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  • Kucki 232

Folge 90 - Das Tor


 

Erste Sommerwoche: Mittwoch

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: keiner

Erzähler/in: Emily

 

Puh, also diese Visionen werden immer heftiger. Ist das wirklich so dringend? Mir macht der Gedanke halt Angst, wieder Magierin zu werden. Die Gedanken, die den einen Tag wieder auf mich einströmten, waren einfach zu viel. Lieber hätte ich es dabei belassen, gar nichts davon zu wissen. Trotzdem macht es mich nachdenklich.

Ich stehe also früher auf und erwische die Kids noch beim Frühstücken. Mal schauen, ob sie Andeutungen machen. Hatten sie auch diese Vision?

Also frage ich mal nach:

„Hey, du. Hattest du heute Nacht auch eine Vision von Ahnin Kucki?“

„Ähm, nö. Sollte ich?!“

Hm, auch die Zwillinge haben wohl nichts mitbekommen. Ich wüsste sowieso zu gern, ob sie diese Visionen auch haben. Irgendwas muss sie doch zu uns geführt haben.

Verdammt. Was soll ich nur tun? Lastet wirklich ein ewiger Fluch auf uns? Ich dachte, es wäre damit erledigt, wenn ich einfach diese blöde Magie in einen Stein sperre. Nun sehe ich, dass es absolut nichts gebracht hat und ich alles noch schlimmer gemacht habe. Soll die Welt wirklich untergehen? Vielleicht ist es ja eine böse Stimme, die zu mir spricht? Mich manipuliert. Meine Sinne beraubt. Lass mich in Ruhe, wer auch immer du bist und sein willst.

Ich bin gerade total in Gedanken und alles zieht an mir vorbei. Hin- und hergerissen von etwas, was nicht sein soll. Vielleicht möchte Kucki auch nur die Kette klauen?

Ich sehe meinen Mann beim Frühstück und erzähle ihm von der Vision.

„Marc, sie hat schon wieder zu mir gesprochen und langsam geht mir das echt zu weit. Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Mal denke ich, ich sollte es machen und mal denke ich, dass genau das unser Weltuntergang wäre. Das ist doch Blödsinn, dass alles an Kucki hängt. Warum tut die Stimme mir das an?“

„Ich finde, du solltest einmal im Reich nachschauen und gucken, was Sache ist.“

„Marc, ich bitte dich. Du hast leider nicht auf dem Schirm, was damals passiert ist. Ich schon. Es gingen bei uns Sims ein und aus, die von Grund auf dunkel waren. Und wir haben es nicht bemerkt. Mam hatte mir so viele Geschichten erzählt. Was ist, wenn hier auch dunkle Mächte im Spiel sind? Ich bringe euch bestimmt nicht in Gefahr. Die Magie ist da, wo sie hingehört. Punkt.“

Marc steht auf und nimmt mich in den Arm.

„Und doch hat es die Familie immer geschafft, es zu besiegen, sonst würdest du jetzt hier nicht in meinem Arm sein, oder? Klar, auch ich kann mich irren, aber ich finde, wir sollten zumindest mal nachschauen.“

Normal ist mein Mann immer der, der etwas vorsichtiger ist und plötzlich der, der mich umstimmen möchte. Na toll.

„Also gut. Ich gehe ins Reich.“

„Und ich komme mit.“

„Nein, das könnte zu gefährlich werden.“

„Glaub mir, ich habe schon gefährlicheres erlebt. Schlimmer kann es wohl nicht werden.“

Hmpf.


Also räumen wir auf und machen uns fertig. Letztens dachte ich ja noch, dass ich das schon schaffe und es nicht schlimm werden könnte, aber jetzt? Puh. Mein Herz rast.

Wir gehen nach unten und Marc nimmt meine Hand. Dass er mir jetzt so beisteht, ist richtig süß. Trotzdem kann ihm viel passieren. Das möchte ich nicht. Meinem süßen Blondschopf tut niemand was an. Und so gehen wir nach Glimmerbrook. Weit ist es nicht und der Tag ist wunderbar, für einen Spaziergang.

Je näher wir dem Tor kommen, desto mehr bleibe ich stehen. Ich möchte wieder zurück, aber Marc rennt einfach weiter. Nicht, dass noch etwas in seinem Kopf ist und ihn steuert. Etwas Dunkles. Im Moment schließe ich gar nichts aus.

„Marc? Bleib mal bitte kurz stehen.“

Ich nehme seine Hände und schaue ihn an.

„Egal, was jetzt dahinter passiert, du bist bitte vorsichtig, okay? Ich könnte es nicht verkraften, wenn meinem süßen Blondschopf etwas passiert.“

„Klar.“

Und so gehen wir durchs Tor. Es gibt kein Zurück mehr. Na ja, irgendwie ja schon, aber Marc hätte mich ja eh gepackt und durchs Tor gezogen.

