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  • Kucki 232

Kapitel 106 - Das Leben auf der Ranch (Teil 1)


 

„Willst du nicht aufstehen? Es ist 4 Uhr durch. Hopp, hopp.“

„Äh. Nö. Ich schlafe weiter“, knurre ich rum.

„Pff, das passt dir so. Komm schon. Kaffee und Frühstück ist fertig.“

Ich reibe mir die Augen und denke mir nur, wie man mich mitten in der Nacht wecken kann. Verdammt nochmal. Paps möchte, dass ich mich erhole und ich bin hier ein Sklave. Ich glaube, ich sage ihm das mal und dann holt er mich bestimmt ab, wenn er erfährt, was hier vor sich geht.


Aber gut. Ich tu´ dieser Frau den Gefallen und rappel mich auf. Heißt aber nicht, dass ich jetzt irgendwas mache.

„Hihi, geht doch.“

Als ich rausgehe, riecht es nach allem möglichen. Gebackenes Brot. Kaffee mit einem Mix aus öhm. Etwas undefinierbaren. Boah, und draußen ist es noch dunkel. Ey, das geht gar nicht.

Schläfrig schaue ich Frau Martinez an. Wie kann man nur in aller früh schon so fit sein und den Haushalt schmeißen? Das ist doch mitten in der Nacht?

Hmmmmmm, das schmeckt ja. Okay. Ganz anders irgendwie. Mehr Geschmack. Okay, wach werde ich davon trotzdem nicht. Ich bin so lustlos. So müde. Mann ey.

Ich habe aaaaaaabsolut keine Lust. Nöööööööö. Ich weiß nicht mal, welcher Tag heute ist. Boah.

Ich schaue mich um. Cool sieht es ja aus. Gemütlich. Dachte immer, so offene Räume sind total uncool. Und dachte, auf so einem Bauernhof ist es immer so dreckig. Okay, hier ist vieles altbacken und alles andere als modern, aber dreckig ist es nicht. Es stinkt ein bisschen nach Tier, aber nicht so schlimm, wie ich immer dachte.

„Dein Vater hat mir gesagt, dass du übermorgen Geburtstag hast. Es tut mir leid, dass du jetzt nicht zuhause bist, um feiern zu können. Aber wenn du möchtest, können wir doch auch was Schönes machen. Im Dorf sind immer Halloweenpartys. Vielleicht gefällt dir sowas ja.“

Was redet sie da? Übermorgen soll ich Geburtstag haben? Äh. Ich hatte das nicht mehr auf dem Schirm. Wollte doch eine Party schmeißen mit Katharina, Max und Co. Verdammt. Und jetzt ist alles ruiniert.

„Und wenn du magst, können wir nachher das Haus dekorieren. Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen.“

Mir wird jetzt erst so richtig klar, dass ich meine Freunde total vernachlässigt habe, nach alledem, was passiert ist. Wann habe ich das letzte Mal mit Max gesprochen? Und bei Katharina habe ich mich bislang auch noch nicht entschuldigt.

„Heute Vormittag lernst du zwei meiner Helfer kennen. Die anderen haben frei. Vielleicht verstehst du dich mit ihnen ja gut. Es sind alles sehr nette Sims hier in Chestnut Ridge. Du wirst es lieben.“

Hallo? Wer sagt, dass ich hier bleiben will? Ich bin froh, wenn ich schnell wieder wegkomme.

„Okay, hihi. Ich sehe, du bist noch nicht wirklich ansprechbar. Tut mir leid. Ich räume weiter auf und dann können wir anfangen.“

Hmpf. Habe ich echt übermorgen Geburtstag? Ich wollte eigentlich was Besonderes machen. Ordentlich feiern. Und jetzt sitze ich irgendwo im Nirgendwo. So weit weg von allem.

Und bevor ich irgendwas mache, gehe ich joggen. Die Zeit muss sein. Wenn ich schon hier bleiben muss, dann möchte ich auch wissen, was es alles so gibt. Muss ich Paps auch mal fragen, wie er sich das jetzt vorstellt. Ein paar Tage, okay. Aber Wochen? Monate? Kein Bock.

