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  • Kucki 232

Folge 92 - Eingesperrt


 

Erste Sommerwoche: Freitag

Geburtstag: keiner

Event/Feiertag: Sommerferien

Erzähler/in: Joel

 

Nein, ich habe keine Lust. Ich bleibe jetzt den ganzen Tag hier liegen und mir soll alles egal sein. Konnte doch eh schon kaum pennen.

Doch irgendwann gewinnt die Blase und der Hunger. Ich schaue auf das leere Bett neben mir. Die Zwillinge haben sich immer noch nicht gemeldet. Irgendwo tut es ja weh, aber ich musste es Melody einfach sagen. Es musste raus.

Also geht es auf zum Frühstück. Es ist heute das letzte Frühstück mit meinem großen Bruder. Er hat mich oft aufgemuntert. Das wird mir fehlen. Einmal kurz grinsen und schon hatte er mich.

Seht ihr? Das meine ich.

Im Gegensatz zu Madleen redet er wenigstens mit mir. Meine Güte. Ich wusste nicht, dass sie so rumzicken kann.

Deswegen ignoriere ich das Ganze und bekomme gleich wieder Kopfkino, als Alina durch die Tür kommt. So wie sie aussieht, war das wohl eine wilde Nacht, haha. Mein Bruder ist einfach der beste. Oh man.

„Joel? Heute siehst du zu, dass du die Zwillinge wieder hierher bekommst. Was kann ich denn jetzt für den Kleinkrieg? Ich vermisse Shadow. Selbst bei mir meldet er sich nicht mehr.“

Und sie wird so richtig laut. Was kann ich denn dafür, wenn Shadow sich benimmt wie ein Kleinkind? Er hätte sich doch melden können. Der böse, böse Joel macht alles kaputt. Kennt sie überhaupt meine Version der Geschichte? Kennt sie überhaupt eine?

Oh, was hat Emilio denn vor?

„Hey, hör mal zu, du olle Zicke. Hör mal auf, hier so'n Stress zu machen, ja? Weißt du, wie sehr mich die Zwillinge nerven? Weißt du das eigentlich? Wie kleine Kinder sind die, Alter. Voll dumm drauf und so und seit die weg sind, ist hier endlich mal Ruhe. Und dann kommst du.“

„Pfff. Was willst du denn jetzt, du Klugscheißer? Du hast ja gut reden. Hast ja deine Perle.“

Schließlich steht sie beleidigt auf. Mam hat sich die ganze Sache jetzt auch nur angehört, aber nichts gesagt. Ja, kann ich verstehen. Sie hat ganz andere Probleme. Joshi zieht immerhin heute aus. Oh, man. Und dann kommen wir. Deswegen sage ich jetzt auch nichts weiter. Denn witzigerweise hat Emilio eben total recht gehabt. Aber so einfach ist es nicht, wie mit seinen Gedanken.

Also versuche ich mich abzulenken und gehe runter zu Mam. Sie ist schon im Garten zugange. Vielleicht kann ich ihr ja helfen. Und ich habe sowieso noch ein anderes Anliegen.

„Mam? Kann ich dir hier irgendwo helfen und ich wollte dich mal so beiläufig fragen, ob ich einen Hund haben kann? Mir ist da so einiges klar geworden und der Hund könnte mir helfen, endlich mal nach draußen zu kommen. Darf ich? Wir haben doch nachher den Platz. Bitte, bitte.“

„Einen Hund? Kannst du dich da überhaupt drum kümmern? Und außerdem hast du mir bis heute noch nicht erzählt, was da jetzt war mit den Zwillingen. Vielleicht solltest du damit erstmal anfangen. Wäre doch ein Anfang, oder?“

Mam findet das irgendwie witzig, dass ich so beiläufig erzähle, dass ich einen Hund haben möchte. Natürlich braucht er viel Aufmerksamkeit und so. Aber das ist ja das, was ich suche. Vielleicht tut es mir ja auch mal gut, Verantwortung zu tragen und ich komme raus. Jahrelang habe ich mich um die Zwillinge gekümmert. Habe getan und gemacht.

„Also?“

„Hm, okay. Melody kam die Nacht zu mir ins Zimmer und hat an mir gerüttelt wie blöd. Plötzlich fängt sie da mit Zukunftsplänen an und heiraten und keine Ahnung. Mam, es ist ja okay, dass sie sich Gedanken macht, aber Emilio hatte eben recht. Sie führen sich auf wie kleine Kinder. Ich möchte mit ihr kein Schloss beziehen und König und Königin sein mit einem Einhorn. Herrje. Das sind Gedanken, die wir früher mal hatten. Ich möchte eine Freundin, die ich küssen und in den Arm nehmen kann, verstehst du? Ich habe so viel versucht und war immer für die beiden da. Aber sie hängt förmlich an mir. Tut echt so, als wäre ich ihr Prinz. Mam, ich bitte dich. Ich habe ihr schon oft erklären wollen, wie das so läuft, aber sie lebt in ihrem Traum. Und das habe ich ihr gesagt. Danach ist sie einfach nur mit Shadow abgehauen.“

