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  • Kucki 232

Folge 85 - Willkommen bei uns

Aktualisiert: 8. Jan.


 

Zweite Frühlingswoche: Freitag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Emily

 

Hm, ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass Alina bei uns übernachten wollte. Die beiden waren gestern so lange im Zimmer, aber habe gar nicht darauf geachtet, ob sie nach Hause ist oder nicht. Und nun sitzt sie da ganz gemütlich an unserem Tisch und futtert. Die anderen sind bereits in der Schule.

Sie ist nur am Kichern und Grinsen. Was haben die beiden da veranstaltet? Das kann es nicht sein. Noch ist Joshua keine 18. Da braucht er sich nichts einbilden.

„Äh, ich wusste nicht, dass du geblieben bist. Ihr habt aber nicht, oder?“

„Nein, hihi. Also, Nein. Nein. Haben wir nicht, hihi. Ehrlich.“

Ob ich das glauben soll? In dem Moment kommt mein Mann um die Ecke und auch er wird es nicht glauben, wenn wir uns das Mädchen so anschauen.

Nachher muss ich doch mal ein Wörtchen mit Joshua reden. Also so einfach geht das jetzt nicht.

„Wir haben nur auf den Betten gesessen und geredet. Nichts weiter.“

Nichts weiter. Klar.

Marc sagt da gerade nichts zu. Er ist heute wieder so ruhig. Irgendwas belastet ihn. Werde ich nachher mal rausfinden, was es ist. Das Gespräch mit Joshi tat aber gut. Er war sehr mutig.

Alina macht sich auf nach Hause. Habe ich das gerade richtig gesehen, dass sie nur ein Hemd anhat? Uff. Natürlich hat sie ein Schlüppi an, aber jetzt hier so mit nackten Beinen rumzurennen. Nein, das gehört sich nicht. Sie fühlt sich hier ein bisschen zu sehr wie zuhause.


Ich muss dann auch erstmal runter und die ganzen Sachen erledigen. Macht sich leider nicht von selbst, das Ganze.

„Na, du süßes Federvieh. Wie geht es dir? Hihi.“

Später bekomme ich einen Anruf von Melania. Oh, ist was mit den Zwillingen? Eigentlich ruft sie ja hier nicht einfach so an. Es ist schade, dass ich sie nicht näher kennenlernen konnte bislang. Sie scheint sehr zurückhaltend zu sein. Melania war bis vor kurzem noch die dritte Frau von meinem großen Bruder Valentino. Ich denke noch so oft an ihn.

„Ja, hi. Äh. Ist alles in Ordnung?“

Es geht tatsächlich um die Zwillinge. Sie fragt, ob sie bei uns wohnen könnten, weil Melania das nicht mehr schafft. Die beiden wollen die Welt entdecken und alles wissen, aber sie kann leider nicht mehr so, wie sie gerne möchte. Das Alter lässt grüßen.

„Äh, wir haben aber auch nur begrenzt Platz und ich habe ja mit meinen sechs Teenies schon sehr viel um die Ohren. Äh. Können sie nicht wieder ins Reich? Ich wollte eh noch mit Ramon und Miguel sprechen.“

„Hmpf. Ja, du hast recht. Das Reich wäre der letzte Ort. Ja, stimmt. Aber. Puh. Ich muss da erstmal mit Marc drüber reden. Ich melde mich nachher nochmal. Sorry, dass ich nicht sofort zusagen kann.“

„Na ja ich. Äh. Ich. Wir. Wir überlegen es uns. Ja, ich mag die beiden ja auch.“

Marc weiß natürlich, worum es geht und er scheint damit nicht wirklich einverstanden zu sein. Kann ich aber auch verstehen. Acht Teenies unter einem Dach? Das ist die Hölle, hihi. Aber wir sind doch eh den ganzen Tag zuhause und ich habe mich mit abgefunden. Es ist okay. Früher wollte ich immer nur feiern. Deswegen gehe ich sofort zu meinem Mann und rede mit ihm.

