• Kucki 232

Folge 66 - Immer diese Mädels


 

Zweite Winterwoche: Sonntag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Joshua

 

Jetzt haben in den letzten zwei Tagen meine beiden stressigen Brüder für Wirbel gesorgt und jetzt bringe ich mal etwas Ruhe rein. Ich bin froh, dass ich mit meinen Geschwistern gut auskomme. Also kann ich unbesorgt in den Tag starten.

Ich finde es nämlich okay, für meine Familie zu kochen. Wenn Mam und Paps mal ausschlafen wollen, dann sollen sie das machen. Derweil halte ich dann immer die Stellung.

Und ich versuche halt zwischen den beiden zu vermitteln. Für Ruhe zu sorgen.

„Und? Was wollt ihr beiden heute Schönes machen? Habt ihr da was im Sinn?“

„Mal gucken. Noch ein bisschen für die Schule üben.“

Na, geht doch. Gar nicht so schwer.

Später kommt Emilio auf mich zu.

„Sag mal. Brauchst du noch was aus dem Supermarkt? Dachte ich geh’ heute mal los, da ich ja eh verdonnert wurde zu Hausarbeit und den Scheiß.“

„Äh, was sollte ich den brauchen? Du und freiwillig einkaufen? Hmm.“

„Ja, was? Ich bin auf dem Weg der Besserung. Lass mich doch. Hab halt Bock, jetzt einkaufen zu gehen.“

Ich verstehe das zwar nicht so ganz, aber gut. Wenn er das machen möchte, ist es ja dann nett. Also soll er mir einfach Rasierschaum mitbringen. Dann ist er glücklich.

Als ich ins Wohnzimmer gehe, erhalte ich eine SMS von Veronika. Sie würde gerne mit mir reden.

Okay, ich wollte nachher eh nach Henford. Etwas die Natur erkunden und die frische Luft genießen. Vielleicht mag sie ja dahinkommen. Mal fragen. Veronika ist mittlerweile eine sehr gute Freundin geworden. Ihr kann ich alles erzählen. Finde ich schön.

„Mam? Ich gehe noch eine Weile nach Henford. Etwas spazieren. Ist das okay oder brauchst du mich noch?“

„Nein, alles gut. Zisch ruhig los, hihi.“

„Okay. Bis später. Hab dich lieb.“

Ich ziehe mich etwas wärmer an. In Henford ist es heute auch nicht viel wärmer als hier.

Das ist so richtig schön hier. Das Plätschern des Baches lädt zum Verweilen ein. Richtig schön. Und diese Luft. Wenn ich älter bin, werde ich wohl nach Henford ziehen. Hier ist es schön. Insofern ich denn nicht im Haus der Generationen bleibe. Aber irgendwie möchte ich das gar nicht. Ein Leben in einer einsamen Hütte würde ich vorziehen. Das wäre ein Traum.

Ich komme am Treffpunkt an. Etwas kalt, aber das passt schon. Ich bin abgehärtet.

Etwa 5 Minuten später kommt Veronika angetrabt. Mit diesem eisigen Treffpunkt hätte sie bestimmt nicht gerechnet. Aber das bin ich. Knallhart in der Natur treffen. Egal, wie kalt oder warm es ist.

Sie muss auch erstmal zu sich kommen. Der Weg hierher war bestimmt ziemlich anstrengend. Ist aber gesund für die Lungen.

