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  • Kucki 232

Folge 72 - Nicht ohne Euch


 

Zweite Winterwoche: Samstag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: Silvester

Erzähler/in: Marc

 

Tja. Schon wieder ein Jahr um. Die Zeit rennt an einem vorbei und wir feiern schon wieder Silvester. Aber ein Gutes hat es ja: Wir sind bislang immer noch nicht umgezogen. Warum auch? Es ist schön hier.

Meine Familie ist schon beim Frühstücken, als ich ins Esszimmer komme. Sie machen sich alle Sorgen - das spüre ich. Ja, mir geht es wirklich schlecht. Trotzdem komme ich drüber hinweg. Irgendwie.

Es geht aber friedlich zu. Das ist schon mal schön. Ich rede auch nicht wirklich. Was soll ich auch sagen?

Der Streit zwischen Niklas und Emilio geht mir nur sehr nahe und Emilio und Joshua kommen bei mir immer an und wollen einen Rat, wie sie die Mädchen handhaben müssen. Sie jammern rum, dass sie nichts auf die Reihe bekommen. Auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht. Doch es ist einfach zu viel im Moment.

Mein Ältester holt mich aus meinen Gedanken raus.

„Hey, Paps. Komm mal her. Ich kann das nicht mehr mit ansehen, wie du in deinen Gedanken versinkst und so mies drauf bist. Lass dich knuddeln.“

Ganz ehrlich? Das brauche ich im Moment. Ich schaffe das einfach nicht ohne sie.

„Ich hab dich lieb und egal was ist: Wir stehen das durch, okay? Die Duvans geben nie so schnell auf.“

Das baut gerade so richtig ordentlich auf. Denn wie gesagt: Auch ich habe mir Gedanken gemacht. Und so rede ich direkt Klartext. Ich rufe Emilio und Niklas zu mir.

Aber so richtig weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Bis dann irgendwann doch mal was passiert.

„Hört zu. Ihr wisst, dass es mir in letzter Zeit ziemlich beschissen geht. Erst meine Eltern, dann der Job und ihr noch obendrauf. Könnt ihr nicht einfach gut sein lassen und euch vertragen? Verdammt, was soll ich denn noch machen, damit Friede herrscht? Ihr führt euch auf, wie kleine Kinder, die sich gegenseitig im Sandkasten die Förmchen klauen. Wisst ihr eigentlich, was ihr mir damit antut?“

„Paps hat recht. Ich bekomme ja am besten mit, wie ihr euch selbst in der Schule an die Kehle geht. Warum eigentlich? Habt ihr wirklich solch eine Langeweile?“

Die Unterstützung von Joshua tut mir gerade richtig gut.

Bis die beiden Streithähne mich einfach nur schweigend anschauen.

„Tut mir einfach den Gefallen, okay? Ich möchte nicht immer euretwegen in die Schule kommen. Und auch du, Emilio, reiß dich mal zusammen. Du bist kein kleines Kind mehr und mit 15 sollte man doch schon etwas erwachsener sein. Blödsinn machen, okay, aber bei dir geht es oft über Blödsinn hinaus. Hör auf damit.“

Schließlich schauen sich die beiden an. Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich etwas zittere. Ich habe Angst, dass es nur für den Moment ist.

„Okay“, sagt Emilio schließlich. „Denke, das bekommen wir hin, oder? Oooooder?“ Dabei schaut er Niklas böse an. Na ja, böse nicht. Eindringlich.

„Okay“, sagt schließlich auch Niklas.

Beide stehen auf und nehmen sich in den Arm. Es darf einfach keine Momentaufnahme sein und ich musste einfach mal was sagen. Es macht mich sonst kaputt. Wir sind eine Familie.

„Versprecht mir, dass es nicht nur für den Moment ist, okay?“

„Komm mal her, Paps. Es tut mir leid, okay? Du hast absolut recht. Wir dürfen uns nicht so in die Wolle bekommen. Wir reden nachher in Ruhe. Versprochen.“

Es ist immer Niklas, der Emilio dazu anstachelt, wütend zu werden. Warum auch immer er das lustig findet, aber es ist alles andere als lustig. Emilio hat eine aggressive Ader, die er versucht unter Kontrolle zu kriegen. Doch wir wissen ja selbst, wie er immer ins Fettnäpfchen treten kann.

