• Kucki 232

Folge 57 - Ich dachte, sie liebt mich?


 

Zweite Herbstwoche: Freitag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Joshua

 

Endlich ist das mit Marianne geklärt und ich kann wieder beruhigt schlafen. Also, nicht, dass ich sie mögen würde oder so, also dieses mögen, da, aber sie ist halt eine gute Freundin geworden. Hätte ich nie gedacht, mit so einer Cheerleader-Braut abzuhängen. Hilfe, ich rede ja schon fast wie mein Bruder. Ich nehme mir vor, etwas abzunehmen. Also, nicht, weil ich mich nicht wohler dadurch fühle, sondern weil ich das einfach möchte. Ich bin ja eigentlich gerne ein kleines Dickerchen.

Ich bekomme eine SMS von Marianne, dass sie heute noch in ihrem neuen Zuhause bleibt. Sie fühlt sich noch nicht fit, aber hofft darauf, dass wir bald unseren Kakao zusammen trinken können.

Mit meinem Bruder fahre ich dann schließlich in die Schule. Als wir aussteigen, ist ja hier wieder mal die Hölle los. Selbst Marcel ist heute nicht da. Finde die Idee blöd, dass man auch von zuhause aus Schule machen kann. Die Schule fühlt sich dadurch immer so leer an. Homeschooling - die neue Generation. Bäh.

Ich gehe an meinen Spind und mache mich etwas frisch. Warum ich das mache? Tja, weil ich ja auch abnehmen möchte und ich denke, das gehört da jetzt einfach mit dazu.

Nur was grinst Emilio jetzt so blöd? Lass mich doch.

„Alter, du bist doch voll verschossen, in Marianne. Gib's zu.“

„Nein. Wie kommst du darauf? Ich werde nun mal zu einem Mann und Männer tun das halt.“

„Ey, du gehst doch voll ab bei Marianne. Meinst, ich bin doof?“

„Nö. Komm. Wir gehen noch ein bisschen lernen. Die Prüfungen liegen bald an und ich hab Mam versprochen, dass ich dir helfe, damit du das nicht wieder versemmelst.“

„Mach’ ich schon nicht. Boah, warum denken immer alle, ich wär faul oder so? Hab nur kein Bock auf den langweiligen Mist.“

Nach ein bisschen Mosern und Meckern bekomme ich dann Emilio doch noch in die Mensa. Er hat noch einiges aufzuholen. Hoffe, er vergeigt es nicht.

Veronika setzt sich mit zu uns. Sie ist wirklich eine Nette.

Sie hat heute richtig gute Laune. Oh, wenn sie lächelt, hat sie total die Grübchen. Ist mir noch nie so aufgefallen.

„Ich habe gehört, dein Paps hat Marianne gerettet? Echt cool.“

Spricht sich ja schnell rum. Paps hat doch nur seinen Job gemacht. Aber ich spreche sonst nicht weiter, weil ich mich hier auf meine Aufgaben konzentrieren muss.

Schließlich geht es in den Unterricht. Hoffentlich geht alles gut. Die letzten Tage waren doch etwas turbulent und ich konnte nicht so üben, wie ich es gerne wollte.

Also, ran an den Speck.

Sieht aber trotzdem ganz gut aus und selbst Emilio hat mal ein gutes Gefühl. Er neckt mich, weil ich verliebt sein soll? Das stimmt zwar nicht, aber ich sehe doch, wie er verliebt ist. Ständig redet er über seine Lady in Black. Er ist kurz davor, sie bei Simstagram zu suchen oder irgendwo anders. Draußen würde er doch glatt noch Plakate aufhängen. Für die Lady in Black möchte er jetzt nämlich seinen Abschluss schaffen.

Ich erzähle Frau Habermann davon, dass Marianne noch ein paar Tage zuhause bleibt. Sie freut sich sehr, dass das Mädchen wieder da ist.

Frau Habermann sieht heute aber auch irgendwie schick aus in ihrem Kleid. War ja letztens schon lustig, als wir da die Bilder gemacht haben. Ich weiß immer noch nicht so recht, warum sie das überhaupt gemacht hat. Ich habe erfahren, dass sie sogar noch sehr jung ist. 22. Wow. Ist man nicht eigentlich erst viel später mit dem ganzen Kram fertig? Hut ab. Sie scheint sehr intelligent zu sein.

