel ist es, herauszufinden, wer dieser Mann ist. Aber er stößt immer auf Nieten.

Er war noch zu klein, um richtig zu verstehen, was im Hause Molina passierte.


Am nächsten Morgen steht Emily einigermaßen gutgelaunt auf. Das Krankenhaus macht ihr etwas Kummer. Immerhin hat sie bislang Hausgeburten gehabt und dann muss sie mal ins Krankenhaus. Das Essen ist bestimmt eklig dort und so.

Und dann fällt ihr auf, dass sie doch lieber wieder ins Bett möchte. Meh. Der Tag ist meh. Punkt.

Aber irgendwann schafft sie es trotzdem einmal, sich anzuziehen und kaltes Wasser durchs Gesicht zu zischen. Da sieht die Welt gleich ganz anders aus.

Herr Emilio hat jedoch Extrawünsche.

Da könnte Marc eigentlich locker noch pennen. Gut. Es ist mittlerweile 9 Uhr, aber so fit ist er trotzdem noch nicht. Sein Kopf raucht viel.

Während Marc am Frühstücken ist, schaut Emilio ihn die ganze Zeit nur an. Irgendwie dreckig und manchmal irgendwie hmm. Kann man bei dem Kleinen nicht so schnell herausfinden, wie er drauf ist. Verarscht er einen gerade nur oder möchte er wirklich was?

„Und? Bei dir alles gut? Schön geschlafen? Was macht das Baby?“

„Schläft wohl noch, hihi.“

Marc hat heute frei. Mehr Zeit für die Familie. Und: Über seinen Fall nachzudenken. Marc ist gerade bei dem Gedanken, wo denn eigentlich früher seine Großeltern waren? Tanya hat die beiden ja recht jung bekommen, aber das konnte sie doch ganz bestimmt nicht allein stemmen und sie hat niemals so jung schon allein gelebt. Später ist sie ja mit den Kids woanders hin. Das weiß er noch. Das ein und aus der Männer hatte ein Ende. Irgendwie kam gar keiner mehr, hmm. Alles sehr verwirrend.

Marc baut für klein Emilio gerade unbewusst die schönste Spielwiese aller Zeiten.

Während Emily sich Besuch ins Haus holt. Sie hat ihre besten Freunde schon eine Weile nicht mehr gesehen. Das muss sich ändern.

„Hey, Großer.“

„Hey. Stimmt das also wirklich, dass du schwanger bist? Emily? Du bist ja echt eine Granate, haha. Wow.“

„Es freut mich aber, dass es euch hier soweit gut geht. Zwischen Fiona und mir kriselt es etwas. Ich weiß nicht, was sie hat. Plötzlich hat sie Stimmungsschwankungen.“

„Vielleicht ist sie schwanger. Hihi.“

„Neeeein, niemals.“

„Ihr habt noch nicht?“

„Nö, weil ich es Phillip versprochen hab. Aber das ist doch egal. Sie motzt mich nur an.“

„Soll ich mal mit ihr reden?“

„Und was soll das bringen? Dann motzt sie dich an. Sie motzt irgendwie jeden an im Moment.“

„Was ist hier los? Miese Stimmung? Kommt schon. Lacht mal.“

Annika ist ebenfalls mit am Start. Kann die lustige Runde ja beginnen.

Marc bekommt einen Anruf von Valentino, dass er ganz dringend vorbeikommen muss. Er hat da was gefunden. Sehr schön. Geht es endlich weiter im Fall Tanya?

Drinnen ist ja gut für Ablenkung gesorgt. Keiner braucht das mitzubekommen. Top Secret und so.

Die Postbotin kann sich auch schnell wieder verpieseln. Gibt ja eh nur blöde Rechnungen. Heute hat sie aber kein Baby dabei, haha.

Valentino trudelt ein.