Aber krass, dass ich übermorgen schon 18 werde. Vielleicht mache ich ja bald mal einen Führerschein. Dann kann man mich nicht einfach irgendwo absetzen und wegfahren. Ich entscheide dann selbst und kann schnell wieder abhauen, wenn es sein muss.


Isabelle möchte, dass ich zum Lama komme. Toll. Darf ich dem Lama jetzt den Hintern abputzen oder was?

„Traust du dich zu, Fridolin zu streicheln?“

Ich rede immer noch nicht wirklich viel. Bin voll angepisst. Was soll das alles hier? Verarschen die mich alle?

„Also?“

„Aber ich muss nicht die Kacke wegmachen, oder? Muss ich das? Das werde ich ganz bestimmt nicht. Können Sie selbst machen.“

„Hm. Nein. Erstmal musst du die Tiere verstehen lernen. Lernen, wie man mit ihnen umgeht. Ihnen zeigen, dass du ihnen nichts Böses möchtest. Schau mal. Komm mal mit!“

Das Lama guckt schon total böse. Ich weiß, dass man ihnen nicht in die Augen schauen soll. Der soll es sich nicht wagen, mich anzuspucken.

„Schau mal. Ganz einfach.“

Kurz verspüre ich sogar Freude. Keine Ahnung. Jetzt habe ich Lust, Fridolin auch einfach mal zu streicheln. Wie sich das wohl anfühlt?

„Komm her, Joel. Trau dich. Fridolin ist lieb und mal schauen, ob er dein Freund werden kann, hihi.“

„Okay. Cool.“

Ich komme zu Isabelle und versuche es einfach mal. So weich. Und das Lama scheint es zu mögen. Hätte nie gedacht, dass ich sowas mal machen würde.

„Brav gemacht, Fridolin. Hier hast du dein Leckerli.“

Okay, jetzt bin ich gerade etwas stolz auf mich.

„Kommen wir zu Frieda. Sie müsste einmal geputzt werden. Traust du dir das zu, Joel?“

Äh, okay. Jetzt kommt wieder die Fraktion „Kein Bock“. Nä. Niemals. Die Kuh stinkt total.

„Ja, was? Komm schon.“

Ich gucke Isabelle jetzt nur noch giftig an. Das kann sie selbst machen.

„Ganz ehrlich? Nö. Es mag ja alles schön für Sie sein, aber für mich ist das kein Leben. Ich werde jetzt Paps anrufen und er soll mich abholen. Das geht zu weit.“

„Ich stehe niemals um 4 Uhr morgens auf. Möchte keine Kühe putzen oder was auch immer. Mein Geburtstag ist übermorgen und den werde ich bestimmt nicht beim Melken verbringen. Ich gehe.“

„Okay. Wenn du das so möchtest. Dann kann ich dir aber schon so viel sagen, dass du mit dieser Einstellung nicht weit kommen wirst. Meine Güte. Wie soll ich dir denn sonst helfen? So auf jeden Fall nicht.“

Ich merke, dass sich hier unsere Wege trennen werden. Nein. Einfach kein Bock zu.

Also gehe ich.

Eine Weile setze ich mich noch auf die Bank. Ich denke nicht, dass ich Paps jetzt schon erreichen kann. Er bringt mich um, wenn ich ihn plötzlich anrufe. Aber es ist ja eigentlich ein Notfall. Hm.

Ich möchte meinen Geburtstag feiern. Katharina küssen und wieder zur Schule gehen. Sie fängt doch Montag wieder an. Und stattdessen bin ich in dieser Pest von Bauernhof und ....

Plötzlich bemerke ich, wie meine Hand richtig heiß wird und kribbelt. Sie fühlt sich auf einmal so mächtig und unberechenbar an. Bis sie anfängt zu glühen. Am liebsten würde ich diese Kraft gerade so richtig rausschreien. Zeigen, dass man das nicht mit mir machen kann. So hebe ich meinen Arm und setze zum Schreien an .......


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