So, nun geht es aber erstmal in die Mensa und ich futter’ was, nach der anstrengenden Arbeit. Die Nächste folgt nämlich schon bald.

Ich setze mich zu Veronika.

„Und? Hast du ein gutes Gefühl? War doch eigentlich ganz leicht, oder nicht?“

Von der Mensa aus sehe ich, wie mein Bruder mit dem Football rumspielt. Das kann er mittlerweile richtig gut. Er würde super ins Team passen.

Nachdem ich aufgegessen habe, geselle ich mich zu ihm. Vielleicht nehme ich ja so noch etwas ab. Hoffe, ich blamier´ mich jetzt aber nicht, da Veronika nämlich zuguckt. Das sehe ich.

„Hey, schmeiß mal rüber. Ich möchte mitmachen.“

„Den hau’ ich dir doch voll um die Glocke.“

„Okay, na gut. Dann pass auf. Aber ich hab dich gewarnt.“

Ist doch gar nicht so schwer.

Mache ich so weiter, kann ich mich auch bald fürs Footballteam bewerben.

Anschließend gehen wir noch etwas auf dem Platz spielen. Mein Bruder und ich - ein unschlagbares Team.

Puh, ich stinke ganz schön. Das darf ich niemandem antun, wenn es in die nächste Stunde geht. Emilio und ich duschen noch und dann haben wir noch etwas Zeit in der Mensa, bevor es losgeht. Jetzt habe ich einen klaren Kopf für die nächste Arbeit.

Und so zieht sich die Stunde ganz schön, aber ich habe es hinter mich gebracht und bin ganz stolz darauf, dass ich alles wusste. Kann das Wochenende ja starten. Muss sowieso noch was für meine kleine Pfadfindergruppe überlegen. Weiß noch nicht so recht, was wir morgen machen sollen. Vielleicht ja wieder was Botanisches. Ich mache immer zu viel mit Krabbelviechern. Mal schauen.

Der Bus steht bereits am Eingang und ähm. Marianne auch. Ich dachte, sie wäre noch krank? Hmm. Ein bisschen nervös bin ich ja doch, aber hab halt keine Zeit heute. Meine Gruppe morgen geht vor. Stehe ja ziemlich blöd da, wenn wir wieder auf der Gitarre Lieder spielen. Ne, diesmal möchte ich was Außergewöhnliches machen.

„Soll ich schon mal nach Hause? Hey, komm´. Deine heiße Schnitte wartet doch da auf dich.“

„Was redest du da? Sie ist nicht meine heiße Schnitte.“

„Klar. Na ja. Wir sehen uns später. Ich sag’ Mam und Paps Bescheid, dass du nen Date hast.“

„Hab ich doch nicht.“

Dann ist er so dreist und verschwindet im Bus. Er kann mich doch jetzt hier nicht allein lassen. Verdammt. Oder ich komm’ einfach hinterher. Vielleicht wartet Marianne ja gar nicht auf mich. Ja, ich spring’ hinterher und wenn sie mich doch ansprechen sollte, dann sage ich, dass ich keine Zeit habe.

Trotzdem werde ich weich und gehe zu ihr hin. Es ist schön, sie wieder einigermaßen lachen zu sehen.

„Hey, was machst du denn hier? Wolltest du nicht zuhause bleiben?“

„Na ja. Ich. Ich habe noch meine Zeugenaussage gemacht und für heute meine Entschuldigung abgegeben. Da dachte ich, könnten wir doch einen Kakao trinken. Das würde mir gerade so richtig guttun, weißt du?“

Wie sie mich anlächelt. Krass. Mich hat noch nie jemand so angelächelt. Außer Veronika vorhin und Frau Habermann. Warum Frau Habermann? Iiih, sie ist doch meine Lehrerin. Aber sie hat auch so geguckt. Das habt ihr doch auch gesehen.

Ich willige ein, mit dem Kakao. Aber nur ganz kurz, weil ich ja für morgen noch alles vorbereiten muss.


Irgendwie weiß ich nur nicht so recht, was ich sagen soll.

„Und, wie geht es dir so?“

Aber auch sie hält sich recht wortkarg. Toll. Okay, hole ich mir einen Kakao. Vielleicht kommt ja danach ein Gespräch zustande.