„Also, bevor du irgendwas sagst und so: Ich muss herausfinden, wer dieser Mann ist. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich habe das Gefühl, dass der Typ damit zu tun hat. Ich habe ihn schon mal wiedergesehen, vor einigen Jahren. Irgendwie, irgendwo. Ich weiß nicht, wo. Entweder bin ich doof, oder er war bei uns in der Kanzlei.“

„Nur heute hat er mehr graue Haare. Bart und sowas. Keine Ahnung. Schleimer. Der sieht aus, als wenn er sich jeden Morgen eine Packung Gel in die Haare schmiert. Weißt du da was?“

„Ich werde mal nachschauen. Habe ja nicht so viel mitbekommen aus der Kanzlei. Hab ja immer zuhause gearbeitet. Aber klar. Mach ich.“

„Ich hab auch neue Bilder für dich. Möchtest du sie haben? Ich habe bei uns im Archiv etwas tiefer geforscht und ich habe viermal Tanya gefunden. Immer das gleiche Szenario: Anderes Aussehen und reicher Mann. Das Problem ist nur, dass die Männer tot waren. Mehr weiß ich noch nicht. Kann ja auch eine ganz andere Person sein.“

„Kannst du mir die Bilder geben? Geht das?“

„Klar.“

„Und ich hab auch noch Bilder von heute Nacht. Aber da ist irgendwie nichts. Unauffällig. Da wurde nicht mal ein Grashalm bewegt.“

„Marc? Mir macht das mit Tanya etwas Angst. Wenn sie wirklich eine Mörderin ist, was wäre dann mit mir passiert? Warum macht sie das? War vielleicht euer Unfall noch vorgetäuscht? Sollte Martin vielleicht sterben?“

„Nein, das glaube ich nicht. Sie hätte auch uns töten können. Tanya sah letztens nicht so aus, als würde sie das übers Herz bringen. Aber hmm. Trotzdem war Verena dazwischen. Nein, ich glaube, das war Zufall. Tanya war wirklich glücklich mit ihm. Es war schon fast ein neues Leben. Nein, nicht Martin.“

Und drinnen so:

„Weißt du denn schon, was es wird? Weil Platz habt ihr ja jetzt auch nicht mehr so viel, wenn ich das richtig sehe.“

Valentino wird langsam immer unsicherer. Warum soll Tanya reiche Männer töten? Wo hat Marc diesen Typen von früher schon mal gesehen? Sind sie überhaupt auf der richtigen Spur?

„Hör zu. Ich werd mal in der Kanzlei schauen, wo dieser Typ hingehören könnte. Ich sag dir dann Bescheid. Vielleicht hast du ja auch nur so einen ähnlichen Typen letztens beim Einkaufen gesehen, oder sowas.“

Langsam wird es hier draußen etwas unruhig, da heute das Wetter mal schön und richtig warm ist. Da wird alles beschlagnahmt.

„Wir reden nachher weiter. Ich weiß echt nicht, was ich davon halten soll. Verdammt, was ist mit Tanya?“

„Alles klar. Vielleicht sieht es nur schlimmer aus, als es ist.“

Die nächste Lebensmittellieferung steht an. Die Mitarbeiterin hat das wohl immer noch nicht so verstanden, dass es hinter dieser Tür auch noch eine Eingangstür gibt. Na ja. Sei es drum.

Valentino dreht fast durch und sucht sich Ablenkung. Also ist Tanya gar nicht Tanya? Wie heißt sie dann wirklich? Wo kommt sie her? Arbeitet sie allein oder mit anderen Kriminellen? Stimmt alles überhaupt?

Marc hat sie eigentlich als gute Mutter in Erinnerung. Immer etwas aufgewirbelt, aber sie hat sich gut um die Kids gekümmert.

Drinnen bekommt zum Glück niemand mit, wie bedrückt die Stimmung der Männer eigentlich ist.

Und draußen auch nicht.

Marc versucht sich auch eine Weile mit dazuzusetzen, doch die Gedanken bringen ihn fast um.

Er muss sich zusammenreißen. Allein schon wegen der Pupser und Emily.

„Rote Bälle viel schöner als Gelbe. Gelbe doof. Die tun aua.“

Drinnen geht das normale Leben weiter. Emily ist mittlerweile im dritten Trimester und bereitet sich so langsam auf das Krankenhaus vor. Lange wird sie nicht bleiben müssen, aber trotzdem.

Während die anderen noch ordentlich Party machen. Valentino weiß, sich abzulenken.

„Hey, irgendwas bedrückt dich. Ist alles in Ordnung? Du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst.“

„Nein, über die Sache leider nicht.“

Marc bleibt noch eine Weile draußen sitzen, als Valentino zu ihm stößt.

