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  • Kucki 232

Folge 83 - Sorge um Niklas

Aktualisiert: 8. Jan.


 

Zweite Frühlingswoche: Mittwoch

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Emily

 

Oh, da bin ich dann wohl doch einmal kurz eingenickt. Hätte ich nicht gedacht, nach dieser qualvoll langen Nacht. Ich habe mir viele Gedanken um Niklas´ Verhalten gemacht. Es ist ja nicht so, dass Emilio schon so aggressiv ist, aber er versucht sich immer zu bessern. Aber Niklas? Das grenzt schon an Widerlichkeit. Besserung? Ich weiß nicht.

Also stehe ich nach den anderen auf. Es ist 7:35 Uhr. Sortieren und raus da. Denn ich habe da so eine Vermutung. Das aber jetzt auszusprechen, wäre nicht so gut. Erstmal muss ich mir sicher sein.

Die Kinder warten schon auf den Bus. Tut mir gerade total leid, dass ich verschlafen habe. Aber ich bin mies drauf. Meine Gedanken erdrücken mich schon wieder. Und diesmal habe ich wirklich guten Grund dazu.

„Hey, Mam. Alles in Ordnung? Was ist los? Ist jemand gestorben?“

„Nein. Ich. Hmpf. Komm mal bitte her. Ich brauche jemanden zum Knuddeln. Wo ist Paps?“

„Erstmal musst du vorlieb mit mir nehmen, Mam. Paps ist unten und trainiert. Ach, menno. Komm mal her.“

Ich gehe ins Esszimmer und denke nach. Niklas verhält sich im Moment recht ruhig. Vielleicht irre ich mich ja auch nur.

Doch dann muss ich mit ihm reden. Hier und jetzt.

„Niklas? Kommst du mal bitte ins Esszimmer?“

Er setzt sich zu mir.

„Mam, ich muss gleich in die Schule. Was ist los?“

„Kann ich dann nachher mit dir reden? Es ist wichtig.“

Und da ist es wieder. Dieser böse Unterton. Als wenn es Gift ist, mit jemandem zu reden. Er ist gerade total angeekelt.

„Wenn es sein muss. Aber dann nachher schnell, da ich mich noch mit Marianne treffe.“

Hmpf.

Die Kinder gehen nach unten zum Bus und jetzt bin ich erstmal mit meinen Gedanken allein. Ich mache den Haushalt und dann gehe ich einfach gleich zu Marc runter und heule mich aus. Anders geht es nicht.

Ich muss ja eh nach unten und die Tiere versorgen. Kurz schaue ich bei meinem Mann vorbei und er sieht sofort, dass was ist. Das ist immer so. Hat der andere was, schlagen die Alarmglocken.

Er steht auch sofort auf und nimmt mich in den Arm.

„Hatte ich ja recht damit, dass du eine unruhige Nacht hattest. Was ist los? Kann ich helfen?“

„Nein, ich. Ich muss erst noch weiter drüber nachdenken. Nachher mache ich unnötig Wirbel deswegen.“

„Ich komm´ klar. Irgendwie. Nein. Ich komme nicht wirklich klar. Wenn die Kinder nachher aus der Schule kommen, möchte ich mir Niklas rausziehen und mit ihm reden. Schau dir doch sein Verhalten an. Was sollte das gestern? Das tut weh.“

Marc nickt nur.

„Du hast recht. Seine Art geht wirklich zu weit. Natürlich reden wir nachher mit ihm.“

„Danke. Ich lieb´dich.“

Ich gebe meinem Mann einen Kuss und mache mich dann ans Werk. Wieder mit diesen Gedanken. Es schmerzt. Wenn ich das nachher nicht rauslasse, dann gehe ich kaputt. Aber wie? Nachher mache ich alles noch schlimmer, wenn ich mit meiner Vermutung rausrücke.

Doch schließlich sitze ich wieder mit diesem Gesicht oben:

Ich gehe in den Flur und schaue mir die Bilder meiner Eltern an. Kann das wirklich sein? Mam? Paps? Ich könnte euch jetzt ganz gut gebrauchen. Ich weiß nicht weiter. Ich habe Angst.

„Hey. Was ist los? Was hast du? Ist es wegen Ahnin Kucki? Macht sie dir Angst? Rede bitte.“

„Marc. Ich.“

Hmpf. Ich bekomme immer noch keinen Ton raus. Ich brauche Zeit. Es ist in der letzten Zeit einfach zu viel gewesen.

„Nachher.“

Ich gehe ins Wohnzimmer, wo auch gleich mein Handy klingelt. Es ist Tommy. Er findet es schade, dass wir kaum noch Kontakt haben. Immerhin sind wir beste Freunde. Selbst er merkt langsam, dass sich hier was verändert. Und ja - es stimmt. Ich ziehe mich wirklich langsam immer mehr zurück. Das darf nicht passieren. Also kommt Tommy gleich vorbei. Vielleicht tut es jetzt gut, ihn zu sehen. Ablenkung wäre wirklich angebracht.

Wir fallen uns auch sofort in die Arme. Das hat mir doch etwas gefehlt. Tommy ist zwar immer auf unseren Partys, aber ihr habt ja gesehen, dass ich nicht so wirklich mit ihm rede dort. Selbst mit Annika nicht. Oder Steven. Oder alle anderen.