„Hey. Könnte ich bitte einen Kakao bekommen?“

„Klar.“

Während ich da so auf mein Getränk warte, bemerke ich, wie Marianne mich anschaut. Sie ist total verträumt. Irgendwie ja süß. Vielleicht wird es ja doch irgendwann mal was mit den Mädchen. Was soll ich denn sagen, wenn ich halt viel zu tun habe? Bin halt ehrlich. Und dass ich halt Haare auf'n Rücken habe, stößt die Mädels ja eigentlich auch ab. Marianne aber irgendwie nicht.

Ich setze mich zu ihr. Kann man ja mal machen. Warum auch nicht? Sie fängt an, zu erzählen:

„Kannst du dir vorstellen, dass mein Vater das alles nur von hinten rum gemacht hat? Ich wusste da gar nichts von.“

Weiter kommen wir aber nicht, weil sich dann jemand anderes noch mit zu uns setzt. Auch einer aus dem Homeschooling? Viele Gesichter kenne ich gar nicht, aber sie gehen trotzdem auf meine Schule. Vielleicht arbeite ich ja auch mal von zuhause aus. Dann hat man auch weniger Ärger und so.

Plötzlich ändert sich jedoch alles. Alles, was ich je über Marianne geglaubt habe. Nur mit diesen Worten:

„Hey, du bist doch Joshua, oder? Ich gib dir 'nen guten Tipp. Pass bei Marianne auf. Sie hat mit mir vor zwei Wochen Schluss gemacht und hat mich danach trotzdem noch vollgeheult, dass ihr Vater sie festhält? Wusstest du das?“

„Wie bitte? Mit ihm hast du geschrieben und mir gesagt, dass du nicht am Handy warst? Du hättest doch mit mir genauso reden können. Warum mit ihm? Stimmt das?“

„Ich, ähm.“

„Stimmt das wirklich?“

Der Junge nickt einfach nur und Marianne ist gerade so richtig unbeholfen. In mir steigt eine richtige Wut hoch. Ich habe mich echt verarschen lassen? Ich?! Joshua Duvan?! Das schafft nicht mal meine kleine Pfadfindergruppe.

„Du verstehst das total falsch. Ich wollte dich schützen.“

„Schützen nennst du das? Wie viele Typen hattest du eigentlich schon? Bin ich auch so eine Nummer?“

„Nein! Niemals!!“

„Du wolltest doch nur, dass Paps dich rettet. Wenn ich so drüber nachdenke, kommt das sogar hin. Ha. Ich habe dich durchschaut. Und ich lasse mich noch drauf ein.“

„Das ist nicht fair. Das stimmt überhaupt nicht.“

„Ja, dann erzähl mir doch die Wahrheit. Komm. Ich warte.“

Ich bin so sauer, dass ich nicht mal mehr mitbekomme, was um mich herum passiert. Ich habe gerade total abgeschaltet. Also, das darf man nicht mit mir machen.

Als mich Marianne nur so anschweigt, weiß ich, dass der Typ da recht hat. Jetzt ist sie überführt worden. Das wird mir nicht nochmal passieren. Nie wieder. Pah. Nein. Ich gehe nach Hause und lasse sie einfach sitzen. Egal, was sie zu sagen hat: Ich höre nicht zu. La la la. Soll sie sich bei ihrem Ex ausheulen. Ich bin raus.

Tschüss. Auf Nimmerwiedersehen.

Mir ruft eine Mädchenstimme zu. Es ist nicht Marianne. Eher … Veronika. Was will die denn jetzt von mir?

„Hey, bleib bitte mal stehen, Joshi. So wütend habe ich dich ja noch nie gesehen. Was ist passiert?“

„Tust du mir einen Gefallen und fragst jetzt nicht nach? Ich habe gerade keine Lust, mit Mädchen zu reden.“

„Aber ich dachte, ich bin deine Freundin? Du kannst mit mir reden, wenn was ist.“

Ich schaue sie nur an und weg bin ich. Pfff. Hab doch gesagt „nicht heute“.

Also gehe ich nach Hause und drehe mich nicht mehr um. Gerade hat man mich so richtig verletzt. Mädchen tun nur weh und jetzt weiß ich Bescheid, wie es läuft.

Den Rest des Tages verbringe ich auf meinem Bett und beobachtet den Regen. Mein Handy ist aus und reden möchte ich auch mit keinem da vor der Tür. Nicht heute.

 

Outtake-Bild für die Galerie unter: https://www.kuckis-geschichten.de/galerie


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