Mein Sohn nimmt mich in den Arm, was mir richtig guttut. Das hätte ich schon lange machen sollen.

„Ja, Paps. Es tut mir leid. Ich werde mich bessern.“

Dann wäre das ja schon mal geklärt. Ich behalte die beiden trotzdem im Auge. Hinter meinem Rücken kann viel passieren. Deswegen bitte ich Joshua, mir zu berichten, sobald irgendwas ist. Anders geht es nicht.


Ich gehe in die Küche, um noch etwas aufzuräumen, da Silvester heute trotzdem nicht so trostlos aussehen soll. Ein bisschen möchte ich dann schon noch machen. Joel kommt schließlich mit dazu und hat auch noch was auf dem Herzen.

„Paps? Können wir morgen bitte meinen Geburtstag feiern? Bitte, bitte. Ich möchte nicht, dass nichts ist. Geht das?“

„Äh, ich. Was sagt Mam denn dazu?“

„Sie sagte gerade, dass uns eine Party guttun würde und ich ruhig feiern soll, hihi.“

„Äh, aber ich.“

„Paps, bitte. Ich werde nur einmal 15. Bitte, bitte. Bitte.“

Wie er mich anschaut. Da kann ich einfach nicht „Nein“ sagen. Er hat schon recht.

„Also gut. Wir feiern morgen.“

„Cool. Danke. Du bist der beste Paps. Hab dich lieb.“

Das geht doch runter wie Butter.


So. Drei Sachen noch und dann kann das neue Jahr starten. Diesmal muss sich auch Joshua etwas anhören.

„Es ist zwar schön, dass du mir die ganze Zeit die Ohren vollheulst, wie anstrengend Mädchen doch sind, aber hast du dabei bislang einmal auf dein Herz gehört?“

„Wie bitte? Wie meinst du das?“

„Na ja. Du ignorierst die Mädels, obwohl ich dir doch ansehe, dass es da ein Mädchen gibt. Ich bin doch nicht doof. Ich war früher auch so. Recht verschlossen und wollte alles ausblenden. Bis ich dann meine erste Freundin kennenlernte. Auch sehr schüchtern. Wir haben es nie so wirklich geschafft, ein Wort auszutauschen, bis Verena mir dann ein Herzkissen vor die Tür legte. Ich wusste sofort, dass er von ihr kam.“

„Mam, war nicht deine erste Freundin? Stimmt das also wirklich?“

„Ja. Aber darüber rede ich ungern. Gib du dir wenigstens einen Ruck und räum mal etwas in deinem Chaos da auf. Marianne, Veronika und Alina. Wow, die drei mögen dich echt. Aber gib es zu. Da ist eine ganz bestimmte mit dabei.“

„Nun ja. Ich.“

Da muss ich nur schmunzeln.

„Ruf sie an und dann klär das.“

Warum soll man denn auch ewig hinter seiner Liebe herlaufen, wenn jeder Tag zählt? Ich möchte auch keinen einzigen Tag mit Emily missen.


Später ist dann auch mein anderer Sohn dran. Er kann nämlich auch ganz schön nerven und ich muss jetzt einfach mal Klartext reden.

„Und du entschuldige dich bitte bei Naomi. Mach es doch einfach. Was ist dabei? Wer weiß, wie sie das damals alles aufgenommen hatte und möchtest du echt ein Mädchen so ängstlich sehen, obwohl du in sie verliebt bist? Ruf sie an und klär das.“

„Was?! Aber.“

„Mach doch einfach. Was hast du zu verlieren?“

„Meinst du, ich bekomme hier im Haus nichts mit? Ich bin Detektiv. Schon vergessen?“

Was ist auch dabei, jemandem seine Gefühle zu gestehen? Ich habe auch lange gebraucht, bis ich mich bei Emily geöffnet hatte. Doch ich wusste, dass es der richtige Weg war. Und diesen bereue ich bis heute nicht.


„Und ihr Lieben. Wollen wir jetzt endlich mal Silvester feiern oder weiter hier so trostlos rumsitzen?“

Wie schnell doch plötzlich alle ihre Jacken schnappen und nach draußen rennen. Denn eine große Sache liegt sowieso noch an. Das neue Foto für unser Album muss geschossen werden. Sechzehn Familienfotos haben sich in diesem Album schon verewigt.

