top of page
  • Kucki 232

Folge 73 - Der verpeilte Geist


 

Erste Frühlingswoche: Sonntag

Geburtstag: Joel

Event/Feiertag: Geburtstagsparty

Erzähler/in: Joel

 

Ich freue mich darauf, dass ich euch heute meine Geschichte erzählen darf. Nur, das Problem ist, dass ich noch nicht wirklich wach bin, nachdem wir Silvester gefeiert haben. Es war ein wunderbarer Tag und ich hatte sehr viel Spaß.

Auch wenn in der letzten Zeit viel passiert ist, freue ich mich sehr auf meinen Geburtstag. Dass Paps zugesagt hat, hätte ich nie gedacht. Doch so kommt er ja auch mal auf andere Gedanken.

Nun stelle ich aber erstmal fest, dass ich sehr, sehr lange geschlafen habe, denn alle anderen sind schon fertig mit essen. Upsi.

Niklas ist in letzter Zeit sehr in Gedanken. Er sitzt oft nur da und lächelt. Warum auch immer. So wie jetzt. Was ist mit ihm passiert? Sonst ist er nie so. Und meine Lieblingsschwester ist auch nicht lange weg.

„Wollen wir heute richtig dolle feiern? So richtig, richtig dolle?“

Meine Schwester ist irgendwie knuffig. Mam hat ihr ja mal versucht beizubringen, dass wir doch keine Magier sind, aber das versteht sie irgendwie nicht. Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden und denke sogar manchmal, dass alles nur ein Traum war. Vielleicht gibt es Shadow und Melody ja gar nicht.

„Ist das schlimm, wenn dein Geschenk etwas später kommt? Ich habe das rechtzeitig bestellt, aber die Post lässt sich ganz schön Zeit.“

„Nein, alles gut.“

Ich hoffe ja, dass ich ganz viele Spiele bekomme. Die „Neverending Story“ hat ja ein Addon bekommen. Finde ich voll cool.

Trotzdem muss ich mich ja erstmal waschen. Denn ich habe Mam gefragt, ob wir schon etwas früher meinen Geburtstagskuchen essen können. Und nachher älter werden möchte ich nicht.

Die anderen warten auch schon. Hm, die Stimmung ist irgendwie nicht so toll. Habe ich vielleicht einen Fehler gemacht und wir hätten die Party doch lieber nicht machen sollen? Ich meinte es ja nur gut.

Alle gucken so traurig. Bin ich ja auch noch. Ich habe keine Großeltern mehr und das tut weh. Noch mehr tut es weh, dass sie heute nicht dabei sein können.

Ich mache das beste draus und puste einfach die Kerzen aus. Eins ... zwei .... uuuuund ....

Geht doch. Kurz kommt doch etwas Stimmung auf, hihi.

Erstmal wird ordentlich geknuddelt. Von überall gibt es Glückwünsche. Nur eben nicht wie sonst, wo man irgendwas noch feierlich sieht. Ich seufze nur, als Paps mich umarmt. Es tut mir so leid.

Und meine Lieblingsschwester gibt mir einen Megaknuddler. Ich habe euch ja mal erzählt, dass ich das eigentlich nicht so mag. Aber sie darf das.

Geschenke gibt es später, wenn wir alle unten sind. Und zocken lohnt sich jetzt auch nicht mehr. Also ziehe ich mich noch etwas nach draußen zurück. Heute ist der erste Frühlingstag. Der Schnee ist noch da, aber ich spüre, wie die Temperaturen milder werden und sogar die ersten Vögel singen schon.

Bis unten schließlich alles fertig ist und es kurz vor 14 Uhr ist. Die Party kann losgehen und wir werden endlich mal auf andere Gedanken kommen. Hoffe ich zumindest.

Ach ja: So sehe ich jetzt übrigens aus.

So ein „kurz vor 14 Uhr“ kann sich ganz schön hinziehen. Wird halt noch etwas gezockt. Ich verbringe immer noch sehr viel Zeit mit spielen. Was soll ich auch sonst machen?

Bevor meine Party aber richtig begonnen hat, ist die Stimmung wieder dahin. Mam geht ans Handy und plötzlich steht sie auf und verschwindet ganz schnell nach draußen. Was ist denn jetzt los?

Ich schaue mal nach. Als ich so zuhöre, sagt Mam nur Folgendes:

„Das ist jetzt nicht euer ernst, oder? Auf dem Weg hierhin? Wie bitte? Nein. Tu mir das jetzt nicht an, Nico.“

Erst habe ich nicht richtig verstanden, worum es geht, doch plötzlich fängt Mam an zu weinen.

„Alles klar. Weiß ich Bescheid. Ich .... Verdammt nochmal.“

Bis ich schließlich rausgehört habe, dass Onkel Valentino auf dem Weg hierher verstorben ist.