Als wir durchkommen, ist es jedoch sehr still hier. Ungewohnt still. Wieder so ein eigenartiges Gefühl. Als ob irgendwas nicht in die Umgebung passt. Verzerrt. Verloren. Ich weiß es nicht.

Bis ich schließlich Miguel finde. Er ist irgendwie total aufgewühlt und traurig. Was ist hier los?

„Hey. Was ist hier los? Kannst du mir was sagen? Und schön, dich wiederzusehen.“

„Das fragst du noch? Du hast uns den Auftrag gegeben, das Tor zu schließen. Das haben wir gemacht oder wollten es zumindest und dann ist Ramon plötzlich verschwunden. Aber weißt du was? Das ist mir langsam egal.“

„Ich habe doch sowieso schon alles verloren. Miranda ist tot und jetzt verschwindet auch noch mein bester Freund. Lass mich am besten in Ruhe und dieses blöde Tor schließen, okay? Lass es mich einfach machen und vielleicht verschwinde ich dann ja auch.“


Anmerkung: Miranda ist aus meiner alten Geschichte und eine magische Kopie von Aurora, weil Miguel damals total in sie verliebt war. So hat er sich eine vollbusige Dame gezaubert, da er so ein bisschen ähm, pervers ist, haha.


„Miranda ist tot? Oh, das tut mir leid. Und das mit Ramon auch. Ich. Das wollte ich nicht.“

Es ist also wirklich alles meine Schuld.

„Irgendwas sagt mir aber auch, dass wir das Tor nicht schließen dürfen. Was ist, wenn da was dran ist? Die Stimme meinte, dass davon die Welt untergehen könnte und alle Ahnen, außer sie, verschwunden sind. Miguel, ich könnte deine Hilfe gebrauchen.“

„Nein, das kannst du nicht. Was soll ich Opa denn schon groß machen?“

„Die Welt retten?“

Marc hat sich derweil im Reich etwas umgesehen und kommt nun zu uns.

Ich bemerke dieses Mädchen, das etwas abseits von uns steht.

Also gehe ich zu ihr rüber und frage mal nach. Komischer kann es ja dann jetzt wirklich nicht mehr werden. Oder doch?

„Hey, wer bist du denn? Ich habe dich noch nie gesehen? Hilfst du Miguel?“

„Hi. Ich.“

„Mit wem redest du, Emily?“

Hm? Er kann sie nicht sehen? Aber sie steht doch da.

„Also, ich weiß zwar, dass du verrückt bist, aber ich wusste nicht, dass du Halluzinationen hast. Langsam mache ich mir Sorgen.“

„Du siehst sie also wirklich nicht? Sie steht direkt vor uns.“

Marc geht in ihre Richtung, aber er scheint sie wirklich nicht sehen zu können. Ich glaube, ich drehe langsam wirklich durch. Das Mädchen steht auch nur da und sagt nicht wirklich was. Und wenn sie was sagen möchte, dann verstehe ich einfach nichts.

„Wo steht sie? Hier?!“

„Oder hier?“

„Kannst du deinem Mann mal sagen, er soll aufhören, mir ins Ohr zu hauchen? Geht das?“

Aber Marc ist eh schon wieder auf dem Weg zu mir.

„Wer bist du?“

„Ja, was meinst du denn? Ich habe dich nicht umsonst hier hergeholt, aber wir haben keine Zeit. Etwas Dunkles ist im Anmarsch und ich konnte das gerade noch aufhalten. Meinst du, dass du einfach sagen kannst, dass das Tor geschlossen werden muss? Emily? Das wäre fatal.“

Jetzt erst verstehe ich es.

„Ahnin Kucki?!“

„Ja, super. Cool. Endlich kommst du da mal drauf. Können wir jetzt endlich die Welt retten?“

„Also, hör mir einfach nur zu, okay? Es klingt zwar etwas komisch, aber ich habe mir den Körper von Ramon geschnappt, da ich irgendwie eine Verbindung zu euch brauchte und ich sowieso gemerkt habe, dass er ein schwarzer Magier ist. Ja, Ramon ist ein schwarzer Magier. Das versuche ich euch schon seit Ewigkeiten zu sagen. Aber da ist noch etwas in seiner Seele. Jemand anderes. Ich weiß nicht, wer. Was ich eigentlich damit sagen möchte ist: Bitte hilf mir. Bitte. Ich brauche dich.“

Die Ahnin habe ich mir jetzt eigentlich ganz anders vorgestellt. Aber Ramon und ein schwarzer Magier? Und warum sehen die anderen Kucki nun nicht? Warum nur ich?