„Hi. Was hast du mir den Dringendes zu erzählen? Ich hoffe, es ist okay, wenn wir uns hier treffen, weil ich nämlich noch nach Fröschen gucken wollte. Im Winter gibt es eine besondere Art, die sehr interessant ist. Das wollte ich mir mal anschauen.“

„Na ja. Ich möchte dich eigentlich nur vorwarnen. Als wir letztens bei euch waren, hat sich meine Schwester total in dich verguckt. Ich sage es direkt raus. Sei da aber bitte vorsichtig. So lieb wie sie auch wirkt, ist sie manchmal gar nicht. Wenn sie ihren Willen möchte, dann bekommt sie ihn auch.“

„Sie motzt so lange rum, bis sie es hat. Aber als ihr euch das eine Mal so unterhalten habt, fand sie das schön. Sie hat endlich jemanden gefunden, mit dem sie sich über die Natur unterhalten kann. Normal interessiert das gar keinen.“

„Alina? Ähm. Echt? Du weißt, dass Mädchen für mich zweitrangig sind. Meine Mädchen sind meine Schmetterlinge.“

„Ja, ich weiß. Deswegen warne ich dich ja vor. Ich mag dich halt und möchte nicht, dass man dir wehtut. Auch wenn Alina eine Liebe ist.“

„Ich muss darüber nachdenken. Ich werde erstmal den Frosch suchen. Hoffe, das ist okay. Schau dich hier doch solange um. Es ist sehr schön hier.“

Also gehe ich zu einem alten Baumstamm. Irgendwo muss der Frosch doch sein.

Aber leider werde ich nicht fündig. Schade. Muss ich wohl mal öfter hierherkommen. Ich möchte unbedingt so einen Frosch mal sehen. Die meisten Arten überwintern ja irgendwo. Dieser nicht.


Eine Weile schaue ich mir die alte Ruine nebenan an. Wie alt das wohl ist? Es ist faszinierend. Und dann schweifen meine Gedanken kurz zu Alina. Aber ich schüttle mit dem Kopf. Nein, diese Probleme möchte ich nicht haben.

Trotzdem freue ich mich darüber, Veronika zu kennen. Also möchte ich ihr mal „Danke“ sagen.

„Hast du Lust auf einen Burger?“

Darüber freut sie sich sehr. Finde ich schön. Mit meiner besten Freundin war ich so ja noch nie essen. Also hole ich das nach.


Der Empfang ist ja mal super drauf. Da mag man gleich wieder rausgehen. Aber nein, denn ich habe jetzt Hunger auf einen richtig fetten Doppeldecker-Burger.

Veronika mag nämlich auch Doppeldecker-Burger. Hat sie mir mal gesagt. Crispy Chicken nur dann immer. Deswegen hat sie mir mal diesen Laden empfohlen. Astreine Burger soll es hier geben.

Die Kellnerin versucht irgendwie auch höflich zu sein, aber ich hab doch gesehen, wie sie da eben ihren Kollegen angemault hat. Tolle Aussichten. Sowas macht man einfach nicht.

„Was kann ich euch denn bringen?“

„Ich bekomme ein Doppeldecker Crispy Chicken und eine Cola. Und du? Auch?“

Da ist sie ganz verdutzt, dass ich ihren Burger bestelle. Tja.

Ich freue mich schon.- Habe schon megalange keine Burger mehr gegessen. Witzig, wie mich Veronika die ganze Zeit anschaut. Ob sie das überhaupt bemerkt? Aber das ist okay. Sie ist meine beste Freundin und sie darf das.

Oh, ich bemerke, wie mein Cousin Benny in den Laden kommt. Den sehe ich selten noch. Schade eigentlich. Ist ein netter Kerl, auch wenn er gerne mal launisch ist. Er hat mich wohl nicht gesehen.

Das merke ich nämlich ganz schnell, dass wir uns selten noch sehen, wenn ich nach drüben an den Tisch schaue und seine kleine Tochter Gwendolin sehe. Sie ist ganz schön groß geworden. Aber warum sitzt sie nicht bei ihm mit am Tisch?

Ah, endlich entdeckt er mich.

„Hi, Joshi. Alles klar?“

Bis dann noch Doreen durch die Tür kommt. Na, sie sieht ja richtig gutgelaunt aus. Was ist denn da wieder los?