Die Chance nutze ich dann auch noch einmal, um herauszufinden, was mit ihm los ist. Doch erstmal ist Schweigen angesagt.

Bis er mich dann schließlich unsicher anschaut und sagt:

„Bist du sicher, dass du die beiden aufnehmen möchtest? Das bedeutet viel Verantwortung und wir haben schon genug um die Ohren. Das mit dem Reich ist auch noch nicht ganz vom Tisch. Bist du echt sicher?“

„Marc. Vielleicht ist es ja genau deswegen. Wegen des Reiches. Ich finde, wir sollten uns um sie kümmern. Sie können doch nicht mal richtig in die Schule gehen. Was ist das für ein Leben? Madleen und Joel würden sich freuen. Sie können ihnen doch auch alles zeigen. Sie sind alt genug.“

„Na ja. Weil ich etwas anderes auf dem Herzen habe. Da würde das mit den Zwillingen nicht so ganz ins Zeitfenster passen.“

„Ahaa. Jetzt komme ich der Sache doch schon etwas näher. Was passt denn bei dir nicht so ins Zeitfenster? Ist das der Grund, warum du so ruhig bist? Hey, egal was ist: Wir packen das schon irgendwie. Klein Emily macht das schon.“

„Na ja. Ich bin am Überlegen, wieder Detektiv zu werden. Mir fehlt das und ich bin noch lange nicht zu alt dazu. Schön, dass ich mit dem Schnitzen etwas in die Kasse spülen kann, aber ich möchte wieder etwas Forderndes machen, verstehst du?“

Oh, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Dann kann ich ihn verstehen. Er würde ja oft bis in die Nacht arbeiten. Und morgens dann die lauten Kinder.

„Ich verspreche dir, dass wir das schon hinbekommen werden. Ich spüre, dass die Zwillinge uns jedoch auch brauchen. Ahnin Kucki hat sich leider schon länger nicht mehr gemeldet. Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll mit der Kette. Aber die Kinder brauchen uns. Das weiß ich.“

Deswegen rücke ich zu Marc rüber und gebe ihm einen ordentlichen Kuss. Wenn er Detektiv sein möchte, dann soll er das machen. Und ich bin die magische Mam, hihi.

„Ich lieb dich.“

„Ich dich auch.“

Schließlich nimmt er meine Hand und geht zum alten Büro. So wirklich haben wir hier noch nichts gemacht. Er hängt noch sehr daran. Hätte ich eigentlich auch schon eher drauf kommen können, dass er wieder Detektiv sein möchte. Oft sitzt er gedankenverloren hier rum und starrt die Tür an. Das tut mir leid, dass ich das nicht gesehen habe.

„Mir sind auch die Mails egal. Ich habe mich umgeschaut und es gibt viele Kanzleien, die Interesse an mir hätten. Da wäre ich nicht so auf mich allein gestellt. Ich kann nur nicht in der Kanzlei von Valentino arbeiten. Das bringe ich nicht übers Herz. Er fehlt mir immer noch so.“

„Okay, ich verstehe. Komm mal her, mein süßer Blondschopf. Dann melde dich bei einer Kanzlei und ich unterstütze dich, wo ich kann.“

„Okay, danke.“

Ein bisschen fällt ihm ja ein Stein vom Herzen, aber er weiß auch, dass es nicht einfach sein wird. Und dann komme ich noch mit den Zwillingen an.

Als ich mich dann auf seinen Stuhl setze, sehe ich das Bild von meinem Bruder. Zu dem Zeitpunkt sind wir hier eingezogen und er hat uns geholfen. Er fehlt mir so.

