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  • Kucki 232

Folge 84 - Friede, Freude, Eierkuchen?!

Aktualisiert: 8. Jan.


 

Zweite Frühlingswoche: Donnerstag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Joshua

 

Ich habe nachgedacht, wisst ihr? Heute möchte ich die Familie zusammentrommeln und dann wird mal geredet. Ob ich damit was erreichen kann, wird sich zeigen.

Ich habe nämlich noch viele Pläne und hoffe, dass mich Ahnin Kucki nicht auserwählt. Man hat in den letzten Tagen viel mit uns geredet und uns erklärt, was das damit alles auf sich hat. Beängstigend und es bleibt dabei: Es ist immer noch nicht meine Welt. Kann man mich dazu zwingen? Jeder andere kann auf diese blöde Kette aufpassen.

Meine Geschwister versammeln sich nach und nach im Esszimmer. Das passt sich gerade gut. Kann ich schon mal ansprechen, was ich vorhabe.

Denn eigentlich geht es zum größten Teil um ihn.

„Sag mal. Tut es dir eigentlich nicht selbst schon weh, dass du so ein, ähm. Ein Großkotz bist? Entschuldigung, für die Ausdrucksweise, aber anders weiß ich nicht, wie ich es beschreiben soll.“

„Ich finde nämlich, dass wir uns alle mal zusammensetzen sollten.“

„Ja, was du da gestern geliefert hast, das war unter aller Sau. Checkst du eigentlich nicht, dass du Mam damit wehtust? Es ist schon gut, dass Paps dir erstmal Hausarrest gegeben hat. Meine Güte.“

Hm, schämt er sich gerade etwa? Ich kann das nicht deuten. Er schämt sich.

„Ich kann nichts dazu, okay? Was weiß ich, was da in meinem Kopf rumspukt, aber das belästigt mich. Was weiß ich?!“

„Etwas spukt in deinem Kopf rum? Wieso hast du mit unseren Eltern nicht drüber gesprochen? Stattdessen machst du uns hier alle so an.“

Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es Zeit wird. Die Schule wartet. Unsere Schule wird immer noch umgebaut, aber mit den Geldern haben sie sich ein wenig verkalkuliert. Also sind wir noch in dieser anderen coolen Schule. Homeschooling wird auch bald abgeschafft, weil viele gar nicht ihre Aufgaben machen. Ist ja auch doof so.

Na ja, egal. Erstmal waschen und dann geht es los. Ich bereite mich auch auf den Nachmittag vor. Das Gespräch muss jetzt einfach mal sein. Wir sehen uns später.


****


Da bin ich wieder. Etwas nervös bin ich ja schon, aber einer muss mal auf den Tisch hauen. Was hier so in der letzten Zeit an den Tag kommt, das ist schon grausam. Immerhin waren wir mal eine richtig harmonische Familie und jetzt sind wir Chaos.

Ich trommle auch direkt alle zusammen. Mir jetzt egal. Können gleich ihre Sachen weitermachen.

Und da sitzen wir. Mam und Paps sind erst etwas überrascht, weil sie so brav am Fernsehen gucken sind, aber das ist mir jetzt egal. Sie wissen noch von nichts.

„Was willst du jetzt eigentlich? Meinst du, hier nach ist alles Friede, Freude, Eierkuchen?! Nur weil der heilige Joshi spricht?“

„Das möchte ich erreichen, ja.“

„Denn hört einfach mal zu. Was hier in der letzten Zeit abgeht, ist wirklich nicht witzig. Mam hat eine schwere Aufgabe zu erledigen und wir benehmen uns wie die kleinsten Kinder. Wir sollten Mam unterstützen und einander. So sehe ich das. Unsere Familie ist etwas Besonderes und das sollte nicht in Kleinkrieg ausarten. Deswegen, Mam. Komm mal her! Ich hab dich lieb.“

Mam nehme ich in den Arm, denn ich würdige das, was sie tut.

„Danke, Joshi.“

„Ja, aber dann soll Niklas aufhören, so eine Scheiße zu sabbeln. Dem stopfe ich sonst mal das Maul.“

„Na ja, mein Sohn. Du darfst dich aber auch nicht provozieren lassen. Du gibst ihm ja immer Kanonenfutter.“

„Was geht überhaupt in dir vor, dass du Emilio immer so runterziehst? Es muss doch einen Grund geben. Was ist los?“

Mam und ich stehen die ganze Zeit zusammen und schauen uns nur an. Das ist das erste Mal, dass wir richtig reden. Sie sagt mir auch, dass ihr sowas gefehlt hat.

In allen Ecken wird diskutiert und sich mal so richtig ausgekotzt.

„Alter, was bist du jetzt so kleinlaut? Haben wir dir so die Sprache verschlagen? Würde mich ja auch mal interessieren, warum du so ein Arsch bist. Na los. Erzähl.“

„Ich habe auch schon oft Zeiten erlebt, da ist Niklas der netteste Kerl. Als ob jemand einen Schalter umlegt. So zumindest mein Gefühl. Aber ich finde, wir sollten das jetzt alle gemeinsam anpacken, oder nicht? Ich finde schon.“

Und hinter mir macht sich selbst Aurelie bemerkbar und knuddelt Mam so ordentlich durch.