„Ach, das ist dein Cousin? Ihn kenne ich noch gar nicht. Hi, ich bin Veronika.“

Was mich dann auch so richtig wundert ist, dass Benny allein an einem Tisch sitzt und Doreen zu ihrer Tochter hin ist. Hm. Aber gut. Wenn ich mich so umschaue, gibt es keine freien größeren Plätze mehr. Vielleicht liegt es daran.

Als unsere saftigen Burger gebracht werden, vergesse ich sowieso alles. So köstlich. Yummy.

Und dann muss ich drüben auch mal „Hallo“ sagen.

„Hey, wie geht's euch? Wie war euer Winterzauber?“

„Mam ist sauer auf Paps. Sie streiten immer.“

„Psst, Gwen.“

Na toll. Aber das habe ich vermutet. Es ist nicht selten, dass Benny gerne mal einen Lauten macht. Trotzdem schade.


Jetzt heißt es erstmal nach Hause gehen. Ich bin pappsatt und Veronika auch. Ich glaube, ich gehe mit ihr hier mal öfter her. Schmeckt wirklich genial. Wundert mich, dass ich von dem Laden noch nichts wusste.

„Also, bis bald, Joshi. Danke für den Burger. Nächstes Mal bin ich dann dran.“

Sie nimmt mich zum Abschied in den Arm. Hat sie so auch noch nicht gemacht, aber das ist okay.

„Ja, bis dann. Komm gut nach Hause und meld dich.“

Als ich nach Hause komme, steht ein Mädchen ganz starr vor unserem Haus.

„Kann ich dir helfen?“

„Nein. Ich finde nur den Baum hier hübsch. Schönen Tag noch.“

Und weg ist sie.

Hm, okay?! So besonders ist der Baum jetzt auch nicht. Egal. Ich möchte rein und die Füße hochlegen.


Oben erwartet mich dann die nächste Überraschung. Was sucht denn Marianne hier? Auf sie kann ich nicht wirklich.

Sie hat mir genug wehgetan und ich hätte mich nicht drauf einlassen sollen. Also gehe ich an ihr vorbei. Soll sie gehen. Ganz einfach. Ich sehe sie nicht.

„Hey, bitte warte. Kann ich nicht kurz mit dir reden? Bitte.“

Ich verdrehe die Augen und setze mich halt mit an den Tisch.

„Aber schnell. Mir ist kalt und ich habe meinen Frosch heute nicht gefunden. Das stimmt mich deprimiert.“

„Ich weiß nicht, was du über mich denkst, aber ich mag dich sehr, Joshua. Das ist ein Missverständnis und ich bin nicht so, wie Manuel letztens sagte. Er möchte mir nur einen auswischen, weil ich ja mit ihm vor einem Jahr Schluss gemacht habe. Manuel ist gerne eifersüchtig. Ich mag dich wirklich und es lässt mir einfach keine Ruhe, wie sich unsere Wege getrennt haben. Du bist ein anständiger Junge. Nicht so ein Herzensbrecher wie Bruno. Es tut mir gut, mit dir zusammen zu sein. Ich kann auch mal lachen. Ich liebe dich, okay?“

„Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber jedes Mal, wenn du in meiner Nähe warst, habe ich mich so wohl gefühlt. Wie ein anderer Sim, verstehst du?“

„Natürlich sind mir deine Haare auf dem Rücken egal. Du bist so ein lieber Sim. Bitte. Ich würde gerne noch einmal den Tag wiederholen, wo ich eigentlich mit dir einen Kakao trinken wollte. Geht das? Dann aber ohne Manuel.“

„Ich muss drüber nachdenken, okay? Das ist gerade etwas viel, weil ich auch meinen Frosch nicht gefunden habe.“

„Okay. Deswegen. Es tut mir leid, was du ein Bild von mir hast. Ich möchte das wiedergutmachen.“

Jetzt muss ich aber schleunigst rein. Was war das denn jetzt?


Darüber muss ich erstmal nachdenken.


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