Ich muss noch viel mit meiner Familie aufarbeiten. Kaum war ich für ein Gespräch offen und habe sie mit ihren Problemen allein gelassen. Nur, weil ich mich hinter irgendwelchen Gesetzbüchern und Recherchen versteckt habe. Diese Familie ist einfach zu wertvoll.

Also legen wir los. Möge der Spaß beginnen.

Und ich kann endlich auch mal wieder lachen.

Ein gelungener Nachmittag neigt sich dem Ende und wir hatten richtig viel Spaß. Endlich lachen wir alle mal wieder. So viel Spaß haben wir eigentlich zu selten.

Wir wärmen uns auf und die beiden Schmutzfinken verschwinden im Bad. Derweil bereite ich das Abendbrot zu.

Und mein Sohn hat es doch ein wenig verstanden, auch wenn er gerade etwas zu mutig ist, mit dem Vorsatz, dass er in einer Woche gerne eine Freundin haben möchte. Na dann. Viel Spaß. Da muss ich doch erstmal schmunzeln.

Und auch Joshua hat es verstanden. Er ruft Veronika und Alina an. Marianne nicht? Wird seine Gründe haben.

10 Minuten später sind sie auch schon da. Viel bekomme ich jedoch nicht von dem Gespräch mit. Wie es wohl ausgehen wird?

„Kann ich mit euch beiden mal draußen reden?“

Emilio wiederum ist erst ganz verzweifelt, weil er ja gar nicht Naomis Nummer hat. Doch weiß er, dass sie mit Marcel befreundet ist. Wunderbar. Auch er ist schließlich mutig und ruft Naomi an.

Doch auch hier bekomme ich leider nicht viel mit, da die beiden sich verpieseln. Trotzdem wünsche ich den beiden, dass es gut ausgehen wird.

Und jetzt bin ich erstmal dran, denn ich habe meiner Frau auch noch eine kleine Botschaft zu übermitteln.

„Hör zu. Es tut mir leid, dass ich in der letzten Zeit nicht so für euch da war, wie ich eigentlich wollte. Das wird sich ändern, denn ich habe heute die Aufgabe meiner Detektei beantragt. Mir ist es egal, was über mich erzählt wird, denn ich weiß, wo ich hingehöre und was wichtiger ist. Und das ist nun mal meine Familie. Ohne euch, würde ich das hier alles gar nicht durchstehen.“

Und jetzt ist sie erst so richtig verwundert, denn sie bekommt jetzt den Kuss, den sie schon hätte viel eher bekommen sollen.

„Ich liebe dich und daran wird sich nie was ändern.“

„Ich dich auch.“


Jetzt bin ich auch umso mehr gespannt, was diese vier hier erwarten wird in Sachen Liebe. Ich habe noch viel vor mir.

Meine beiden ältesten Jungs sind schließlich auch mit ihren Gesprächen fertig. Sie schauen mich auch nur an. Wie soll ich das jetzt deuten? War meine Idee nun gut oder schlecht. Auf jeden Fall sind die drei Mädchen bereits nach Hause gegangen.

Gegen 18 Uhr klingelt es an der Tür. Oh, Valentino ist spontan vorbeigekommen. Das freut mich gerade sehr. Ich dachte, er wollte heute bei seiner Familie sein. Nun gut. Dann kann ich ihm heute auch nochmal ein „Danke“ dalassen. Er ist und bleibt mein bester Freund.

„Hey, wie geht's dir, Marc?“

„Jetzt besser.“

„Sehr schön.“

„Dann lass uns feiern.“

Kommt nur noch von ihm und verschwindet nach drinnen. Er freut sich schon sehr auf Joels Geburtstag morgen. Einige können leider nicht kommen, weil es dann doch ein bisschen zu spontan wurde, aber die Bude wird trotzdem wieder rappelvoll, wie ich die Familie kenne.


Und so verbringen wir den restlichen Abend zusammen.

Bis das neue Jahr eingeläutet wird. Jetzt kann ich mit gutem Gewissen auch das neue Jahr beginnen.

„Frohes Neues, Paps.“

„Frohes Neues.“

In jeder Ecke wird sich umarmt.

„Danke, Valentino, dass du vorbeigekommen bist.“

„Klar. Wir sehen uns nachher. Meine müden Knochen müssen dann doch langsam mal ins Bett.“

Und so bin ich gespannt, was bei meiner Mission mit Joshua und Emilio rausgekommen ist. Hat es funktioniert?

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