„Du musst ein Teil der Magie wieder in dich aufnehmen, um die Kette beschützen zu können. Die schwarze Magie ist nicht beseitigt und solange liegt es an dir, diese zu beschützen. Aber sie sind dir auf den Fersen. Und glaub mir, Emily. Es wird schlimmer für deine Familie ausgehen, wenn du jetzt nicht handelst. Bitte geh zu Miguel und sage ihm, dass ich hier bin. Das versuche ich irgendwie schon seit Wochen, aber er sieht mich einfach nicht. Nimm die Magie in dich auf und dann sehen wir weiter. Wir haben keine Wahl. Das Schicksal liegt ganz allein nur in deinen Händen.“

Ich glaub’ das jetzt einfach nicht. Keine andere Wahl. Man. Wir fühlen uns so wohl in Windenburg und dann erfahre ich, dass Ramon ein schwarzer Magier ist? Na ja. War. Wie auch immer.


Ich zögere, aber schließlich gehe ich dann doch zu Miguel und kann meinem Schicksal wohl wirklich nicht entrinnen.

Das ist alles total verrückt. Ich muss immer wieder an früher denken. Als ein Mann bei uns war und es im Wohnzimmer plötzlich brannte. Wie soll ich denn bitte schwarze Magier erkennen, wenn ich es noch nicht mal bei Ramon geschafft habe? Er war so ein guter Freund. Wem kann ich denn jetzt noch trauen? Oder ist Kucki die Böse? Ich drehe langsam durch. Und daher beschließe ich, die Magie wieder an mich zu nehmen, damit ich mich gegebenenfalls gegen Kucki wehren kann. Wer weiß, was sie noch vorhat? Aber ich muss wachsamer werden.

„Na dann Emily. Willkommen zurück. Wenn sie dir das sagt, dann wird es wohl so sein. Aber lass mich bitte in Zukunft aus dem Spiel, denn ich habe keine Lust mehr und mir ist eh alles egal. Miranda ist nicht mehr und das ist schlimm genug.“

Miguel nimmt meine Kette und spricht ein Ritual aus. Ein Ritual, den nur die wirklichen Magier beherrschen. Er ist und war eben mein Wächter. Ich bekomme einen Stein zurück.

„Pass gut darauf auf.“

Ich gehe zurück zu Kucki und schließlich ist es sie, die mir meine Zauberkraft zurückgibt.

„Du trägst die Magie nun stets bei dir. Ob du sie verwendest oder nicht, aber dein Symbol auf dem Rücken wird sie auf ewig an dich binden. Und an den Zepterträger, wenn du einst nicht mehr bist.

Jetzt bist du die wirkliche Wächterin der Magie.“

„Und du? Wie geht es jetzt mit dir weiter?“

„Hm. Gute Frage. Das wird sich zeigen. Ich mache mir Sorgen, Emily. Solange man mich nicht sieht, ist gar nichts gewonnen.“

Und somit habe ich auch wieder das Symbol unserer Blutlinie. Einfach nur zwei hübsche Tattoos machen sich auf meinem Körper breit. Falls jemand fragen sollte. Denn Kucki meint, dass sie jeder sehen kann.

„Hör zu. Ich helfe dir, wo ich kann. Deine Welt wird niemand zerstören, okay? Deine Welt ist auch meine Welt und ohne meine Familie könnte ich gar nicht mehr.“

Marc und Miguel schauen nicht schlecht, als ich da plötzlich Luft umarme.

Mein Mann kann es immer noch nicht erkennen, was hier vor sich geht. Doch er weiß, dass ich jetzt etwas ganz Wichtiges an mir trage, was es zu beschützen gilt. Ich bin ab sofort die einzige reine Magierin. Und das wird immer so bleiben. Bis irgendwann diese Aufgabe eines meiner Sprösslinge übernimmt. Wer wird das wohl sein? Glaubt mir: Angst habe ich trotzdem.

Trotzdem muss das Leben weitergehen. Kucki meint, dass sie sich noch überlegt, wie sie uns beschützen kann. Ihre Verbindung ist noch sehr schwach. Oft steht sie einfach nur da und ich höre nichts. Doch hält sie weiterhin mit uns in den Träumen Kontakt.


Zuhause falle ich meinem Mann in die Arme. Ich fühle mich immer noch nicht besser als vorher. Normal eigentlich. Nicht stärker. Ich bin im Herzen einfach nur eine Mam, die ihre Familie beschützen möchte.

Und die ein bisschen Hokuspokus kann.

„Emily? Werden wir uns einig, dass du nicht im Haus zauberst?“

„Klar. Tschuldige. Aber vielleicht schmeckt das ja trotzdem, hihi.“

Aber dann kann ich es mir doch nicht so ganz verkneifen.

„Du müffelst, mein süßer Blondschopf, hihi.“

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel von damals noch weiß. Als wäre es nie anders gewesen. Doch ich weiß, dass noch ein langer Weg vor uns liegen wird und meine Angst immer da sein wird. Daran wird sich nie was ändern.


„Aber nun lass uns morgen erstmal Geburtstag feiern. Joshua hat sich eine ordentliche Party verdient.“


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