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  • Kucki 232

Folge 67 - Deine Probleme sind nicht meine Probleme


 

Zweite Winterwoche: Montag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Emilio

 

Boah, wie mich das nervt, dass dieser olle Sack Niklas jetzt auch mit auf die Oberschule geht. Man, verdammt. War bislang so schön ruhig.

Und der soll mal das scheiß Lachen lassen. Die faule Sau kann auch mal mit anpacken. Eigentlich hat der das ja auch mal verdient, in dieser Kackwäsche zu wühlen.

Junge, selbst im Bus glotzt der mich die ganze Zeit blöd an. Gleich komm’ ich da rüber. Warte ab. Gleich ist es soweit.


Zum Glück hält der Bus. Beim Aussteigen drängelt sich der Spinner auch einfach vor. Ich versuche mich ja zu ändern und so zu werden wie Opa Jeremy. Aber der Vogel stellt sich immer dazwischen. Mein Leben steht irgendwo so zwischen Aggressivität und Einsicht. Musste ja früher deswegen schon zum Psychologen. Aber was die da immer labern. Was hat mir das heute gebracht? In der Schule hefte ich mich immer an Joshi. Er gibt mir auch noch so einen gewissen Halt. Sein Leben ist so unbeschwert und besteht nur aus Schmetterlingen. Gut, die Schmetterlinge kann ich gern streichen, aber manchmal wäre ich wirklich so wie er.

Wir üben noch etwas in der Mensa, während Niklas verzweifelt seinen Klassenraum sucht. Wehe, der ist in unserer Klasse. Wehe.

Früher habe ich ja wirklich viel rumgeschrien und Mitschüler*innen einfach so gepiesackt. Nur, weil ich wütend war. Nein, weil ich mich nicht verstanden fühlte. Nicht wahrgenommen. Damals habe ich einen unschuldigen Jungen einfach so zu Boden gerissen. Oder ich habe einem Mädchen grundlos das Tablett aus der Hand gerissen. Jemandem ins Gesicht gefurzt. Ja, kommt, sowas ist doch witzig, haha. Fanden wiederum die Eltern nicht so.

Heute will ich jedoch nicht mehr so sein und versuche, mich ja schon zusammenzureißen. Also ignoriere ich diese Flachbirne jetzt einfach mal.

Nicht drauf reagieren.

Denn sollte ich dieses wunderhübsche Mädchen nochmal wiedersehen, dann möchte ich es mir mit ihr nicht verscherzen. Ich habe sogar ein Lied für sie geschrieben. Vielleicht kann ich es ihr mal vorspielen. Nachher, wenn ich meinen kleinen Auftritt in San Myshuno habe, möchte ich das mal spielen. Vielleicht finden die Leute das ja cool.

Doch erstmal muss ich mich zusammenreißen und gehe lieber nach draußen. Denn ich bin verliebt. Aber so richtig. Und das male ich in den Schnee.

Schade, dass du dieses Herz nie sehen wirst. Es ist nur für dich.

Verdammt. Jetzt kommt auch noch Niklas. Wenn der das jetzt sieht, ist es doch nur gefundenes Fressen für ihn. Ich möchte das Herz schnell wegmachen. Der Spinner lacht mich doch nur aus.

„Oh, wie süß. Ist der kleine Emilio etwa verliebt? Haha. Ich zeig’ dir mal was. Da das eh nichts wird, kann ich es auch kaputtmachen.“

Der wird doch wohl nicht etwa?!

Dem werde ich so die Fresse polieren. Aber nein. Hör auf, Emilio. Mein Adrenalin steigt schon wieder an. Hier und jetzt könnte ich ihn grün und blau schlagen. Aber einmal tief ein- und ausatmen.

Traurig stimmt es mich trotzdem.

„Na, fängst du gleich an zu heulen? Habe ich etwa deine sensible Ader getroffen? Wie schade.“

„Hey, hör mal zu, du Pfosten. Deine Probleme sind nicht meine Probleme, okay? Komm mal bisschen klar in der Birne und mach deinen Rotz. Kapiert? Dich würde ein Mädchen ja nicht mal mit der Kneifzange anfassen.“

„Was sagst du? Weil schau mal.“

„La la la. Ich hör’ dich nicht. Hihi. Ich hör’ dich nicht. Laber du mal.“

„Boah, pass auf, dass ich dir jetzt echt nicht eine verpasse. Und sowas will das Zepter haben? Im Kindergarten kannst du es ja mal versuchen.“

Warum versucht Niklas immer das zu zerstören, was ich mir aufbauen möchte?

