• Kucki 232

Folge 54 - Irgendwann


 

Zweite Herbstwoche: Dienstag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Emily

 

In der letzten Zeit ist mir so einiges klargeworden. Meine Familie steht ganz oben und hey, meint ihr wirklich, da kann ich eben mal so einen Laden schmeißen und nebenbei noch die Welt retten? Glaubt mir: sechs Kinder sind schon volles Programm genug. Ich weiß, dass es an uns liegt, eine Ära fortzuführen, die vieles ins richtige Licht führen soll - aber nicht jetzt. Ich kann das einfach nicht. Meine Familie braucht mich.

Daher habe ich beschlossen, heute ins Reich zu gehen, um das Miguel und Ramon beizubringen. Es ist meine Entscheidung und vielleicht auch besser so. Melody und Shadow sollen nicht mit der Last der Vergangenheit leben müssen. Sie sollen frei sein.


Bevor es aber losgeht, werde ich mich um meine Kids kümmern. Seht sie euch an. Sie sind mein Ein und Alles. Und mein süßer Blondschopf sowieso.

Sie wissen noch von nichts, aber ich möchte erstmal nur in Ruhe mit Marc drüber sprechen. Er hat mir ja schon in den letzten Tagen berichtet, dass diese Akten über mich aus StrangerVille nichts Gutes bedeuten. Laboruntersuchungen sollten an mir ausgeführt werden. Nein, damit muss Schluss sein. Meine Kinder brauchen mich und da möchte ich bestimmt keine Laborratte werden. Die Leute würden irgendwann Fragen stellen, wer oder was ich bin. Würden mich lieben, aber auch hassen zugleich. Sie hätten Angst. Sie würden mich vielleicht auch als Heilige sehen. Oder gar als Zerstörerin? Viele Gedanken kreisten in den letzten Tagen bei mir durch den Kopf.

Und auch jetzt noch.

Würdet ihr so leben können? Einfach so rausstolzieren und sagen: „Hey, ich bin eine Wächterin. Ich beschütze euch“. Das macht mir Angst, egal ob ich es gut meine würde oder nicht.

Vielleicht ist irgendwann jemand bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, aber ich nicht. Wer weiß, ob es da draußen noch schwarze Magier gibt? Weiß man das? Es wäre ein ewiger Krieg. Und gegen was?

Stellt euch vor, meiner Familie würde was passieren, nur weil ich so eine folgenschwere Entscheidung treffen musste. Wieder Magierin zu sein. Unser Haus der Generationen würde in Schutt und Asche gelegt werden. Meine Familie müsste leiden. Nein, nie wieder. Und das müssten auch Ramon und Miguel akzeptieren.

Und genau deswegen gehe ich ins Reich.


Als ich mich so auf das Treffen vorbereite, kommt plötzlich Joel durch die Tür. Ihm geht es nicht gut und er würde gern zuhause bleiben. Armes Ding.

„Hey. Wie wäre es, wenn du dir ein Bad machst und Paps dich dann im Bett einkuschelt? Ich muss kurz etwas erledigen und dann bin ich ganz für meinen Kleinen da. Soll ich dir noch was mitbringen?“

„Nein, Mam. Alles in Ordnung. Ich nehme wirklich erstmal ein Bad und lege mich hin. Was auch immer du vorhast: Viel Glück.“

„Danke, mein Schatz.“

„Bin ja schon groß, hihi.“

Schließlich bereite ich auch Marc vor, auf das, was ich jetzt vorhabe.

„Ich möchte einen Schlussstrich ziehen. Vielleicht nicht für die Ewigkeit, aber ich möchte einfach nichts mit der Magie am Hut haben. Ihr seid wertvoller, als es je irgendwelche Magie sein könnte. Kannst du diese Akten vernichten? Ich möchte damit nichts mehr zu tun haben.“

Marc schaut mich gerade an, als würde ein Stein von seinem Herzen fallen. Als ob er auf diese Entscheidung schon lange gewartet hat. Wer weiß, was er da noch alles in den Akten gesehen hatte? Aber damit soll Schluss sein.