„Und bist du sicher mit den Zwillingen, Emily? Du weißt, dass das ein ordentliches Durcheinander wird.“

„Ja, ich weiß. Aber wir sind nicht allein. Ich denke, Madleen und Joel werden sich freuen und helfen.“

„Und wo sollen sie schlafen?“

„Können wir nicht bei Madleen und Aurelie ein Bett reinstellen und dann bei Joel eins? Heißt ja nicht, dass Shadow bei Madleen schlafen soll und Melody bei Joel, hihi.“

„Äh, nein. Das wäre keine gute Idee.“

„Wir können ja die Ecke hier freiräumen. Aurelie spielt doch da eh nicht mehr mit.“

„Okay, okay. Dann ruf Melania an und sag ihr, dass die beiden einziehen dürfen. Wird zwar lustig, aber nun ja. Nur ich möchte gerne mal wissen, was da eigentlich zwischen den vieren läuft, weißt du da was?“

„Äh, ne. Aber das werden wir dann ja rausfinden.“


Ich rufe also Melania an und sage ihr, dass die beiden bei uns wohnen können. Marc fährt derweil in den Baumarkt und kauft zwei Betten. Werden sogar direkt hinterhergeliefert. Wunderbar.

Und so richten wir es den beiden einigermaßen ein, damit sie sich wohlfühlen. Das wird eine richtige Überraschung nachher geben, hihi.

Wunderbar. Passt doch alles.

Ich bin so vertieft beim Aufräumen und Umräumen, dass ich gar nicht mitbekomme, wie die Kinder nach Hause gekommen sind. Bin gespannt, wie sie reagieren werden. Melania kommt so gegen 16 Uhr vorbei.

So geselle ich mich zu meinen Kindern und versuche nichts zu sagen.

Doch dann:

„Wäre es okay für euch, wenn Shadow und Melody hier einziehen würden?“

Joel schaut mich ja erst total desinteressiert an.

„Was, Mam? Die beiden ziehen hier ein? Wirklich? Das ist ja megacool. Echt? Ja?“

Und Madleen wiederum ist ganz aus dem Häuschen.

Joshua und Emilio schauen nur kurz mit einem Stirnrunzeln hoch. Toll, hihi.

Doch auch Joel muss langsam lächeln.

„Wäre das denn wirklich okay für dich? Ich dachte mir nur, weil ihr so eine Bindung zu den beiden habt und Melania sich nicht mehr richtig um sie kümmern kann.“

Mein Sohn schaut hoch und sagt in einem ruhigeren Ton als nun Madleen eben:

„Nein Mam. Alles gut. Ich finde die Idee klasse. Ist wenigstens heute mal eine gute Nachricht. Habe nämlich eine 5 geschrieben. Nein, ich freu’ mich.“

Joel und eine 5? Wie hat er das denn geschafft? Hat er etwas wieder Nächte durchgezockt? Ich glaube, ich muss da mal besser aufpassen. Jetzt sowieso, wenn die Zwillinge zu uns kommen.

Und da klingelt es auch schon. Marc macht auf und eine glückliche Melania kommt mit den beiden Rothaarigen durch die Tür. Viel Gepäck haben sie zum Glück nicht, hihi.

„Hey. Schön dich wiederzusehen. Ich hoffe, es geht dir gut.“

„Ja, alles bestens. Ich habe noch Clarissa um mich. Das reicht mir, hihi. Soll euch übrigens schön grüßen von ihr.“

Melania ist eine sehr exotische Frau aus Sulani. Sie pflegen dort ihre eigenen Rituale und Traditionen. Sie ist sehr nett, aber konnte nie so richtig mit unserer Kultur etwas anfangen, meinte Valentino mal. Deswegen finde ich es trotzdem gerade schön, wie sie sich zu uns setzt und sogar lachen muss, während die Zwillinge erstmal bei uns ankommen.

Shadow und Melody haben sich stets bemüht, alles richtigzumachen, aber vieles klappt einfach nicht so, wie sie wollen. Also helfen wir ihnen ab sofort. Melania ist wie eine Mutter zu ihnen.

Schließlich zeige ich den beiden dann auch, wo sie schlafen können. Melody scheint noch nicht so ganz begeistert zu sein. Ich dachte, sie würde sich freuen.