„Weißt du? Ich habe letztens auch so ein hübsches Mädchen gesehen. Sollte es deine sein, dann werde ich ihr schon zeigen, was du für ein Versager bist. Du kannst dich ja nicht mal wehren.“

Nein, bleib ruhig, Emilio. Wenn mein Mädchen, das nun echt sehen würde, dann würde sie erst recht abhauen. Ich prügel mich nicht mit meinem Bruder. Deswegen gehe ich nur schweigend in seine Richtung und rempel ihn an.

„Das wird sich zeigen.“

Joshi hat sich gewundert, wo wir bleiben und als er sieht, was wir für Mienen ziehen, kann er sich schon wieder denken, was passiert ist.

„Was auch immer ihr gerade gemacht habt - lasst es, okay?“

Zum Glück klingelt es. Jetzt muss der Pfosten nur noch unten bleiben und ich habe meine Ruhe.

Alter, verdammt. Wie der mich angrinst. Nein, er ist in unserer Klasse. Verpiss dich.

Nicht mal im Unterricht hat man mehr seine Ruhe. Wisst ihr, wie schwer es ist, sich zusammenzureißen? Ich möchte mich einfach nicht auf sein Niveau herablassen. Die Zeiten sind vorbei und jederzeit könnte SIE auch aufkreuzen. Also ignoriere ich sein dämliches Grinsen.

Und denke an meine Schönheit.

Später schnappe ich mir meine Gitarre und versuche mich zu beruhigen. Fast hätte er es geschafft, dass ich den Tisch einfach an die Seite geschmissen hätte, um ihm eine zu ballern. Nur das kann ich Paps jetzt nicht antun. Ich möchte stark bleiben. Immerhin ist sein Paps gestorben und ich merke jetzt noch, dass es ihm nicht gutgeht. Ich bin ja selbst noch nicht wirklich drüber hinweg. Mir fehlen seine Sprüche und er hätte meine Schönheit bestimmt auch super gefunden und so. Wir waren da immer eine Wellenlänge. In der Familie war er wohl der einzige, der es immer so richtig schaffte, mich zum Lachen zu bringen.

Während ich so spiele, versinke ich total. Das ist ein geiles Gefühl.

Wohin auch immer du gegangen bist - ich werde dich finden!

So ganz perfekt ist das Lied jetzt noch nicht, aber das ist okay. Ich werde bestimmt noch viel Zeit haben, bis sie es hört. Oder auch nicht.

„Könntest du mir bitte einen Gefallen tun? Nein, IHR. Könntet ihr euch nicht einfach vertragen? Keine Ahnung, was das da zwischen euch soll, aber irgendwann muss doch mal gut sein. Also. Redest du mal mit ihm?“

„Niklas scheint dich ja richtig zu hassen und ich finde, dass du dir Mühe gibst, nicht auszurasten. Aber er wird weitermachen. Glaub mir. Wollen wir vielleicht mal zusammen runter und das klären? Vielleicht kann ich euch ja helfen.“

„Was soll das bringen, Joshi? Er scheint wohl sein Hirn mal beim Kacken ausgekackt zu haben.“

„Dann werden wir es rausfinden. Komm, wir gehen runter und ich hole Niklas. Macht nicht wieder denselben Fehler wie in der Grundschule, okay?“

Tja, was soll ich da jetzt auch gegen machen? Joshi ist unser großer Bruder und er hat schon immer versucht uns beiden auseinanderzuziehen. Oft sogar mit Erfolg.

Ich habe ja nicht das Problem mit Niklas, sondern er mit mir.


Unten ist Schweigen angesagt. Cool. Super Aussichten.

„Okay, wenn ihr jetzt so nicht reden könnt, dann mache ich einfach mal den Anfang. Was hast du eigentlich für ein Problem, Niklas? Ich wurde daraus irgendwie nicht so richtig schlau.“

„Ja, was? Hast du es nicht gesehen? Aktuell ist er das Erbe für das Haus. Was soll der Schwachsinn? Ich habe da genauso ein Anrecht drauf. Wer entscheidet das überhaupt?“

„Du hast aber schon gesehen, dass Madleen auch mit dabei ist, oder? Willst du ihr deswegen das Leben ebenfalls so zur Hölle machen? Mal drüber nachgedacht? Denkst du überhaupt mal nach? Was ist so besonders an dem Haus, hmm? Außer, dass der Stern „Kucki“ über uns wacht. Und? Dadurch sind wir trotzdem keine Heiligen. Akzeptiere es doch einfach. Oder soll ich Madleen jetzt die Haare ausreißen, nur weil sie ebenfalls das Zepter übernehmen könnte?“

„Madleen ist ja auch was anderes. Sie ist eine Liebe und hat noch Ziele vor Augen. Wer weiß, wie das Haus mit dir aussehen würde?“