„Und dann möchte ich einfach nur noch deine Ehefrau sein und euch so beschützen. Klingt das gut? Hihi.“

„Bist du sicher?“

„Ja Marc. Ich war mir noch nie so sicher.“

„Okay, cool.“

Mein Mann muss wirklich aufatmen. Jetzt weiß ich erst recht, dass die Entscheidung die richtige ist.

„Bevor du gehst....“

Marc steht auf und reicht mir seine Hand. Er umarmt mich richtig fest. Als würde ich länger wegbleiben.“

„Ich lieb´dich und egal welche Entscheidungen du triffst: Ich werde immer bei dir bleiben.“

„Deswegen bin ich mir so sicher, mit dieser. Aber ich möchte es jetzt hinter mich bringen. Kannst du auf Joel achten?“

„Klar.“

Also mache ich mich auf. Als freier Sim werde ich wiederkommen.

Und dann regnet es auch noch in Glimmerbrook. Das sind ja tolle Aussichten. Dieses trübe Wetter soll mich jedoch nicht aufhalten. Ich ziehe das jetzt durch.

Ob ich wirklich zum letzten Mal durch dieses Tor gehe? Ich möchte es hoffen.

Der Erste, der davon erfährt, ist Micha. Er hat auf das Reich aufgepasst, während ich weg war. Er sollte eigentlich der ewige Beschützer des Reiches werden, aber er hat sich viel mehr verdient als das. Micha hat sich einen Platz auf dem Friedhof der Generationen verdient und nicht hier. Paps wollte ihn ja damals bei uns im Haushalt aufnehmen - nur als Geist. Damit hatte er viele Regeln gebrochen. Das Reich und die Geisterwelt verfielen immer mehr in Chaos und diese Tat machte es auch nicht besser. Micha ist seitdem ein besonderer Geist. Vielleicht ein ruheloser Geist? Ich weiß es nicht.

„Ich? Zurück auf euren Friedhof? Hm. Warum nicht?“

„Sicher? Ja? Das wäre toll.“

„Micha. Ich möchte das halt nicht mehr. Ihr sollt in Frieden im Geisterreich leben. Es ist genug passiert. Denk an die Zeit, in der alle Geister verschwunden waren. Und das nur wegen des Chaos. Ist es das wirklich wert?“

„Kein Durcheinander mehr und vielleicht kann ich ja mal mit dem Sensenmann reden, ob du nicht wieder irgendwie ein normaler Geist werden kannst. Und wenn ich das vorher noch mit Magie rückgängig machen muss. Du hast es nicht verdient, ewig als Geist hier rumzudüsen.“

Plötzlich spüre ich einen kalten Schauer, als Micha mich mit seiner leeren Hülle in den Arm nehmen möchte.

„Das wäre super, Emily. Ich fühle mich als Geist so einsam. Ich habe nicht mal mehr Kontakt zur Geisterwelt und da wäre ich lieber bei deiner verrückten Familie in der Geisterwelt. Und bei meiner Familie. Sag. Vanessa ist schon tot, oder? Ich möchte sie wiedersehen.“

„Ja, Vanessa ist bereits tot. Ich schaue, was ich machen kann.“

„Danke.“

Trotzdem muss ich noch einen weiteren Schritt wagen. Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Ramon und Miguel werden davon nicht so begeistert sein, aber das ist mir egal. Selbst sie haben sich mehr verdient als dieses hier. Wofür wollen sie eigentlich noch kämpfen? Die perfekte heile Welt wird es nie geben, aber man kann das Beste draus machen. Nur eben mit einfacheren Mitteln.


Als ich nach oben komme, sehe ich Ramon schon aus der Ferne. Die Zeit läuft weiter, wie man sieht, denn er ist auch nicht mehr der Jüngste.