Wir reden noch eine ganze Weile. Niklas kann sogar mal eine Zeitlang lachen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass etwas mehr dahintersteckt, als er nur behauptet. Er sagt, dass etwas in seinem Kopf rumspukt. Hm, was? Hört er Stimmen? Ist er psychisch krank? Oder steckt da viel mehr hinter?

Wie dem auch sei: Ich genieße gerade den Moment sehr. Endlich lachen wir mal wieder zusammen.

Dieser Niklas da vorn ist nämlich schon wieder ganz anders.

Nur, ist das nur für den Moment so oder können wir uns wirklich endlich mal zusammenraufen? Selbst am Esstisch ist immer Funkstille. Jeder macht hier sein Ding. Das ist doch schade.

Ich habe mich nicht mal so richtig getraut, hier mit Alina aufzukreuzen. Wir waren also immer irgendwo anders. Ich wollte es ihr nicht antun, was hier so abgeht. Und auch nicht mit unserer magischen Aufgabe. Bevor das Durcheinander hier nicht beseitigt wird, brauchen wir auch nicht über sowas zu sprechen.

Denn wisst ihr auch was? Ich hatte mein erstes Mal mit Alina und niemand hat davon mitbekommen. Aber gut, das interessiert eigentlich auch keinem. Ich werde bald 18 und da sollte man die Erfahrung wie ein Mann angehen. Hätte nie gedacht, dass ich jemals so reden werde. Und es war schön. Wir waren draußen im Wald am Picknicken und dann führte das eine zum anderen. In der Natur sein erstes Mal ist echt ein Traum.

So, hihi. Ich schweife ab. Ich habe nämlich noch so einiges, was ich heute abklappern möchte.

Denn Niklas soll wissen, dass wir ihm nicht egal sind. Also rufe ich wen an.

„Hey, hast du kurz Zeit? Ich würde gern mit dir reden.“

Denn ich habe gesehen, dass mein Bruder wirklich in Marianne verliebt ist. Was das auch letztens immer war, aber das war nicht Niklas. Also habe ich sie angerufen. Und wenn ich schon so am Telefonieren bin, kläre ich noch eine ganz andere Sache. Ich hole Veronika und Alina dazu.

Marianne war wohl in der Nähe. Sie war keine zwei Minuten später da.

Wir sind immer noch gute Freunde und das soll auch so bleiben. Aber erstmal warte ich auf die beiden Schwestern. Auch hier möchte ich mich heute aussprechen. Danach kümmere ich mich um Marianne und Niklas.

Durch den Vorhang sehe ich, wie Alina um die Ecke huscht. Dieses hübsche Wesen. Holla. Ich stürme sofort raus, um ihr so einen richtigen Zahnklammerkuss zu verpassen. Man, bin ich froh, dass dieses Ding bald weg ist.

„Meine Schwester kommt gleich. Sie redet wieder nur Blödsinn.“

Aber genau das möchte ich heute ebenfalls aus der Welt schaffen. Die beiden zicken sich total an wegen mir und als Alina dann noch erzählt hatte, dass wir nun ja. Also das halt gemacht haben, da ist sie ganz durchgedreht. Meine süße Freundin wird morgen volljährig. Schade, dass sie die Schule verlässt. Wir wollen wahrscheinlich den gleichen Job als Naturschützer annehmen. Irgendwie sowas. Hauptsache, wir helfen der Natur.


Zehn Minuten später kommt Veronika mit dazu. Sie sagt nichts.

„Kann ich denn heute mal normal mit dir reden? Ich finde es nicht nett von dir, dass du unsere Freundschaft so runterziehst.“

Veronika schaut uns beide nur an. Sonst immer recht giftig, aber heute irgendwie gleichgültig. Ich mag die beiden Schwestern sehr und selbst mit Veronika ist es was Besonderes. Nur, dass ich mit ihr eben mehr über Gott und die Welt rede und mit ihr trotzdem Bäume ausreißen kann.

„Liebe Veronika. Bist du sicher, dass du das verkraften wirst, was ich gleich vorhabe? Wir bleiben immer beste Freunde und machen weiter, wie damals?“

„Ja, was? Ich glaube, es kann heute nichts Schlimmeres passieren, oder?“

Ich bleibe sogar richtig cool und ruhig. Ich lasse mir nichts anmerken. Nicht Joshua Duvan.

Also nehme ich meine beste Freundin in den Arm und sag ihr, wie lieb ich sie habe und dass sich an unserer Freundschaft nie was ändern wird. Doch, ob das reicht, wird sich gleich zeigen.

Denn ich liebe nun mal Alina. Sie hat mir immer diesen Halt gegeben und war nie beleidigt, wegen irgendwas und so. Irgendwann hatten wir immer mehr zusammen unternommen. Tja. Und jetzt stehen wir hier.

„Was meinst du, meine Zuckerschnute - wird sie gleich ausrasten oder meinst du, sie bleibt wirklich mal cool?“

Man muss ja auf Nummer sicher gehen.