„Hey, Großer. Tut mir leid. Ich.“

„Alles gut.“

„Was ist denn überhaupt los mit dir? Ich merke doch, dass was nicht stimmt. Du meldest dich kaum noch. Selbst wenn ich eine SMS schreibe, kommt nichts. Was ist, hmm?“

Erstmal muss aber auch Marc seinen besten Freund begrüßen. Er lässt kaum jemanden an sich ran, aber bei Tommy ist das anders.

Doch ich kann halt immer noch nicht reden. Nicht jetzt, wo er hier ist. Was soll ich ihm denn sagen? Das ist es ja. Ich darf eigentlich mit niemandem darüber reden. Tommy ist etwas irritiert.

„Du kannst mit ihm doch genauso darüber reden wie mit mir. Was ist denn los? Also langsam mache ich mir echt Sorgen.“

„Nein, das ist es ja. Kann ich eben nicht. Marc, ich drehe bald durch.“

„Ja, dann rede.“

Marc ruft unseren Freund zurück, aber was soll das denn jetzt bitte ändern?

„Ich verliere im Moment alle um mich herum. Meine Geschwister leben nicht mehr lange und dann ist da noch die Sache mit. Mit. Ja, mit Niklas halt.“

Trotzdem bekomme ich hier auch nicht mehr raus. Wir gehen ins Wohnzimmer. Ich bekomme mit, wie Marc irgendwas zu Tommy sagt, aber ich frage nicht nach.


Die Kinder kommen 20 Minuten später nach Hause. Mir geht es jetzt so richtig mies. Jetzt, wo Niklas gleich hier hochkommt. Soll ich ihm wirklich sagen, was ich auf dem Herzen habe? Er wird mich doch auslachen.

Im Flur höre ich nur Emilio fluchen. Hier ist echt was los. Oh je. Benny kommt uns auch noch besuchen. Selbst mit ihm habe ich kaum noch Kontakt. Warum eigentlich?

„Was ist denn eigentlich mit dir los, Emilio? Du bist ja total aufgebracht.“

„Man, ey. Ich bin einfach zu dumm, ein Mädchen anzusprechen, was sich mit mir treffen will. Alter. Boah. Ich mach´doch eh alles falsch. Guck mich doch an. Ich raste aus. Ich. Boah. Maaaaan.“

„Äh. Einmal tief durchatmen und dann nochmal von Anfang an.“

„Nein, Mam. Wie willst du mir dabei helfen, hmm? Das ist mein Problem. Nicht deins.“

Puh, da fühle ich mich ja gleich wieder viel besser.

Er nimmt es mir wohl immer noch übel, dass ich Naomi zu uns eingeladen hatte. Ich habe ein wenig mit ihr geredet und sie möchte dem Ganzen eine Chance geben. Aber ihr seht ja, wie Emilio nun drauf ist. Auch das muss ich noch klären.

Mein Sohn schnappt sich auch nur seine Sportsachen und knallt die Tür zu. Er joggt immer, um sich abzureagieren.


Tja. Und dann ist da noch die Sache mit Niklas. Ich muss mit ihm reden. Es geht einfach nicht anders. Also rufe ich ihn in die Küche. Es würden zu viele Ohren davon mitbekommen. Und das darf nicht sein.

Wir stehen da also so in der Küche und Niklas ist auch sehr entspannt. Das ist schon mal gut. Erst bekomme ich gar kein Wort raus. Aber dann:

„Unsere Blutlinie besteht aus mehreren. Wir haben alle großen Blutlinien miteinander vereint. Also fast. Irgendwie.“

Erstmal schaue ich auf seine Reaktion, bevor ich fortfahre. Er hört mir zu. Das ist schon mal gut.

„Ich weiß nicht, warum das überhaupt alles so gemacht wurde, aber ich weiß, dass eine Blutlinie auch aus schwarzen Magiern bestand. Witzigerweise die von meinem Paps. Theo war damals ein schwarzer Magier und auch Margit. Und ich … ähm. Ich.“

Bevor ich jedoch weiterreden kann, funkt mir mein Sohn schon dazwischen.

„Worauf willst du hinaus, hmm? Dass ich böse bin? Ein schwarzer Magier? Schwarze Gene? Was auch immer?!“

„Es wäre auf jeden Fall möglich. Selbst Paps hatte dadurch ein paar Einschränkungen, aber er konnte damit leben. Er …“

Meine Worte verschwinden langsam im Wind.

„Oh, man ey. Du bist hier die, die nicht normal ist. Warum sagst du sowas, hmm? Warum redest du nicht mal lieber mit Emilio? Ist der jetzt auch sowas? Hmm? Verdammt. Echt, ey.“

Seine Worte werden immer lauter.

„Du spinnst doch echt total. Hörst du dich eigentlich mal reden? Haha. Obwohl. Wenn ich so drüber nachdenke, dann wäre der Gedanke irgendwie doch gar nicht so schlecht. Schwarze Magie. Cool. Dann kann ich endlich mal alle in die Luft jagen, die mir auf den Keks gehen.“

„Das ist nicht witzig.“

„Natürlich ist es das.“

Plötzlich wird Niklas wieder ruhiger.

„Niklas? Du kommst jetzt sofort mit. Spinnst du? Komm. Abmarsch.“

Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Habe ich jetzt alles noch schlimmer gemacht? Wie in Trance gehe ich nach unten. Ich muss jetzt einfach raus.

Einige Stunden sitzt ich hier und starre auf den Teich. Bis es irgendwann zu kühl wird und ich wieder nach oben gehe. Warum jetzt? Warum quält man mich so? Was ist, wenn ich recht habe?


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