Ich winke die anderen nach draußen und alle setzen sich nach und nach mit dazu. Jetzt haben wir alle Gewissheit: Valentino ist tot. Nico wollte ihn hier absetzen, doch plötzlich ist er einfach so mitten auf dem Weg zusammengebrochen. Er war auf dem Weg hierher. Verdammt. Jetzt ist auch bei mir vorbei. Ich bin kurz dabei, alles abzublasen. Keine Party. Kein Spaß. Kein gar nichts. Ich mag nicht mehr.

Es herrscht Funktstille und während Mam noch am Telefonieren ist, nehme ich Paps in den Arm. Er wäre fast zusammengebrochen. Onkel Valentino war doch gestern noch bei uns und hat gefeiert. Warum ist das jetzt passiert? Warum heute?

Die Party kann jetzt auch nicht mehr abgebrochen werden, weil die ersten Gäste eintrudeln.

Clarissa wollte trotzdem kommen. Sie hätte es zuhause nicht ausgehalten, meint sie.

Und dann Paps. Schaut ihn euch an. Ich weiß gerade gar nicht so richtig, was ich machen soll. Die anderen genauso wenig. Und die Hütte wird immer voller.

Emilio schnappt sich seinen Fußball und verschwindet. Selbst bei ihm ist der Tag heute vorbei. So einen Geburtstag gab es wohl noch nie. Toll. Gerade meiner.

Selbst Madleen hat keine Lust mehr zu feiern. Es ist vorbei. Und auch ich kann jetzt nicht mehr. Mir kullern die Tränen. Da habe ich mich so auf heute gefreut. Alles für die Katz. Ich muss ständig an gestern Abend denken.

Irgendwann stehe ich dann doch auf und knuddle meine kleine Schwester durch. Irgendwas muss ich jetzt machen.

„Hey, komm mal her. Alles gut.“

Als ich reingehe, sehe ich Mam an der Bar. Sie trinkt Alkohol. Das macht sie eigentlich nicht. So ein trostloser Tag. Wir erzählen den Gästen, was gerade passiert ist und plötzlich sitzen auch sie nur noch stumm rum. Sie haben sich eh schon gefragt, was wir hier für Trübsal blasen.

Ich bin kurz davor, nach oben zu gehen und den Rechner anzuschmeißen. Ja, das mache ich. Wie soll ich mich denn sonst ablenken? Als ich jedoch nach oben gehen will, sehe ich auf einmal das:

Also, ich habe ja schon genug Geister gesehen, aber das ist doch Valentino. Er geht schnurstracks an uns vorbei, als wäre nichts gewesen.

Da gucken wir alle nicht schlecht. Ich falle vom Glauben ab. Wie soll das gehen? Was ist hier los? Träume ich wieder? Ist ja nicht so, dass es schon schlimm genug ist, aber das setzt gerade noch die Krone obendrauf. Ich spreche den Geist an.

„Ähm. Was ist das? Warum? Ich mein. Hä? Erklär mir das.“

Ich verstehe absolut Null.

„Wieso? Was ist denn los? Ich dachte, wir wollen feiern? Gut siehst du aus. Bin ich zu spät? Was schaut ihr alle so?“

„Äh. Also. Ich.“

Erst weiß ich gar nicht so recht, wie ich das sagen soll.

„Schau an dir runter. Du ähm. Du bist ein Geist?! Du bist eben gestorben. Auf den Weg hierher.“

Der Geist ignoriert das Gesagte und geht einfach rein. Mam sitzt immer noch da und hat ihr nächstes Glas angefangen. Oh je. Nicht nur, dass sie trinkt, ist gerade eine Katastrophe, sondern dass hier plötzlich auch ein Geist auftaucht.

Mam braucht eine Weile, bis sie registriert, was hier abgeht.

„Ähm. Habe ich schon ein wenig zu viel getrunken, oder ist Valentino gerade wirklich hier als Geist? Spinn’ ich?“

So wirklich kann das gerade keiner glauben.

Valentino fängt schließlich auch noch an zu tanzen und fragt sich immer mehr, was der Wirbel hier jetzt soll.

Paps kommt mit dazu und schaut den Geist entsetzt an. Er hatte sich nach oben verzogen und wollte erstmal für sich sein. Und jetzt das noch. Das ist doch bescheuert.

„Das ist nicht witzig. Das ist ganz und gar nicht witzig“, sagt Mam.

„Wenn ihr so weiter redet, dann gehe ich gleich. Ich hätte nie gedacht, dass ich so unerwünscht bin. Was soll das?“

Valentino scheint wirklich nicht zu verstehen, dass er ein Geist ist.