Denn ich küsse sie jetzt einfach vor Veronikas Augen. Das war schon mal Schritt 1. Wenn sie locker bleibt, dann habe ich da noch was.

Denn ich falle vor Alina auf die Knie. Tja, damit hat dann wohl keiner gerechnet. Ihr wohl auch nicht.

„Alina, Zuckerschnute.“

„Oh man“, kommt nur von Veronika. Tja, da muss sie jetzt durch.

„Wir sind so gut wie erwachsen und können unser eigenes Leben führen, insofern unser Schicksal es denn zulässt. Ob im Haus der Generationen oder oben in dem Häuschen, was wir uns in Henford angeschaut haben. Ich möchte mit dir glücklich sein und eine riesige Pfadfindergemeinschaft aufbauen. Die Kinder können noch viel von uns lernen und. Oh, ich schweife ab. Ich wollte dir nur sagen, dass ich froh bin, die Frauen für mich entdeckt zu haben und

dass es außer der Schmetterlinge noch andere sensationelle Dinge gibt. Danke. Ich liebe dich. Und deswegen frage ich dich hier und jetzt: Willst du mich heiraten? Also nicht sofort, aber bald dann irgendwann so. Keine Hektik. Wir haben Zeit.“

Ich hole den weltbesten Bioring aus meiner Tasche, den ich selbst gebastelt habe, aus Dosenverschlüssen. Da lag einer so da rum und das darf natürlich nicht sein.

Außerdem setze ich mein schönstes Zahnklammerlächeln auf. Da muss sie doch einfach „Ja“ sagen.

„Hihi. Na klar möchte ich, mein Pummelbäckchen. Hättest dir aber bis morgen Zeit nehmen können. Das wäre das schönste Geburtstagsgeschenk aller Zeiten.“

„Oh, stimmt. Sorry. Bin manchmal etwas verpeilt.“

Alina schaut sich ihren Bioring an. Ich bin gerade so happy und kann es kaum glauben.

Und was Veronika gerade macht, ist mir egal. Ich wollte nur besiegeln, wie wertvoll eine Freundschaft trotzdem sein kann, auch wenn ich mit der Schwester ins Bett hüpfe. Na, ist doch so.

Schließlich drehe ich mich zu ihr hin.

„Und? Hast du jetzt irgendwas zu sagen oder können wir heute Abend darauf anstoßen, liebe Veronika?“

„Ich habe es verstanden, okay? Okay. Ich freue mich für euch. Echt. Aber dann hab du auch mal wieder etwas mehr Zeit für deine beste Freundin, okay? Seit du mit Alina rumturtelst, unterstellst du mir immer was, aber wann haben wir das letzte Mal richtig miteinander geredet, hmm?“

Oh, da hat sie recht. Da muss ich mal drüber nachdenken.

Schließlich möchte ich es drinnen verkünden. Meine Familie sollte es natürlich auch schnell wissen. Marianne steht da immer noch wie angewurzelt. Sie hat mir erzählt, dass sie sich letztens mit Niklas gestritten hat. Sie mag ihn, aber seine andere Art hätte es fast kaputtgemacht.

Also erzähle ich erstmal die freudige Nachricht, dass ich jetzt verlobt bin. Plötzlich sind alle ruhig und schauen mich nur an.

Doch dann umarmen mich alle und gratulieren.


Marianne hat es mittlerweile gut verkraftet, dass ich nicht mit ihr zusammen gekommen bin. Ich habe ihr Leben gerettet und sie befreit, aber mehr konnte ich dann doch nicht für sie entwickeln, was ich aber zuerst dachte.

Jetzt habe ich nämlich erstmal nur noch eine Sache zu erledigen, bevor es mit Alina in mein Zimmer geht. Und was wir da machen, ist meine Sache.

„Hey, Marianne. Ich wollte dir auch nochmal sagen, wie gern ich dich habe und ich möchte dich als gute Freundin behalten. Es gibt da nämlich jemand ganz anderes, der total in dich verschossen ist, auch wenn man es nicht so leicht mit ihm hat. Er ist aber ein Lieber. Glaub mir. Ich werde mit ihm reden und ihm helfen.“

„Okay.“

Daraufhin nimmt sie mich nur in den Arm.

„Niklas? Komm mal bitte her. Ich weiß, dass du kein Miesepeter bist und Marianne wirklich sehr liebst. Warum zeigst du ihr es nicht einfach mal? Den Rest bekommen wir dann auch noch hin.“

Erst ist er ja so richtig skeptisch vor den anderen, aber dann:

Ich werde demnächst mit Marianne reden und ihm von diesen Phasen erzählen. Die bekommt man doch irgendwie ganz bestimmt weg. Das hörte sich wirklich gruselig an. Ist da wirklich was in seinem Kopf?

Schaut sie euch an:

Marianne bleibt noch eine Weile bei uns, aber redet keinen Ton. Das deute ich mal als gutes Zeichen. Es ist okay.

Denn mir ist es wichtig, dass alle wieder zusammenrücken. Wir haben immerhin noch eine schwierige Aufgabe vor uns.


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