„Was laberst du da? Meinst du, ich habe keine Ziele?“

„Ich. Ähm.“

„Und was ist das Haus schon? Ein Haus. Und weißt du noch was anderes? Ich scheiß’ da aktuell noch drauf, weil ich einfach mein Leben leben möchte und es mir von dir nicht versauen lassen will, nur weil du so ein selbstsüchtiger, arroganter Arsch bist. Vielleicht ist das ja der Grund, warum aktuell so entschieden wird. Meinst du nicht?“

Und genau das ist Niklas sein Problem. Man kann ihn einfach nicht mit Fäusten schlagen, sondern eher mit Worten. Doch bei ihm fehlen mir oft die Worte und meine Fäuste wollen es eher regeln. Deswegen bin ich gerade froh, dass Joshi mit an unserer Seite sitzt. Er hat mich schon immer etwas gestärkt. Wenn er denn nicht gerade mit seiner Tierwelt beschäftigt war.

Schon ist er nämlich ruhig.

„Gut. Haben wir das geklärt? Das wäre nämlich ein Wunder. Habt ihr nicht Lust, draußen noch ein bisschen mit dem Football zu spielen? Ihr wärt bestimmt ein gutes Team.“

Wir schauen uns nur an. Nur ob es jetzt wirklich geholfen hat, wird sich zeigen. Mir ist es egal. Nur kommt er mir dumm, dann tu’ ich es ihm gleich.

„Hier fang. Haha. Vorsicht. Ich hau’ dir sonst die Rübe weg.“

Kurz haben wir sogar mal ein bisschen Spaß zusammen.

Es klingelt und langsam wird es hier draußen eh arschkalt. Mein Bruder scheint immer noch über das nachzudenken, was ich gesagt habe. Er bringt plötzlich kein Wort mehr raus.

So ziehen wir den Unterricht durch - nebeneinander.

Denn ich muss mich langsam auf meinen Auftritt in San Myshuno vorbereiten. Es macht mir Spaß vor anderen Leuten mit der Gitarre zu stehen und einfach nur zu machen. Das zeigt mir, dass ich doch nicht so ungesehen bin. Und ich kann abschalten.

„Sagst du Mam, dass sie nicht vergessen soll, dass ich noch den Auftritt habe? Nicht, dass sie wieder eine Vermisstenanzeige aufgibt.“

Auf geht’s. Mit dem Bus fahre ich gut eine halbe Stunde. Überall habe ich Zettel drangeklebt, dass ich mal ein bisschen spielen möchte. Wäre schon geil, wenn das jemand gesehen hat. Und wenn nicht, dann irgendwann mal.

Erst spiele ich einfach so vor mich hin und schaue, ob sich jemand zu mir umdreht.

Doch dann gebe ich alles und zeige, dass ich spielen kann.

Ich merke zwar, dass sich Sims um mich versammeln, aber ich muss mich konzentrieren. Ich wäre nur nervös. Also spiele ich das Lied, was ich für meine Schönheit geschrieben habe. Etwas schnulzig, aber viele hören doch sowas. Das muss jetzt aber einfach mal raus.


Wohin auch immer du gegangen bist - ich werde dich finden!

Ich werde dir Blumen auf dem Weg hinterlassen, damit auch du mich findest.

Das rockt total und ich bemerke, wie sich die anderen Sims über das Lied unterhalten. Schade, dass nur die Schönheit das Lied nicht hört, für die das gedacht ist.

Um 17:30 Uhr ist dann Feierabend. Ich werde noch schnell in den Einkaufsladen flitzen. Vielleicht treffe ich sie ja noch an. Hab solch einen Durst vom Singen, Schon krass, sowas zu singen.

Ich packe also meine Gitarre zusammen und mache mich auf den Weg. Ich habe mich gefreut, dass wenigstens schon ein paar zugehört haben.

Bis ich Onkel Valentino sichte. Er hier?!

„Hey, was suchst du denn hier? Also nicht, dass es doof ist, dass du hier bist, aber ich wunder mich nur.“

„Na ja, wenn ich lese, dass mein Neffe hier spielt, dann möchte ich mir das gern anschauen. Oder komme ich etwa zu spät?“

„Ein bisschen. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich dich doch abholen können. Aber ich spiele bald wieder. Würde mich freuen, wenn du dabei bist.“

„Ja.“

Zum Abschied umarme ich meinen Onkel noch. Wird nämlich langsam doch etwas spät. Ich schaffe es nicht mehr in den Laden. Dann eben morgen.

Als ich nach Hause komme, herrscht immer noch die Weihnachtsstimmung. Voll dunkel hier. Aber gemütlich. Schade, dass ich jetzt hier nicht mit meinem Mädchen so kuscheln kann. Ich weiß immer noch nicht, wer du bist.

Doch ich bleibe dran.


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