„Kannst du noch mit ins Revier kommen und bei der Polizei ein Phantombild machen lassen, von dem Typen? Vielleicht können sie uns ja helfen.“

„Klar, warum nicht? Ich habe das Gesicht vor Augen, als wäre es gestern gewesen.“

„Aber ich habe halt keine Ahnung, was er mit dem Fall zu tun haben könnte. Nur weil er sich mit deiner Mam gestritten hat, heißt das ja noch nichts.“

„Ich habe ihn trotzdem mal gesehen. Keine Ahnung, warum, aber das ist der Typ. Er hat mich sogar angeschaut und kurz gelächelt. Nein, ohne Scheiß. Oder ich brauch echt Urlaub. Wer weiß das schon? Träume. Was weiß ich?“

„Marc, ich empfehle dir eh, dass du erstmal zuhause bleibst und dich um deine Familie kümmerst. Das Baby scheint ja bald zu kommen. Ist kein Problem. Und dann kommst du wieder und wir machen weiter.“

„Nein, alles gut. Ich pack das.“

„Es ist okay. Nimm dir paar Tage frei. Bitte. Ich habe dir auch die Akten von den vier Fällen mitgebracht, wo ich Tanya erkannt habe. Du kannst sie dir ja mal anschauen, wenn du magst.“

Das lässt er sich auch nicht zweimal sagen. Er kann diesen Fall einfach nicht ruhen lassen.

Aber schön, dass hier drinnen super Stimmung ist. Auch wenn Tommy so seine Wehwehchen hat.

Emily bemerkt schnell, dass Marc nun noch mehr bedrückt, als vor dem Gespräch mit Valentino. Sie hofft sehr, dass er sich nicht zu sehr hineinsteigert. Nachher schlittert Marc sich selbst noch in Gefahr. Das würde Emily nicht verkraften.

Denn Joshua kommt ganz stolz nach Hause und jubelt, dass er nun Einserschüler ist und sogar Klassenbester. Schreiben kann er zwar immer noch nicht richtig, aber in den anderen Fächern ist er einfach nur spitze.

„Mam? Ich bin der Coolste, hihi.“

„Glückwunsch, Kleiner. Finde ich schön, dass es bei dir läuft. Wenn ich helfen kann, dann sag Bescheid.“

„Ich bin jetzt Einserschüler. Ich brauche keine Hilfe, hihi.“

Joshua verschwindet im Bad und jubelt dort noch ordentlich rum.

„Hey, hast du schon gehört? Ich bin jetzt Einserschüler. Cool, oder?“

Der Besuch löst sich so langsam auf und die Duvans sind unter sich. Marc atmet auch nur einmal tief durch und möchte die nächsten Tage für seine Familie zu 100% da sein. Keine Tanya, kein schleimiger Mann.

Das möchte er ihr gleich mal mit einer Massage beweisen.

Auch Emily muss sich auf morgen vorbereiten. Morgen Nachmittag geht es los. Im Krankenhaus wird sie bereits erwartet.

Der vorläufige Fernsehabend beginnt.

Bis Sven durch die Tür kommt. Vielleicht kann Marc ihn ja mal fragen, ob er sich an so einen schmalzigen alten Typen erinnert. Aber nein. Nicht mehr heute.

Der Rest des Abends fixiert sich auf die kleine Großfamilie. Marc kann ja auch stolz auf seinen Ältesten sein.

„Wenn ihr nachher Werken habt und ihr aus Holz etwas schnitzt, dann kann ich dir das gern zeigen, wenn du magst. Echt eine coole Aktion mit den Einsen. Bin sehr stolz auf dich. Und Schreiben bekommen wir auch noch hin.“

„Kann ich dann auch mal mit dir zusammen in Sulani angeln? Da kann man das ganze Jahr über angeln und wir können ja mal wieder ein Aquarium kaufen, wo wir die Fische dann reinsetzen können.“

Ist doch ein netter Plan. Aber erstmal müssen die Babys so weit sein. Dann können sich die gaffenden Mädels warm in Sulani anziehen, wenn Marc da mit seinen fünf Kindern aufkreuzt.


Sven nimmt sich auch vor, mit den Kindern mal eine Tour durch den Freizeitpark zu drehen. Er wird sie schon nicht wegschließen.

Marc bringt die Pupser noch ins Bett, bevor auch sein gedankenreicher Tag ein Ende nimmt.

Es liegt ihm auf der Zunge, seinen Vater wegen des Mannes zu fragen, aber nein. Nicht heute.


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