„Ich möchte endlich raus und mich nicht mehr in meinem Zimmer einsperren. Natürlich zocke ich gerne, aber entweder war ich eben am Zocken oder bei Melody im Reich. Und jetzt ist sie hier und ich fühle mich ... Hm, ich weiß nicht. Genervt. Bedrängt. Ich liebe sie richtig, aber ich kann nicht mit ihr zusammen sein. So nicht.“

Mam hört mir aufmerksam zu. Es tut gut, sich das mal von der Seele zu reden. Ich habe nicht mal Freunde. Habe alles für die Zwillinge stehen und liegen gelassen. Und das ist jetzt der Dank?

„Hm, ja. Du kannst mir helfen. Schau mal da vorn. Dort kannst du ernten. Eimer steht neben dem Hühnerstall.“

Also mache ich mich ans Werk. Mam sagt zwar nichts weiter dazu, aber das ist okay. Sie weiß ja nun Bescheid.

„Komm, ich zeig’ dir, wie das geht. Du musst nämlich vorsichtig sein und nie zu viel ernten.“

Ich wusste nicht mal, dass wir hier unten so viele Tiere haben. All das verpasse ich. Habe Mam zwar schon öfter mit bei den Hühnern geholfen, aber das war es auch. Aber hier laufen echt Hasen rum? Nie mitbekommen.

Und so helfe ich mit, während Mam mit Paps quatscht. Ob ich den Hund haben darf? Das wäre schön. Das wäre endlich mal ein Sinn, den ich hätte.

Später kommt Paps dann zu mir.

Und nimmt mich in den Arm. Das macht er eigentlich nie so richtig. Nur wenn irgendwas ist, wie Geburtstag und so. Aber genau das brauche ich im Moment. Ich bekomme es ja von allen Seiten, obwohl ich nur meine Gefühle rauslassen musste. Was habe ich denn auch groß gemacht in der letzten Zeit? In den letzten Jahren?

„Du möchtest einen Hund haben, sagt Mam? Hm, die Idee ist an sich nicht schlecht, da du endlich mal rauskommen würdest. Aber hättest du auch wirklich Zeit für das Tier? Würdest du auch wirklich mit ihm rausgehen und dich drum kümmern? Du weißt, wir haben es schon mit Haustieren versucht, aber du hast ja gesehen, was passierte.“

„Ja, Paps, ich weiß. Ich kaufe dem Hund dann auch Futter und so und kümmer mich um alles. Und wenn er zum Tierarzt muss, dann mache ich das auch noch. Dann gehe ich eben arbeiten. Hauptsache, ich mache was Sinnvolles.“

„Nein, das ist okay. Solange du dich um das Tier kümmerst, bezahlen wir dann auch alles. Aber sehen wir, dass du dich absolut nicht um den Hund kümmerst, dann musst du die Kosten wirklich selbst tragen. Das sei dir gesagt. Und du weißt, dass ich ziemlich gut beobachten kann.“

„Heißt das ja? Ja, Paps? So richtig ja? Ich darf wirklich einen Hund haben? Ja? Boah. Cool. Ich hab dich lieb. Ich. Juhu. Ich gucke gleich nach, wo ich alles bekomme. Ich spiele ja schon lange mit dem Gedanken und habe mich auch informiert, wie man einen Hund hält. Cool.“

Ich werde Mam und Paps auch nicht enttäuschen. Endlich macht alles einen Sinn und ich denke mal an mich. Immer drehte sich alles nur um die Zwillinge und das nervt tierisch. Auch wenn ich Melody liebe und dieses Gefühl schön ist. Aber gerade möchte ich es überdecken. Einfach etwas machen, was mir Spaß macht.

Im Internet schaue ich, ob der Hund noch da ist, auf den ich ein Auge geworfen habe. Ich wollte vorbereitet sein und hoffte immer, dass meine Elten „ja“ sagen.

Toll, der Hund ist noch da. Es ist ein kleiner Welpe, der dringend von einem Rentner weg muss. Seine Hündin hat geworfen, was eigentlich nicht so geplant war und er kann sich nicht um alle Tiere kümmern. Er hätte sogar noch Zubehör mit abzugeben. Wunderbar. Ich melde mich bei ihm und darf nachher vorbeikommen. Sein Sohn kümmert sich um alles. Na gut.

Mam setzt sich zu mir.

„Nun lass uns aber erstmal Joshi verabschieden, okay? Kommst du mit? Er wartet.“

Ja, und dieser Punkt wird mir jetzt auch nochmal so richtig schwerfallen.

„Da lässt du mich hier einfach allein, zwischen den anderen Verrückten. Ich werde dich vermissen, Großer.“

„Ich euch auch. Das glaub mal.“

Und da zieht er mit Alina von dannen. Meine Tränen kann ich dann doch nicht so ganz zurückhalten. Er wird mir sehr fehlen. Ja, er ist nicht aus der Welt, aber es ist dann doch etwas anderes, ihn nicht mehr am Frühstückstisch zu haben. Da ist ab sofort ein Platz frei.