„Kann ich dich kurz sprechen? Hast du Zeit?“

„Ich weiß bereits, weswegen du hier bist. Emily. Miguel und ich sind nicht umsonst hier im Reich geblieben.“

„Ich ähm. Ja, toll. Dann brauche ich ja nicht groß irgendwas erklären, oder? Oder etwa doch? Ich. Ramon, ich bin mir halt sicher und ihr könnt mich auch nicht überzeugen oder zwingen, okay?“

„Ich habe es versucht, aber egal in welche Richtung ich denke: Es kommt nichts Positives dabei rum. Wir müssen einfach gut sein lassen, okay?“

„Dann hör doch auf, dich für deine Entscheidung zu rechtfertigen. Wir können daran eh nichts ändern, aber ihr müsst wissen, dass es nicht so leicht ist, die Magie einfach so aus dem Leben zu löschen. Wenn es so einfach wäre, dann hätten wir niemals dieses Chaos gehabt, oder? Es ist eine Bestimmung. Ein Teil deines Lebens. Also sag mir, wie du das umgehen möchtest?“

„Kann man diese Magie nicht irgendwie einsperren? In einen Kristall, oder sowas? So wie wir damals Theo eingesperrt haben. Wäre das möglich? So wäre sie immer greifbar. Eben nur unter Verschluss.“

„Hm, möglich.“

„Shadow und Melody sollen auch befreit werden und wir schließen diese Magie in einen Stein. Genau wie eure. Bis zu dem Tag, wo wir bereit sind, diese Bürde auf uns zu nehmen. Wenn wir denn irgendwann dazu bereit sind.“

Ich bemerke nicht, wie Miguel die ganze Zeit hinter mir steht und zuhört. Er scheint alles andere, als begeistert zu sein.

„Miguel? Es ist mir egal, was du denkst, okay?“

„Na dann. Wenn ich dich eh nicht mehr umstimmen kann, dann hier. Da hast du halt einen magischen Stein. Steck da die Magie rein und dann ist halt Schluss. Kann ich daran was ändern? Nö. Ohne dich, ist eh alles verloren. Also nimm und bring es hinter dich.“

Miguel gibt mir einen blauen Stein. Dabei schaut er mich irgendwie total traurig an. Als hätte ich ihm die Hoffnung auf ein besseres, magisches Leben genommen. Na toll.

Ramon gibt mir eine magische Formel, die ich aussprechen muss. Etwas kompliziert, aber das schaffe ich schon. Als ich diese Worte spreche, merke ich, wie jegliche magische Energie meiner Seele in diesen Stein gezogen wird. Auch Miguel und Ramon merken, wie es aus ihnen rausgezogen wird. Und Shadow und Melody? Ist es bei ihnen auch so? Ist danach wirklich Schluss?

Ich fühle mich danach so frei. Einfach wie Emily Duvan. Ohne jegliche Lasten zu verspüren. Ein wunderbares Gefühl.

Und niemand wird daran was ändern können. Miguel ist jetzt irgendwie eingeschnappt. Er schnappt sich seine gepackten Koffer und verlässt schweigend das magische Reich.

Ramon wiederum nimmt mich in den Arm und sagt:

„Vielleicht ist es doch besser so.“

Zu Micha gehe ich ebenfalls und sage ihm, dass er einen Platz auf dem Friedhof bekommen wird. Dann kann er sich wieder von meinem Paps ärgern lassen, hihi. Insofern es denn gutgeht. Noch habe ich mit dem Sensenmann nicht gesprochen.

„Wir sehen uns am Tag der Generationen, Micha.“

Ramon sagt mir noch, dass er die Kinder auf die Außenwelt vorbereitet und sie dann zu uns schickt. Den Rest sollen wir dann übernehmen.


Ich drehe mich noch einmal um und schaue auf das Tor. Es muss weitergehen.


In Windenburg angekommen, schaue ich auf die Bilder meiner Eltern, als ich in den Flur komme.

„Es ist vorbei, ihr beiden. Ihr seid frei.“

Marc ist total aus dem Häuschen, als ich durch die Tür komme:

„Ist alles gut? Hast du Fieber oder sonstige Nebenwirkungen? Soll ich dir einen Tee machen?“

„Es ist alles gut. Es ist vorbei, hihi.“

Danach schnappe ich mir meinen Ehemann und verpasse ihn einen gewaltigen Kuss, was Joel aber total ekelig findet, hihi. Aber so sind wir Duvans: Einfach eine normale, verrückte Familie, wo jeder seine eigenen Probleme hat und genau diese Geschichten sollen erzählt werden.

Und jeder Einzelne wird sie euch erzählen.

Während ich einfach nur eine Mam bin, die sich um ihre kleinen und großen Scheißer kümmert.


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