„Können wir jetzt endlich anfangen zu feiern? Was ist los mit euch? So fit wie heute habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Also auf geht's.“

Paps schüttelt nur mit dem Kopf und verschwindet wortlos im Kaminzimmer. Ich folge ihm. Also, ganz ehrlich? Wie ein Geburtstag fühlt sich das gerade ganz und gar nicht mehr an. Ich fühle mich schuldig. Wir hätten das nie machen sollen. Nicht feiern. Valentino wäre zwar trotzdem gestorben, aber er wäre jetzt vielleicht nicht hier. Ach, keine Ahnung. Mein Kopf dreht sich.

Tommy und Aurora gewöhnen sich jedoch langsam an die Situation und wollen das beste draus machen. Und Valentino versteht wirklich immer noch nicht, dass er tot ist. Er schnappt sich ein Glas Brause und tut so, als wäre nichts gewesen. Und ich? Nun ja. Verrückter kann es wohl nicht mehr werden.

Immer mehr kommen auf die Tanzfläche oder holen sich was zu essen.

Und Niklas steht immer noch wie versteinert da. Es ist so, als wäre sein Geist verschwunden und sein Körper steht hier nur noch rum.

Trotzdem fangen die Gäste an zu lachen und sie tanzen. Die Gespräche werden immer mehr und lauter, so dass es gerade etwas vergessen wird, dass hier gerade unser toter Onkel mitfeiern möchte, der noch nicht mal so lange tot ist. Clarissa war erst ziemlich sauer, aber mittlerweile ist sie froh, dass sie von ihrem Paps noch etwas hat und genießt die letzte Zeit mit ihm. So sehen das jetzt wohl auch die anderen.

Also geht es ans Geschenkeauspacken. Yes. Das Addon. Juhu. Cool. Werde ich morgen direkt spielen.

Vier neue Spiele bekomme ich. Kann das Jahr ja beginnen. Und schön, dass Paps trotzdem kurz wieder lachen kann.

Also wird ausgelassen getanzt. Also, fast ausgelassen. Aurelie und Madleen verstehen die aktuelle Situation nicht so ganz.

Und Fakt ist, dass wir meinen Onkel heute zum letzten Mal sehen. Insofern er nicht mit auf unseren Friedhof kommt. Das wäre schön. Er war oft bei uns.

Und Mam trinkt immer weiter. Warum jetzt plötzlich? Das hat sie nie gemacht. Nein, Mam. Das ist nicht gut.

Ich verpiesel mich kurz nach draußen und muss etwas nachdenken. Wie soll es jetzt weitergehen? So richtig Spaß habe ich heute nicht.

Bis plötzlich mein Handy klingelt. Ich schaue drauf und sehe, dass es Miguel ist. Er hatte mir damals seine Nummer gegeben, damit ich mit Shadow und Melody Kontakt haben kann. Als ich rangehe, ist Melody dran. Ich habe ihre sanfte Stimme richtig vermisst. Seit sie bei uns war, habe ich nichts mehr von ihr gehört. Nun weiß ich, dass das alles doch kein Traum war.

„Echt? Das ist toll. Klar zeige ich dir unsere Welt. Ich freue mich, dass es dir gut geht. Wann sehen wir uns wieder?“

Die Zwillinge haben damals das Reich kurz verlassen dürfen, weil sie uns unbedingt besuchen wollten. Seither blieben sie dort. Miguel und Ramon wollen jedoch das Reich jetzt bald schließen und so liegt es nun an uns, den Zwillingen die Welt zu zeigen. Ich kann es kaum erwarten, Melody wieder in den Arm zu nehmen. Sie ist so süß.


Wir telefonieren eine ganze Weile, doch dann wird es Zeit wieder reinzugehen. Bin richtig nervös jetzt. Das ist das einzige, was mit heute Positives passiert ist. Sie hat sich sogar noch an meinen Geburtstag erinnert. Musste mir unbedingt gratulieren. Und drinnen ist die Stimmung - nun ja.

Bis ich auch schließlich miterlebe, wie Niklas alles zu viel wird.

Und auch die Launen der anderen immer mehr in den Keller gehen. Sieht so eine Geburtstagsparty aus?

Und Valentino versteht immer noch nicht, warum alle so mies drauf sind. Schon verrückt. So einen Geburtstag erlebt man auch nicht alle Tage. Irgendwo ist es ja jetzt was Besonderes. Auch wenn es traurig ist.

Deswegen brechen wir die Party an dieser Stelle ab und sagen, Valentino „Lebe wohl.“

Bald geht es mir wieder besser und dann kann ich euch mehr aus meinem Leben erzählen. Was mich wohl so alles erwartet? Heute interessiert mich das aber nicht mehr. Ich möchte ins Bett.

 

Vergleichsbilder, von Joel. Einmal mit Marcs Frisur, damit man sieht, wie er ihm ähnelt. Viel Marc und ein bisschen Duvan steckt in ihm.













Hier das Bild, für seinen Steckbrief:



0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page