Die letzten Schritte für Joshua im Haus der Generationen. Mach’s gut, großer Bruder.

Tja. Und nun stehe ich hier. Melody weg. Joshi weg. Die Vergangenheit löst sich auf und es bleiben nur Erinnerungen. Es sei denn, ich kann das mit Melody klären. Doch, möchte ich das auch? Wie soll ich ihr denn beibringen, wie man wirklich liebt? Hat sie überhaupt Gefühle für mich oder ist das alles nur ein Spiel in einer Märchenwelt?

Nein, ich möchte jetzt nicht darüber nachdenken, sondern nach vorn schauen. Ich muss nämlich in die Stadt. Es ist praktisch, dass der Hundebesitzer in Windenburg wohnt. Mache ich mich direkt auf.


*****


Ich war noch nie allein in einem Café. Es ist irgendwie ein schönes Gefühl, auch mal Dinge zu tun, die ich so nie wirklich gemacht habe. Und so viele andere Sims hier.

Die Gute an der Theke ist heute auch etwas überfordert, da ich einige Anläufe brauche, bis sie endlich mal verstanden hat, dass ich eine Limo möchte. Der Andrang ist gerade wirklich nicht ohne.

Und so warte ich und es stapeln sich immer mehr dort.

Endlich wird es mal was, doch ich habe noch kaum Zeit. Der Termin ist in 10 Minuten. Puh. Mal gut, dass es gleich um die Ecke ist.

Ich stelle mir gerade vor, wie das so ist mit so einem kleinen Hund. Das wird bestimmt aufregend.

Schnell austrinken und los geht es. Ich bin total aufgeregt.


*****


Ich bleibe gut eine Stunde dort und informiere mich ganz genau über den Hund. Mit ihm spiele ich und lerne seine Eigenarten kennen. Die Hunderasse ist auch nicht die größte, was ich auch sehr gut finde. Mit großen Hunden kann ich so nichts anfangen. Einfach nur ein kleiner Krümel, der bei mir ist und mit dem ich rumflitzen kann, reicht mir voll und ganz.

Der Rentner ist auch sehr begeistert von mir und würde gerne seinen Sohn bei mir rumschicken, der gerne schauen möchte, ob unser Haus auch geeignet ist. Das ist ein gutes Zeichen für tierliebe Sims. Während ich also mit ihm zurückfahre, wartet der aktuelle Besitzer noch auf ein „Go“, damit er alles zusammenpacken kann.

Als wir ankommen, ist Paps gerade draußen am Werkeln.

Der Mann schaut sich um und findet es sehr schön bei uns. Er lernt die anderen kennen, bevor dann das endgültige „Ja“ kommt. Da ich aber noch selbst was besorgen wollte, habe ich von meinem Taschengeld einen Hundenapf und eine Schlafdecke gekauft. Der Hund bekommt auch direkt das richtige Futter. Den Rest bekomme ich dann nachher noch mit dazu. Ich möchte zeigen, dass ich es ernst meine.

In meinem Zimmer kommt das Bett von Shadow raus und stattdessen wird da jetzt der kleine Jingles schlafen.

Jetzt heißt es also warten.

Und schließlich klingelt es an der Tür. So überglücklich war ich noch nie. Der Hund ist einfach nur süß und ich bin froh, dass Mam und Paps nichts dagegen haben. Ich werde beweisen, dass ich mich um den kleinen Stinker kümmern kann.

„Na du. Willkommen.“

Ich zeige Jingles auch gleich unser großes Grundstück. Das muss er ja riesig finden jetzt. Beim alten Besitzer gab es nicht so viel Platz. Eine kleine Terrasse und das war’s. Aber dafür geht der Mann dann gerne mit den Hunden Gassi.

So macht sich Jingles auf und erkundet alles.

Später sehe ich, dass Melody hier ist und mit meinen Eltern redet. Aber ich kann mit ihr einfach nicht reden. Ich möchte meine Ruhe haben und mich auf andere Dinge konzentrieren. Vielleicht später mal.

Da sie wohl noch eine Weile bleibe, verpiesel’ ich mich in mein Zimmer. Jingles fühlt sich in meinem Zimmer schon richtig wohl.

Und vielleicht probiere ich ja jetzt noch ganz andere Dinge aus?

Trotzdem merke ich, wie es wehtut. So richtig weh. Doch da muss ich jetzt durch. Sie ist die, die abgehauen ist. Aber ob es jemals mit uns was geworden wäre? Ich hatte mir es immer gewünscht, doch dann fing sie plötzlich wieder mit diesem Prinzessinnenscheiß an.

Über den ich einfach nicht mehr nachdenken möchte. Die Stimmung hier am Tisch ist dann schließlich auch nicht die beste. Es ist nämlich ab sofort ein Stuhl bei uns leer.


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