„Was ist denn los? Gefällt es dir nicht bei uns?“

„Doch, aber es ist alles so ungewohnt bei euch. Ich kenne so viele Dinge nicht und ich möchte nichts falsch machen. Joel wird mich auslachen, wenn ich was falsch mache.“

„Was redest du da? Hier wird niemand was falsch machen.“

„Meinst du? Findest du? Wirklich? Das würde ich nämlich traurig finden, wenn er mich auslacht.“

Plötzlich stürmt sie mich an und nimmt mich in den Arm. Uff. Ja, wir haben noch viel vor uns.

„Weißt du? Ich war nämlich schon mal da draußen, aber die Leute haben dann immer so geguckt. Ich weiß nicht warum, aber alle gucken so.“

Ich finde es immer noch unvorstellbar, dass die beiden die Enkel von Fabian Collette sind. Annähernd nicht.

Den beiden werde ich helfen, wo ich kann und irgendwann komme ich auch dahinter, warum die Zwillinge in dem Labor waren. Es muss doch alles einen Grund haben. Aber erstmal:

„Schau dir alles in Ruhe an und komm erstmal bei uns an. Ich werde dir so lange deinem Bruder zeigen, wo er schlafen kann.“

Bei Shadow habe ich manchmal ein bisschen das Gefühl, als hätte er einen Clown geschluckt und im anderen Moment ist er der ruhigste Typ. Ich gehe mit ihm in Joels Zimmer und er bleibt am Fenster stehen. Er ist richtig interessiert an der Außenwelt. Melania hat mir gesagt, dass die beiden leider noch nicht allzu oft draußen waren. Sie musste selbst immer arbeiten und ohne Aufsicht wäre das nicht gut gewesen.

„Dir scheint es hier zu gefallen. Gerne zeigen wir dir alles.“

„Warum wohnt ihr eigentlich hier oben? Hier ist das immer so windig. Wind ist doof und man kann wegfliegen.“

„Nun ja. Wir ähm. Hier hat früher Marcs Paps gelebt und wir haben es übernommen. So schlecht ist es hier doch gar nicht.“

„Jo, aber danke. So ist es schon ganz cool hier. Nur der Wind ist böse, habe ich mir sagen lassen.“

Okay, auch bei Shadow merke ich, wie er im Reich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Zwillinge verhalten sich manchmal wie aus einer anderen Welt. Sehr mysteriös, aber auch interessant. Und wie er jemanden in den Arm nimmt, weiß er schon, hihi.

Das Jugendamt möchte ja immer, dass die beiden in die Schule gehen, aber das wäre nicht gut. Sie sind keine gewöhnlichen Kinder, was ich ja nicht einfach so sagen kann. Also hat Melania mit ihnen ausgehandelt, dass sie von zuhause unterrichtet werden können, insofern der Bildungsstatus stimmt. Toll.


Und was sagen die anderen so zu unseren Neuankömmlingen? Hihi. Aber das wird noch.

„Ich habe immer versucht, alles richtigzumachen, aber das ist manchmal gar nicht so leicht. Das Amt hatte schon Sorge, dass die Kinder nicht genug Bildung bekommen. Und ich weiß, dass du studiert hast. Da wäre das Jugendamt dann ruhiger.“

Und auch ich kann helfen, was ich Melody auch sofort zeige. Sie hat sich eines der alten Schulbücher von Joel geschnappt und legt direkt los. Wow, sie kann wirklich schon einiges.

„Haha, Melania, schau mal. Ich kann hier ganz viele Herzchen hinmalen und das eine Spiel, was du mir mal gezeigt hast. Guck mal, hihi.“

Nur mit dem Aufpassen hapert es bei der jungen Dame noch etwas.

Und hier beginnt unsere Geschichte nämlich erst. Ahnin Kucki hat für uns noch vieles vorgesehen und wir hoffen, bald wieder mit ihr Kontakt zu haben. Ich werde dem Reich wieder auf die Beine helfen. Doch bis dahin ist noch ein langer Weg zu beschreiten.

Viele Entscheidungen müssen getroffen werden. Doch ich bin ganz zuversichtlich.


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